Wintersteller
Aktuelle Informationen
Datenschutzverordnung
  siehe unter Aktuelles
 
Bataillonsfest 2019
         Kössen
    17.-19.05.2019
 
Bataillonsfest 2021
       Kitzbühel
      06.06.2021

 

'.Image.'

Erbe und Auftrag von Mjr. Emmerich Steinwender

Von Landeskommandant STEINWENDER

Vielleicht kann der eine und andere mit diesem Motto "Erbe und Auftrag" nicht allzuviel anfangen. Man könnte dieses Jahresmotto aber auch mit "Der Weg von Gestern ins Morgen" umschreiben. Es geht also um die Frage wie können wir Altes, Bewährtes, Gutes, Tradition, Fundamentales, Nicht Aufgebbares bewahren, also herüberretten ins Heute und ins Jetzt.

Ich glaube, daß Redewendungen, die momentan modern sind, überhaupt nichts mit unseren "Fundamenten" im Schützenwesen zu tun haben, wenn sie auch vor allem der älteren Generation nicht gefallen.

Wir leben heute in einer Zeit in der es modern geworden ist englische Ausdrücke für ganz normale Lebensvorgänge zu gebrauchen.

Denn die Sprache "modernisiert" sich und wir haben darum ja auch keine Paradeiser mehr, sondern nur Tomaten und genießen in Österreich statt Schlagobers zeitgemäß Sahne. Wir sprechen im "Klartext", "profilieren" uns durch Fremdworte und sagen von Dingen, die beliebt sind, sie seien "in". Man hat gelegentlich "frustriert" zu sein und ein schönes Mädchen als "Klassefrau" zu bezeichnen. "Klasse" ist überhaupt alles, was nicht gerade "out" ist. Heute sind englische Vokabel "in". Statt eines Ausflugs macht man einen "trip", statt Schwung und Arbeitsfreude hat man "drive". "Eingeweihter" wird zeitgemäß durch "insider" ersetzt, und "feeling" klingt allemal noch besser als "Gefühl"

Französisch ist bei uns jetzt eher "out". Vor 150 Jahren war das umgekehrt, denn wie ein Chronist berichtet, schrieb das in Wien weilende junge Fräulein von Hofer, die Tochter des Andreas Hofer, an ihre Mutter unter folgender Adresse: "á Madame Nannette de Hofer, née Ladurner, á Passeyer". Mit diesen zeitlichen Neuerungen setzt sich sicherlich die ältere Generation mehr auseinander, als die Jungen.
Aber alle diese sprachlichen Neuheiten ändern nichts daran, daß wir Schützen ein Erbe anzutreten dafür einzutreten und auch den Jungen weiterzugeben haben. Wir treten ein :

 

  • für vorgelebten Schützenbrauch
  • für erarbeitetes Kulturgut
  • für geschichtliches Bestandsgut
  • für Traditionsbewußtsein um dieses Erbgut wieder der nächsten Generation oder den

Nachfolgern weitergeben zu können.

Vorgelebter Schützenbrauch :
Das Vorbild hat im Vordergrund zu stehen. Die Jugend orientiert sich nach Vorbildern. Dazu gehört Gewissenhaftigkeit, Treue, Solidarität, Gemeinschaftssinn, die Anerkennung von Leistungen, Pünktlichkeit, positive zwischenmenschliche Beziehungen, das Zuhörenkönnen, das Unterdrücken des egozentrischen Denken und Handelns aber vor allem auch die Kompromißbereitschaft. Ohne Kompromisse ist ein Zusammenleben in einer Gemeinschaft nicht möglich und war es auch nie. Wer diese Tugenden ausstrahlt wird immer ein großer Gewinn für jede Schützenkompanie sein. Versuchen wir es, um ein gutes Vorbild für die Jugend zu sein. Eines muß auch klar sein, eine Kompanie, die für die Jugend ,wobei ich unter Jugend nicht nur die Jungschützen verstehe, nichts tut ist ein absterbender Ast in der großen Schützengemeinschaft. Wer wird dann später einmal das Ererbte übernehmen und weiter fördern.

Erarbeitetes Kulturgut :
Darunter versteht man sicherlich nicht nur das Renovieren von kleinen Kulturdenkmälern, obwohl dies eine schöne und lobenswerte Arbeit darstellt. Fragen wir einmal in unserer Kompanie nach unserer eigenen Schützenfahne. Was sind da für Zeichen aufgestickt. Welche Bewandtnis hat es mit dem heiligsten Herz Jesu. Vor 200 Jahren in Zeiten größter Not hat sich das Land Tirol dem heiligsten Herz Jesu verschrieben. Ausgegangen ist es vom Abt Sebastian STÖCKL von STAMS, der wiederum vom Pfarrer von Wildermieming dem Kuraten Johann PFAUSLER diese Anregung übernommen hatte. Am 1. Juni 1796 wurde also von den Vertretern des ganzen Landes auch Welschtirol dieses feierliche Gelöbnis in BOZEN einstimmig beschlossen und am 3. Juni 1796 in der Pfarrkirche zu BOZEN in Gegenwart des gesamten Ausschusses erstmals durchgeführt. Dabei hielt der Prälat Sebastian STÖCKL von STAMS, der Urheber des Gelübdes, das Pontifikalamt. Es wäre sicher überlegenswert, was die Schützen am Herz - Jesu - Sonntag außer dem Ausrücken zur Prozession noch tun könnten. Vielleicht wäre hier eine Absprache mit dem Pfarrer sinnvoll, daß ein Schütze die Erneuerungsgebete für dieses Gelöbnis in der Kirche vorliest.


Auf der anderen Seite unserer Schützenfahnen haben wir den Tiroler Adler aufgestickt. Was hat es mit diesem Adler für eine Bewandtnis ? Er war das Wappen der Grafen von Tirol. Ursprünglich meinte man, daß die älteste Abbildung der Adler der Zenoburg sei. Als im Jahre 1981 - 1984 die Stiftskirche zu STAMS renoviert wurde wurde durch die Restauratoren entdeckt, daß die älteste Abbildung des Tiroler Adlers auf der Grabplatte von MEINHARD II abgebildet ist. Im Jahre 1984 wurde die Stiftskirche mit der feierlichen Wiedereröffnung zur Basilika erhoben.
Dem Tiroler Adler setzte dann Friedrich IV auch genannt Friedrich mit der leeren Tasche als Dank dafür, daß ihm nach dem Konzil von KONSTANZ die Tiroler Bauern und Bürger in den Städten behilflich waren sein Land wieder in Besitz zu nehmen, ein goldenes Krönlein auf.
Maximilian I dankte dem Tiroler Volk für die geleisteten Zuzüge und fügte dem Tiroler Adler ein Lorbeerkränzlein hinzu. Somit ist das heutige Wappen Tirols entstanden.
Die Frage ist wieviel wissen wir davon und wieviel können wir unseren nächsten Generationen weitergeben.
Wenn wir schon beim Kulturgut sind fragen wir uns wie steht es mit den Kulturgütern in meiner Gemeinde ? Kennen wir die überhaupt ? Es beginnt bei schönen historischen Häusern, geht über Kapellen und vor allem unserer Pfarrkirche. Laden wir doch einmal den Dorfchronisten ein in unser Schützenheim, der uns interessante Dinge über unsere engere Heimat gerne erzählt. Wie können wir solche Dinge unseren Nachfolgern weitergeben, wenn wir darüber selbst nichts wissen.
Wie steht es mit dem Fahnenband der Fahnenpatin. Wer war sie denn und was hat sie für unsere Kompanie geleistet. Haben wir ihr dies überhaupt jemals gedankt ? Wie steht es denn mit unseren alten Fahne in der Kompanie. Werden diese sorgfältig gepflegt und gehegt.

Geschichtliches Bestandsgut :
Nur wenige haben die Zeit und auch den Mut sich mit der Geschichte Tirols auseinander zu setzen. Im engeren Bereich, nämlich im Dorfbereich wäre dies sicherlich wünschenswert. Laden wir auch hier einmal zu einer Diskussion den Dorfchronisten ein, der mit uns über unsere Dorfgeschichte diskutiert und vielleicht auch einige alte Bilder von unserem Dorf zeigt. Man könnte dann fragen wie ist eigentlich unsere Dorfkommune entstanden, welche guten und schlechten Zeiten hat sie im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht. Alle diese Dinge werden heute in den Schulen kaum mehr unterrichtet. Wir hätten somit eine Aufgabe geschichtliches Bestandsgut an die Jungen weiter zu geben. Eines dürfen wir nicht vergessen, nur ausrücken, ein Bier und ein Würstl zu essen kann sicherlich nicht den inneren Wert der Schützen ausmachen, obwohl auch dies dazugehört. Merken wir uns Wissen ist Macht, vor allem Wissen im inneren Gefüge der Gemeinde.

Traditionsbewußtsein:
Was wissen wir eigentlich über unsere eigene Kompanie. Wann wurde sie erstmals gegründet und wann wurde sie nach dem 2. Weltkrieg wiedergegründet. Was haben unsere Vorfahren für Opfer gebracht, um die eigene Kompanie wieder auf die Beine zu bringen. Welche Schwierigkeiten und vielleicht auch Eifersüchteleien müßten überwunden werden, daß die Kompanie so dasteht wie sie heute ist. Gibt es eine Kompaniechronik, die auch im Schützenheim für alle aufliegt zum Lesen ? Wenn es in der Kompanie berühmte Vorfahren gibt kennen wir die überhaupt, können wir über diese etwas erzählen und weitergeben. Heben wir der Jugend gegenüber vor allem die Begeisterung und den Einsatz für die Allgemeinheit heraus. Tradition heißt Überlieferung. Vor allen gute Taten, Eigenständigkeit und Opfergesinnung könnten weitergegeben werden. Die Jugend braucht etwas an dem sie sich orientieren kann.

Überlegen wir uns, ob wir in der Schützenkompanie den Todestag von Andreas Hofer am 20. Feber irgendwie feierlich begehen könnten.
Legen wir das Jungschützenbuch, das Buch "40 Jahre Bund der Tiroler Schützenkompanien" oder die sehr guten Texte des Tiroler Schützenkalenders, die von mir in einem eigenen Buch zusammengefaßt werden, in unseren Schützenheimen für interessierte Leser auf. Nützen wir doch diese Bildungsunterlagen.

Wir Schützen haben ein Erbe übertragen bekommen, wir haben es zu sichten und mit Entschiedenheit weiter zu geben. Was liegt zwischen der Übernahme des Erbes und der Übergabe. Das kann nur sein der Auftrag.

Alle die vorher ausgeführten Punkte sind der Zeit anzupassen, wobei aber an den Grundsätzen der Schützen nichts zu rütteln sein darf. Die Weitergabe ist mit Kreativität und Aktivität zu erfüllen, mit Optimismus zu versetzen und mit Idealismus zu stärken, aber von allen Negativströmungen der Zeit fernzuhalten und vor allem es auch selbst vorleben. Gerade das Letztere schließt sehr vieles mit ein. Nur mit Leben erfülltes Erbgut hat eine Chance weiter zu leben. Erfüllen wir den Auftrag des Vorlebens. Tun wir es mit Überzeugung, Tun wir es gemeinsam, denn nur gemeinsam sind wir stark. Tun wir es aber mit Freude.

Der Auftrag für uns Führungskräfte der Schützen heißt auch Aufträge weitergeben. Die Erfüllung von Aufträgen oder Aufgaben auf eine möglichst große Basis zu verteilen heißt auch, daß es von der breiten Masse getragen wird.

Auftrag soll aber nicht Zwang heißen, er soll auf Freiwilligkeit basieren, er soll getragen sein aus innerer Überzeugung, aus Stolz und Ungezwungenheit.
Sind wir uns aber bewußt, "Jeder Tag ist der Scheidepunkt von Erbe und Auftrag". Sei unsere Arbeit eine Bereicherung des Erbgutes und sei unsere Arbeit jener Auftrag das von uns weitergereichte "Erbe" in die Hände jener zu legen, die wir wollen und nicht andere wollen.
Mittelpunkt unseres Schützenlebens müssen aber immer die Grundsätze als Grundpfeiler bleiben, nämlich :

Die Treue zu Gott und dem Erbe der Väter
der Schutz von Heimat und Vaterland
die geistige und kulturelle Einheit des ganzen Landes
die Freiheit und Würde des Menschen
die Pflege des Tiroler Schützenbrauches.

Zurück

 
© Futureweb OG