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       Kitzbühel
      06.06.2021

 

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Herz Jesu von Landeskurat Msgr. Josef Haselwanner

Von Landeskurat Msgr. Josef Haselwanner

Heuer begeht Tirol die 200-Jahr-Feier des Gelöbnisses des Landes Tirol an das göttliche Herz Jesu.
Der Bund der Tiroler Schützenkompanien hat aus diesem Anlaß für sein Arbeiten das Motto gewählt: "Von den Fahnen in die Herzen!"

Damals in der Not, unter fremder Herrschaft, in der Kriegsgefahr suchte man Hilfe bei Gott dem Herrn, man stellte sich unter seinen Schutz, man betete um Frieden und Freiheit, und als äußeres Zeichen ihres Glaubens hefteten unsere Väter das Symbol des göttlichen Herzens auf viele ihrer Fahnen. Es war dies ein äußeres Zeichen einer inneren Haltung und Überzeugung.

Heute, da wir Frieden schon so lange haben wie niemals je zuvor, da können wir dies kaum noch begreifen; wir haben aber auch kaum noch Zugang zu dem, was "Herz Jesu" im tiefsten und letzten bedeutet. Die Symbole sagen uns nicht mehr allzuviel, wir verstehen sie nicht mehr, es besteht die Gefahr, daß sie wirklich nur mehr Zierat auf alten Fahnen sind und nicht mehr brennen in den Herzen der Gläubigen.

Und so wäre es der Mühe und der Arbeit wert, sie wieder hereinzuholen in die Herzen der Menschen, denn in ihnen ist die Fülle und Tiefe unseres Glaubens enthalten. In diesem Bild vom göttlichen Herzen wird uns das gesagt, was Johannes in die kurzen Worte faßt: "Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,16). In einer Zeit der absoluten Gläubigkeit an die Technik, die Wissenschaft und den Fortschritt, des Konsumdenkens und des Genießenwollens. In einer Situation, in der der Mensch vereinsamt, kein Ziel mehr hat und oftmals auch keinen Sinn mehr findet, in der die Menschen verarmen (materiell und seelisch in der Welt) und Gefühlskälte immer mehr um sich greift, Herzen in der Gefühlsarmut und Gleichgültigkeit aneinander erstarren, wo Heimat- und Geborgenheitssuche vergeblich wird, hier ist wiederum Herz gefragt, oder, wie es Bischof Dr. Stecher einmal ausdrückte: "Herz müßte Trumpf sein."
Nicht Herzen aus Stein, nein, solche aus Fleisch und Blut sind gesucht. Herzen, die von der Liebe nicht nur sprechen, sondern sie einfach tun. Gelebte, praktizierte Nächstenliebe, Kameradschaft, Miteinander und Füreinander, Solidarität ist gefragt.

All das, was Getrenntes zu verbinden und vereinen mag; was Versöhnung schafft und die Kraft besitzt, zu verzeihen und zu vergeben; das, was bereit ist zu geben und zu schenken und zu opfern; was Vertrauen aufbaut und schenkt; Hoffnung gibt, Zuversicht und Zukunft; all das, was Sinn finden und das Ziel des Lebens entdecken läßt, was aus der Endlichkeit und Begrenztheit hinausweist in die Weiten des Lebens und der Zukunft, was den Sprung schafft vom Diesseits ins Jenseits; das was zu finden wäre in der Stille, aber auch der Lärm der Welt nicht zum Schweigen bringen kann; was wir entdecken könnten im Wort Gottes und im Gebet.

Um das Teilen, das Schenken - das seliger macht als das Nehmen -, um die Solidarität, die aus all unseren Abgründen, Tiefen und Bitternissen. Wir können sie finden in den Herzen der Menschen, wenn auch manchmal verschüttet und arg vernarbt. Sie leuchte uns aber vor allem auf im Herzen des menschgewordenen Gottessohnes, im Herzen Jesu.

Nach Johannes dem Evangelisten (19,34) hat es der Hauptmann unter dem Kreuz mit seiner Lanze geöffnet, und es floß Blut und Wasser heraus.

Ein Lanzenstoß ins Zentrum der Welt und der Heilsgeschichte: in das Herz des Herrn, in dem die Fülle wohnt und nicht die Leere, das das Leben ist und nicht der Tod, in dem sich alle Liebe sammelt und konzentriert, in dem die Güte zu finden ist, jedoch kein Raum für Enge, Verneinung und Abgründiges. Hier im Zentrum der Welt und inmitten der Geschichte wird durch einen Menschen, der nicht weiß, was er die Quelle allen Heils, der Hoffnung und der Zukunft geöffnet.

Wasser strömt hervor, das die Sünde der Welt abwäscht; Blut als Zeichen des Neuen Bundes, das uns Menschen für immer mit Gott verbindet.

Der Hauptmann unter dem Kreuz selbst, die Kirchenväter, Theologen und unzählige Christen schauen seither staunend und ergriffen auf das durchbohrte Herz Jesu. In Not und Gefahr, in Leid und Bedrängnis nahmen sie zu ihm ihre Zuflucht, und in ihm sahen sie die Quelle und das Zeugnis der unergründlichen Liebe Gottes zu uns Menschen.

Das durchbohrte Herz zeigt uns, wie ernst es Gott meint. In diesem geöffneten Herzen des Erlösers wird uns gesagt, daß es offensteht für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. In diesem Herzen - dem Herzen Jesu - wird uns gesagt, daß Gott seine Liebe, die er uns einmal zugesagt, niemals mehr zurücknimmt.

Karl Rahner sagt in einem Gebet:
"Am Herzen Jesu wissen wir, wer Gott uns sein will, beglückendes Geheimnis der Liebe.
Wenn er uns liebt, ist alle Herzensnot von uns genommen. An seinem Herzen, in diesem Herzen wird unser Herz ruhig. Es ist da, Herz, an dem selbst noch Diebe und Mörder Verzeihung finden."
Es ist das Herz, in dem unsere tiefsten Nächte Tage geworden sind, weil es sie mit uns getragen. Es ist das Herz, in dem sich alles in die eine Liebe verwandelt."

Herz Gottes, Herz Jesu, Reichtum der Liebe, deren wir Menschen so nötig bedürfen. In diesem Herzen wird uns gesagt, daß es offensteht für alle und daß es für dieses Herz keine Grenzen und Hindernisse gibt. Herz Gottes, das Brücke ist von Gott zu uns Menschen und umgekehrt. Aber auch Brücke von Mensch zu Mensch, auf daß sie eins werden und seien.

Herz Gottes und Herz Jesu, das uns aber auch in die Pflicht nimmt, Empfangenes und unverdient Geschenktes weiterzugeben an unsere Brüder und Schwestern, damit auch wir nicht mehr für uns selber leben, sondern füreinander und für den, dessen Herz so viele unserer Fahnen ziert; daß es von den Fahnen in unsere Herzen komme und Frucht bringe und Zeugnis gebe in Kirche und Welt.

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