Wissenswertes
Der Retter in der tiefsten Not (Mai 1809)
Mathias Wieshofer 1752-1819
Dechant von St.Johann und
Oberfeldkaplan von Johann Jakob Stainer (1805)
Mathias Wieshofer wurde 1752 als eines von 12 Kindern in Kössen geboren. Sein gleichnamiger Vater, der dortige Kupferschmied ermöglichte Ihm unter großen Entbehrungen das Theologie Studium in Stifte Herren Chiemsee sowie in München und Trient. Seine umfassende Ausbildung zur Lehrtätigkeit, und seine umfassende Bildung in lebenden und toten Sprachen erhielt er in Freiburg, beim dortigen Jesuitenorden. 1772 trat er dem Jesuitenorden bei, und wurde in Freiburg in den Orden aufgenommen. 1773 wurde der Jesuitenorden in Bayern aufgehoben und verboten. So ging Wieshofer wieder in die Heimat zurück. In Salzburg hielt er im beisein des letzten Chiemseeer Bischofs Siegmund Christoph Graf von Zeil in der Kirche von St. Loretto seinen ersten Gottesdienst ab. 1781 kam er als Koadjutor nach Hopfgarten, so begann seine Seelsorgerische Laufbahn, außerdem bekleidete er noch den Posten eines k.u.k. Schulvistitators für die Gerichte Rattenberg, Kufstein und Kitzbühel, am 23. Dez. 1783 wurde zum Dechant von St. Johann in Tirol ernannt ,dazu gehörten auch die Pfarren Kirchdorf, Brixen, Hopfgarten, St. Ulrich, Söll , Kitzbühel und Reiterwinkl. Er diente unter den Bischöfen von Chiemsee, Brixen, Freising und später von Salzburg.
Zu seinen engsten Freunden und Gleichgesinnten gehörten die Schützenhauptleute wie Johann Jakob Stainer, Rupert Wintersteller, Josef und Georg Reischer und der Jochberger Wirt Anton Oppacher.
1799 erhielt auf sein einwirken der damalige St. Johanner Schützenhauptmann Feller die Goldene Ehrenmedailie des Kaisers, für seine Verdienste bei der Verteidigung der Tiroler Südgrenze, verliehen. Die damit verbundenen 50 Gulden spendete Feller zur Einrichtung eines Jahrtages für die gefallenen Schützenkameraden.
Da er gezwungen war, die von Kaiser Josef II befohlenen Kirchenreformen umzusetzen. War er die erste Zeit sehr unbeliebt, und umstritten. Frauen die sich mit der neuen Kirchenordnung nicht abfinden wollten, bezeichneten Ihn als Antichristen, und bewarfen ihn mit Ihren Rosenkränzen.
Das änderte sich erst als die Steuerlast durch die unaufhörlichen Kriege immer erdrückender wurden, und die Einquartierungen durch die österr. Armee taten ihr übriges. Die Einheimische Bevölkerung verarmte zu sehens, und fand Trost und Beistand bei ihren Dechant. Das Dechanatshaus in St. Johann wurde zur Zufluchtstätte der Armen und Bedürftigen.
Diese Mildtätigkeit und Hilfe für die Armen und Kranken verhalfen Wieshofer zu großen Ansehen bei der Bevölkerung. Jedoch nahmen auch sehr hoch stehende Persönlichkeiten bei diesen gebildeten Mann Quartier zB. Kaiserin Marie Luise mit dem Herzog von Reichstadt (Sohn Napoleons), sowie die Kaiserin von Russland, und Kaiser Franz I der ihm 1803 die goldene Ehrenmedailie für seine Verdieste für Staat und Kirche verlieh.
Wieshofer war auch ein großer Patriot und Freiheitskämpfer in der Schlacht am Bodenbühel im Jahre 1800 beteiligte sich Wieshofer an der Seite seines Destriktoberkommandanten Joh. Jakob Stainer als Oberfeldkaplan der Tiroler Schützen an der Schlacht.
Im Jahre 1805 war er ebenfalls an der Seite seines Freundes Wintersteller an der siegreichen Schlacht am Pass Strub beteiligt.
Dies brachte Wieshofer, bei den Bayern den Ruf eines Volksverhetzers und Rebellen ein. Als im Jahre 1806 Tirol, bayrisch wurde und in St. Johann Das Getreide und Nachschubszentrum für die französisch Bayrische Armee eingerichtet wurde, prangerte Wieshofer oft die Verfehlung und Gottlosigkeit der Besatzer an. Er beugte sich jedoch der Staatsgewalt und hielt sich an die Vorgaben der Bayern, deshalb durfte er im Amt bleiben.
Dechant Wieshofer im Freiheitskampf 1809
Da er über gute Kontakte zum österr. Kaiserhaus verfügte, nahm Wieshofer eine Schlüsselrolle in den Vorbereitungen des Volksaufstandes von 1809 ein. Über ihn liefen die Informationen zu den einzellnen Schützenkompanien. Als sich nun der Wiederstand 1809 formiert hatte und im April 1809 die Bayrischen Besatzer aus Tirol vertrieben wurden.
mahnte er jedoch zur Besonnenheit und verhinderte Übergriffe an gefangenen bayrischen Soldaten sowie Beamten und Richtern. Die während der bay. Besetzung ihr Unwesen in Tirol trieben, und sich den Hass der Landbevölkerung zugezogen hatte.
Als jedoch die Bayern und Franzosen am 11. Mai 1809 wieder am Pass Strub standen, und die Tiroler Schützen unter Oppacher die bayrischen Angreifer nach 9 stündiger harter Schlacht, leider der Übermacht weichen mussten. Brach das große Unheil über die Dörfer nach der Grenze herein Waidring, Erpfendorf, Kirchdorf wurde geplündert, und ein Raub der Flammen 110 Giebel brannten und davon über 43 Höfe. Der gesamte Besitz von Wintersteller wurde niedergebrannt. (3 große Gasthäuser, mehrere Landwirtschaften insgesamt 13 Dächer).
Die bay. Offiziere verloren die Kontrolle über Ihre Männer, und die wiederum zogen mordend und plündernd durch die Dörfer. So berichtet der Pfarrvikar von Waidring Stefan Prantner :“Es sind Fälle bekannt wo schwangeren Frauen die Bäuche aufgeschlitzt wurde, und mit samt ihren daneben stehenden Kind getötet wurden, und das heilige Öl unserer Kirche zum Schuhputz verwendet wurde. Frefel und Mordbrennen so weit das Auge reicht. Jedenfalls fanden in Waidring und Kirchdorf über 100 Ziwilisten den tot, die in einem Massengrab beigesetzt wurden, Schützen oder jüngere Männer wurden sofort getötet, Frauen vergewaltigen und getötet. Der Viertelschreiber von Kirchdorf schreibt:“ Die Franzosen begnügen sich mit plündern, doch die Bayern unsere Brüder sind schlimmer als die Türken, und die Hunnen, wahre Teufel in Menschengestalt. Sie töten sogar die Alten und Lappen aus reinem Vergnügen, auch unsere Blessierten im Spitale schlachten sie. Wir waren zu den bayrischen Gefangenen immer anständig, wir teilten mit ihnen unser Essen, und kauften ihnen Brot von unserem Geld, und Sie töten aus Spaß unsere Kinder.“
Nun bemerkte man den der Rauch, und das Kriegsgeschrei auch in St. Johann. Die ersten Häuser in der Umgebung von St. Johann brannten schon. Da fasste sich Wieshofer ein Herz und stellte sich General Wrede entgegen. Als dieser Wieshofer sah, befahl er seinen Leuten mit den Worten.
„ Verfluchter Pfaff, du bist auch ein solcher Volksverführer, knie nieder- schießt ihn.
Ihn zu töten
Gott ergeben kniete sich Wieshofer nieder, und schrie Wrede auf französisch entgegen „Nehmt mich, aber verschont unser Dorf“ In diesem Augenblick stürmt der Oberbefehlshaber Marschall Lefebvre herbei, und sieht das schreckliche Schauspiel. Er befielt den mutigen Dechant zu ihm, und lässt im die Ketten lösen. Wieshofer bittet nun Lefebvre auf besten französisch, um die Schonung von St. Johann, und er werde schon sehen. Dieser Krieg ist nur mit Güte zu gewinnen, sonst werde es kein Ende des Mordens geben. Der französische Marschall lies sich nun erweichen und gab Befehl die brennenden Häuser in der Umgebung des Gasthof Bären zu löschen, dann nahm er Quartier bei Wieshofer im Dechanathof. Wo er gut umsorgt wurde, und sich von Wieshofer bewirten lies.
So blieb St. Johann eine Feuersbrunst erspart, jedoch die Plünderung konnte der mutige Dechant nicht verhindern. Auf der Suche nach Oppacher wollte Gen. Wrede einige bayrische Kompanien nach Kitzbühel und Jochberg schicken, und falls er sich nicht freiwillig stellen würde, sollte Kitzbühel und Jochberg den Erdboden gleichgemacht werden. Da Wieshofer Oppacher jedoch als Ehrenmann beschrieb, der die bayrischen Gefangenen gleich behandelte wie seinen eigenen Männer, und verwundete Bayern die beste Versorgung zukommen lies die zur Verfügung stand. Darauf hin verschob Wrede die Jagt auf Oppacher, und Kitzbühel und Jochberg blieben verschont, und die schon befohlene Hinrichtung Oppachers wurde ausgesetzt.
Wintersteller der sich in den umliegenden Bergen mit seinen Getreuen verschanzt hatte, und erneut zuschlagen wollte, wurde von Wieshofer gewarnt er solle sich zurückziehen und auf den richtigen Zeitpunkt warten, der sicher noch kommen würde. Momentan würde er in eine Falle laufen, die den sicheren Tot bedeuten würde. So entging Wintersteller und Reischer der Gefangennahme. Stainer war mit seiner Familie nach St. Ulrich geflohen, und verbarg sich dort, jedoch wurden seine Besitzungen in Waidring arg in Mitleidenschaft gezogen.
So rettete ein Priester einen Großteil der Freiheitskämpfer des Gerichts Kitzbühel das Leben.
Als sich Wintersteller im Oktober 1809 wiederum anschickte den Kampf erneut aufzunehmen. Flehte Wieshofer die in St. Johann versammelten Sturmkompanien an. Die Waffen zu verstecken, und nach Hause zu gehen. Er sollte Recht behalten, nach der Niederlage Hofers am Berg Isel, wäre dieses erneute Opfer umsonst gewesen. Wieshofer ermöglichte darauf hin die Flucht Winterstellers nach Österreich und erwirkte auch wieder seine Rückkehr. Nach der Hinrichtung Hofers am 20.Feb. 1810 tröstete Wieshofer, das in Argonie und Hoffnungslosigkeit verfallene Landvolk, ganz besonders bedurfte Wintersteller der Zuwendung Wieshofers, denn er konnte den Tot seines Freundes Hofers kaum ertragen.
Nun kamen 4 Jahr des Versteckens, und Angst vor einer Verhaftung, auf die Freiheitshelden zu. Viele von Ihnen verdankten Ihr Leben dem St. Johanner Dechant.
Doch die Not war auch ohne Krieg unvorstellbar groß. In den Jahren 1810 bis 1813 sorgten zahlreiche Naturkatastrophen für Elend in der Bevölkerung. Hagel, Missernten, Trockenheit, es herrschte eine regelrechte Hungersnot beim Landvolk. An eine Reperatur der niedergebrannten Häuser und sonstiger Kriegsschäden war nicht zu denken. Doch Wieshofer öffnete immer wieder seine Scheunentür und Stallungen, um das schlimmste Elend zu lindern.
Am 10. Juli 1814 zelebrierte Wieshofer einen Dankgottesdienst zur Wiedervereinigung Tirols mit Österreich, und am 3. August 1814 versammelte Wintersteller die gesammten Schützen des Gerichts Kitzbühel bei Spital in der Weithau zur Wiedervereinigungsfeier mit Österreich wobei Wieshofer die Festmesse hielt, und Landeskommandant Roschmann die Festansprache vornahm. Als Zeichen der Freude feuerten die versammelten Schützen Ehrensalut um Ehrensalut.
Stundelang hallten die Schüsse vom Kaisergebirge zurück. Und ein Fest der Freude nahm seinen Lauf.
Wieshofer konnte jedoch die Wiedergewonnene Freiheit nicht lange genießen, am 23. Sept. 1818 verstarb der schwer kranke Mann in St. Johann an einem Schlaganfall. Ihm zuehren wurden im gesammten Gericht stundenlang die Sturmglocken geleutet, und kündeten vom Tot dieses großen Tiroler Helden. Mathias Wieshofer Priester, Freiheitskämpfer und Wohltäter.
Die Geschichte der Wintersteller Schützen
1504: Die Gerichte Rattenberg Kitzbühel und Rattenberg werden ein Teil Tirols.
1511: Durch die Einführung des Tiroler Landlibells sind auch die Dörfer im Gericht Kitzbühel dazu verpflichtet, Schützenfähnlein aufzustellen.
1548: „Schitzen“ des Gericht Kitzbühel besetzen zum ersten Mal die Befestigungen am Pass Strub
1664: Schützen des Gerichts Kitzbühel stellen einen Teil des Tiroler Kontingents gegen die Türken vor Wien.
1703: Schützen des Gerichts Kitzbühel beteiligen sich am Kampf gegen die in Tirol eingefallenen Bayern. Unter Hptm. Johann Aufschneiter (Postwirt aus Waidring) rücken sie zur Befreiung Innsbrucks aus.
1790-1800: Zahlreiche Ausrückungen an die Tiroler Südgrenze gegen die Franzosen. Besondere Verdienste: Hptm. Feller aus St. Johann
1800: Sieg über die Bayern und Franzosen am Botenbühel bei Unken. Besondere Verdienste: Hptm. und Distriktoberkommandant Stainer aus Waidring
1805: Sieg über die Bayern und Franzosen bei der 3-tägigen Schlacht am Pass Strub. Besondere Verdienste: Mjr. Wintersteller und Mjr. Wolkenstein
1809:
April: Beteiligung bei der Belagerung von Kufstein
Mai: Niederlage gegen eine bayrisch-französische Übermacht am Pass Strub. Besondere Verdienste: Hptm. Oppacher aus Jochberg
August: Josef Speckbacher übernimmt das Oberkommando der Schützen des Gerichts Kitzbühel
Sept.: Einmarsch in das benachbarte Pinzgau, Befreiung des Pinzgaus und des Gerichts Kitzbühel von der Fremdherrschaft, Belagerung von Bad Reichenhall; Besondere Verdienste: Mjr. Wintersteller aus Kirchdorf und sein Adjudant Josef von Prugger aus Waidring
Okt.: Niederlage bei Melleck mit einigen Toten und Verletzten, 300 Mann gehen in Gefangenschaft - darunter auch der 11-jährige Sohn Speckbachers Anderl. Wintersteller muss nach Österreich flüchten! Stainer, Oppacher, Reischer, Hörfarter und viele mehr werden als Geiseln nach Bayern verschleppt.
1814: Tirol kommt wieder zu Österreich. Zu Ehren dieses Tages rücken alle Kompanien des Gerichts Kitzbühel in St. Johann unter dem Kommando von Rupert Wintersteller zu einem Freudenfest aus.
1814-1848: Die Schützenkompanien des Gerichts Kitzbühel werden zu Stand-schützen und werden nicht mehr zur Landesverteidigung herangezogen.
1848: Aus Standschützen werden wieder Kompanien gebildet.
1848: Die Schützen des Gerichts Kitzbühel rücken unter Hptm. Unterrainer (Waidring) an die Südgrenze aus und kehren siegreich in die Heimat zurück.
1858: Schützen des Gerichts Kitzbühel nehmen an der Schlacht bei Solverino teil.
1873: Neue Tiroler Wehrverfassung, Bildung des Schützenbataillons Kitzbühel
1914-1918: 1. Weltkrieg: Schützen des Bataillon Kitzbühel verteidigen 1.200 Tage lang die Tiroler Südgrenze und erhalten den Ehrentitel Kaiserschützen.
1918-1938: Die Standschützenkompanien werden in die vaterländische Front eingegliedert.
1938: Verbot des Schützenwesens durch die Nationalsozialisten, Vernichtung fast aller Fahnen und Trachten. Auch Waffen werden eingezogen.
1959: Wiedergründung des Schützenbataillon Kitzbühel. Zu Ehren von Rupert Wintersteller, dem großen Helden aus dem Jahre 1809, wird der Name Wintersteller-Schützenbataillon Kitzbühel angenommen.
1950-2006: Zahlreiche Wiedergründungen und Neugründungen. Heute besteht das Bataillon Wintersteller aus 16 Kompanien und ist ein stolzer Teil des Viertel Unterland und des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, der ca. 14.000 Mann umfasst.
Historische Gliederung der Schützen des Gerichts Kitzbühel 1703-1814:
- Kompanie: Kitzbühel
- Kompanie: Aurach, Jochberg
- Kompanie: Viertel Reith (Reith, Kirchberg, Going, Ellmau,Söll)
- Kompanie: St. Johann, Oberndorf
- Kompanie: Pillersee: Fieberbrunn, St. Ulrich, St. Jakob, Hochfilzen)
- Kompanie: Kirchdorf, Waidring, Erpfendorf , Walderwerchat, Kössen
Gliederung des Bataillon Kitzbühel 1848-1918:
1. Kompanie: Kitzbühel, Aurach, Jochberg
2. Kompanie: Brixental (Brixen, Westendorf, Hopfgarten)
3. Kompanie: Viertel Reith (Reith, Kirchberg ,Going)
4. Kompanie: St.Johann, Oberndorf
5. Kompanie: Pillersee (Fieberbrunn, St.Ulrich, St.Jakob, Hochfilzen)
6. Kompanie: Kirchdorf (Kirchdorf, Waidring, Erpfendorf, Kössen)
Heutige Gliederung:
16 gleichberechtigte Kompanien, sind im Wintersteller-Schützenbataillon zusammengefasst.
Die Geschichte der Tiroler Schützen 1408-2006
1408: In einigen Tiroler Städten (z.B. Hall, Innsbruck etc.) gründen sich erste
Bürgerwehren zum Schutz (Wortursprung für: "Schützen") gegen äußere und innere Feinde. Damalige Bewaffnung: Eisenhut, Harnisch-Spieß, Schwert und Armbrust.
1499: Beim Engadiner Krieg gegen die Schweizer Eidgenossen kommen auf Tiroler Seite sogenannte „Schitzen Landsknechte“ zum Einsatz
1504: Beim bayrischen Erbfolgekrieg kommen auf Seiten Kaiser Maximilians sogenannte "Schitzenfähnlein" (von den Bezirksgerichten gestellt) zum Einsatz. Die Gerichte Kitzbühel, Kufstein, und Rattenberg werden Teil von Tirol.
1511: Maximilian erlässt das Tiroler Landlibell, und überträgt die Landesverteidigung den Tiroler Landständen. Die Landstände beauftragen jede Gemeinde in ganz Tirol damit, ein Schützenfähnlein aufzustellen. Jeder Tiroler kann im Kriegsfall zur Ver-teidigung der Tiroler Grenze herangezogen werden und hat jedenfalls sogenannte Schiechten zu leisten.
1636: Die sogenannten Schützenfähnlein werden durch Scharfschützenkompanien und Landsturm ersetzt. Jeder Tiroler ist landsturmpflichtig. Die örtlichen Schützen-kompanien stellen das freiwillige Heer der Tiroler Landstände dar.
1703 - “ Die Stunde der Schützen“:
Tiroler Schützenverbände werfen das in Tirol eingefallene Bayernheer aus eigenen Kräften aus Tirol.
1790-1800: Es gibt zahlreiche Einsätze von Schützenverbänden an der Tiroler Südgrenze (Hptm. Feller / St. Johann)
1800: Schützen des Gerichts Kitzbühel unter Hpm. Stainer (Waidring) besiegen die Bayern bei Unken.
1805: Schützen des Gerichts Kitzbühel unter Wintersteller und dem angrenzenden Pinzgau unter Strucker besiegen nach einer 3-tägigen Schlacht die bayrisch- französische Armee am Pass Strub. Tirol wird jedoch ein Teil Bayerns. Schützen-kompanien werden aufgelöst.
1805-1809: Das Tiroler Volk leidet sehr unter der bayrischen Besetzung. Kriegsdienst, Geldentwertung, religiöse und wirtschaftliche Repressalien, Enteignungen und Willkür der neuen Herrn führen zur Volkserhebung von 1809.
1809: Unter Andreas Hofer erhebt sich das Tiroler Volk und befreit die Heimat von der Fremdherrschaft. Durch mangelnde Unterstützung des Kaisers ging dieses edle Bestreben leider verloren.
1810: Nach Niederschlagung des Tiroler Freiheitskampfes wird Andreas Hofer in Mantua erschossen. Die Führung der Tiroler Schützen muss ins Ausland flüchten.
1814: Nach der Niederlage Napoleons wird Tirol wieder ein Teil Österreichs, die alte Tiroler Wehrverfassung bleibt jedoch außer Kraft. Aus den Schützenkompanien werden Standschützen (Sportschützen).
1848: Revolutionsjahr - Der arg in Bedrängnis geratene Kaiser setzt die alte Tiroler Wehrverfassung wieder in Kraft. Tiroler Schützen rücken zur Verteidigung der Süd-grenze gegen die ital. Rebellenarmee unter Garibaldi aus.
1858: Erneuter Einsatz an der Südgrenze (30.000 Mann) "Schlacht bei Solverino"
1873: Neuordnung der Tiroler Landesverteidigung - Tiroler Schützen werden fester Teil der Tiroler Landesverteidigung!
1915: Tiroler Schützen rücken mit 35.000 Mann erneut an die bedrohte Südgrenze aus und verteidigen sie gegen die einfallenden Italener ein Jahr lang mit Erfolg bis die österreichische Armee aus Russland zurück kehrt.
1918: Südtirol wird ein Teil Italiens. In Südtirol werden die Schützen verboten, und die deutschsprachige Bevölkerung unterdrückt und diskriminiert. Die Schützenkompanien bestehen im Untergrund jedoch weiter und versuchen, das alte Kulturgut zu erhalten. In Nordtirol bilden die Schützen das Rückgrat der vater-ländischen Front.
1938: Nach dem Einmarsch Hitler-Deuschlands werden auch die Nordtiroler Schützen verboten und das Tragen von Fahnen, Waffen oder Tracht unter strenge Strafen gestellt. Viele der historischen Fahnen und Trachten werden vernichtet, Schützenkompanien bestehen auch hier im Untergrund weiter.
1945: Tiroler Schützenverbände befreien Teile von Tirol und Innsbruck und übergeben Innsbruck als befreite Stadt den Amerikanern.
1948: Die Nordtiroler Schützen werden von der französischen Besatzung wieder zugelassen, gefördert und aus Wehrmachtsbeständen neu bewaffnet.
1950-2006: Zahlreiche Wiedergründungen und Neugründungen von Schützen-kompanien finden in fast allen Tiroler Gemeinden statt. Heute stellen Schützen in ihren Gemeinden einen wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens dar und haben sich besonders beim Erhalt von Tiroler Kulturgütern verdient gemacht.
Die Standschützen des Gerichts Kitzbühel (1814 bis 1945)
Wer waren die sogenannten Standschützen?
Nach den so heldenhaften Freiheitskampf von 1809, und der Niederlage der Tiroler Schützen bei der 4. Bergisel Schlacht, und bei Meleck (Okt.1809) wurde nun Tirol wieder ein Teil Bayerns. Die so tapfer für den Kaiser kämpfenden Tiroler Schützenkompanien wurden aufgelöst, und man versuchte die Strukturen des Schützenwesens zu zerschlagen.
Im Untergrund bestanden die Schützenkompanien mit ihren freigewählten Offizieren weiter, man wagte jedoch keinen weiteren Aufstand gegen die bayrische Staatsmacht.
1814 Napoleon war geschlagen. Der bayrische König verbündetet sich nun mit dem Kaiser in Wien und Tirol kam wieder zu Österreich.
Kaiser Ferdinand und sein Reichskanzler Clemens Fürst Metternich sahen in dem Schützenwesen eine Gefahr für die Monarchie, und verboten es, im Gegenzug wurden Landwehrregimenter aufgestellt und in Tirol stationiert. Dies Landwehrregimenter waren die Vorgänger der späteren Tiroler Kaiserjäger (ab 1848 ).
Da es jeden unbescholtenen Tiroler Bürger, seit dem Jahre 1534 erlaubt war frei Waffen zu tragen, gründeten die aufgelösten Schützenkompanien sogenannte Schießstände. Wo man sich traf, und an seiner Treffsicherheit übte. Bei diesen Schießständen musste man sich eintragen lassen, mit dieser Eintragung war man gleichzeitig vom Militärdienst befreit. Aus diesem Grund hatten diese Dorfschießstände großen Zulauf.
Erst im Jahre 1848 in Wien war die Revolution im Gange, in den Ital. Provinzen kam es zum Aufstand, und Garibaldis Rebellenarmee, mit Unterstützung der Franzosen rückte auf die Tiroler Grenze vor. Nun erst begriff der Kaiser in Wien, dass die Tiroler Schützen nicht revolutionär sondern österreichisch gesinnt waren. So setzte er das alte Tiroler Wehrgesetz wieder in Kraft, und 144 Schützenkompanien (Standschützen) sowie Landsturm, kamen den an der Grenze in Welschtirol arg in Bedrängnis geratenen Tiroler Kaiserjägern, und den Salzburger Rainerregimentern zur Hilfe. Die Gliederung war die selbe wie vor 1805 jedes Gericht hatte ein Bataillon zu stellen, wohin die einzellnen Dörfer ihre Schützen entsenden mussten. Das Gericht Kitzbühel stellte ein Bataillon: mit 6. Kompanien
1.Kompanie: Kitzbühel, Jochberg ,Aurach 4.Kompanie: Viertel Reith, Going, Kirchberg
2. Kompanie: Brixental 5.Kompanie: Pillersee (St. Ulrich, Fieberb.)
3. Kompanie: Oberndorf, St. Johann 6.Kompanie: Kirchdorf, Kössen, Waidring
Dieser Zeitpunkt kann als Wiedergründung der aufgelösten historischen Schützenkompanien verstanden werden. Denn nur durch den Einsatz der Schützenkompanien, und des Landsturms war es möglich Tirol als Ganzes zu erhalten, und die ital. Nationalisten zurückzuschlagen.1859 das Land Tirol war wieder in Gefahr, erneut kam es zu einem Krieg an der Südgrenze, und die Tiroler Schützen rückten zur Unterstützung der K.u.K. Armee an die Südgrenze aus.
Wieder konnte durch den Einsatz der Schützen Schaden von Tirol ferngehalten werden, und Tirol blieb in seinen Grenzen bestehen.
1864 kam es nun zur Neuordnung der Tiroler Landesverteidigung. Landesschützen (Landwehrregimenter gehörten zur K.u.K. Armee), Scharf oder Standschützkompanien (wurden aus den ehemaligen Schützenkompanien gebildet), und der Landsturm. Es blieb jedoch den Kompanien auch weiterhin gestattet die Offiziere frei zu wählen.
1871 wurden die Tiroler Landesschützen zu einer stehenden militärischen Einheit mit 10 Bataillonen bzw. 4. Regimentern umgewandelt. Der Landsturm bildetet die Reserve und umfasste alle Reservisten bis zum 42 Lebensjahr. Die Schützenkompanien, nunmehr Standschützen, blieben freiwillig, und mit dem Beschluss der Landtage von Tirol u. Vorarlberg 1874. Als Stütze der Landesverteidigung erhalten, und hatten somit einen klaren Verteidigungsauftrag.
Standschütze konnte jeder unbescholtene Bürger aus Tirol, und Vorarlberg werden, der das 17. Lebensjahr vollendet hatte. Diese eingetragenen Standschützen, waren jedoch unabhängig davon, vom 21-32 Lebensjahr Wehrdienstpflichtig, und vom 32-42 Lebensjahr Landsturmpflichtig.
So kam es, dass im Mai 1915 als Italien völlig unerwartet, das Bündnis mit Österreich aufkündigte, und Österreich den Krieg erklärte. Tirol praktisch ohne militärische Landesverteidigung dastand, die Landesschützenregimenter (ab 1917 durften sie auf Grund ihrer großen Verdienste den Namen Kaiserschützen tragen), die Kaiserjäger, und der Landsturm waren an der Ostfront (Russland, Polen, Rumänien, Bulgarien). wo bereits seit einem Jahr der 1. Weltkrieg tobte, und von wo viele nicht mehr zurückkehrten.
Die Standschützen rücken zum Schutz der Heimat aus!
Eilig wurden nun die Standschützenkompanien einberufen, jedoch fehlten alle Schützen von 21 bis zum 42 Lebensjahr, sie waren in Russland. Also rückten alle Standschützen vom 17 bis zum 20 Lebensjahr, und alle über 42 an die Südfront aus.Diese beherzten Schützen griffen zu den Waffen, und stellten sich wie ein Mann den ital. Aggressoren entgegen. 24000 Standschützen gegliedert in 47 Bataillone. Den Gerichtsbezirken entsprechend, stellten sich zusammen mit 28 Bataillone. Kaiserjäger, und Landesschützen( mit nur 75 Geschützen), zusammen 35ooo Mann, den Italienern entgegen. 2 Italienischen Armeen mit 180 Bataillone ca. 100000 Mann, mit ( 170 Geschützen) griffen die 350 km lange Tiroler Südgrenze an.
Die beherzt kämpfenden Jung bzw. Altschützen brachten den ital. Angriff zum stehen, und hielten die Front, und somit die Tiroler Grenze bis zur Rückkehr regulärer österreichischen Truppen( Kaiserjäger, und Tiroler Landesschützen) bis Mitte Oktober 1915, also ein halbes Jahr praktisch Alleine. Eine grandiose Leistung wenn man die Übermacht der Italiener berücksichtigt.
Die sogenannten Standschützen wurden nun dem österr. Regimentern unterstellt und blieben bis Ende des 1. Weltkriegs im Fronteinsatz. Siegreich hielten, die tapfer kämpfenden Schützen, Kaiserschützen, Kaiserjäger, und das zur Hilfe geeilte Deutsch Alpenchor. Die Italiener aus Tirol fern. Doch die K.u.K. Monarchie war am Ende. Obwohl die österreichischen Truppen weit im Feindesland standen. Musste der Kaiser am 3. Nov. 1918 einen Waffenstillstand zustimmen, und gab die Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen bekannt.
Die Tiroler und Österr. Truppen befanden sich bereits auf dem Rückzug in die Heimat, als die Italiener die Kampfhandlungen wieder Aufnahmen, und die 36 Stunden zwischen Waffenruhe und Waffenstillstand ungehemmt zu weiteren Kampfhandlungen ausnutzten.
So besetzten die Italiener ohne Gegenwehr, in 12 Stunden „zusätzlicher Kriegszeit“ was Ihnen in 3,5 Jahren Krieg nicht gelungen war. Die meisten der ausgerückten, Landesschützen und Standschützenkompanien gerieten in diesen 12 Stunden noch in Kriegsgefangenschaft, von wo die meisten nicht mehr zurückkehrten, verschleppt nach Italien waren sie den unmenschlichen Schikanen der sogenannten“ Sieger“ ausgesetzt, und dienten als Faustpfand in den Friedensverhandlungen.
So ging Südtirol verloren, Italien war nicht der Sieger, sondern hat es sich mit Falscheid, Verrat und Heimtücke angeeignet, und der grenzenlose Einsatz der so heldenhaft kämpfenden Schützenverbände (Standschützen), wurde am Ende durch einen Fehler der Heeresleitung zu Nichte gemacht.
Jedenfalls haben die Tiroler Schützen, und die Tiroler Bevölkerung, alles gegeben, um dieses Unglück zu verhindern. Doch das Schicksal kam anders. Gleichzeitig stellt dieser Einsatz den letzten Kampfeinsatz der Tiroler Schützen dar. Nach dem 1. Weltkrieg bestanden die Standschützen in Nordtirol weiter, in Südtirol wurden sie verboten.
1938 nach dem Einmarsch deutscher Truppen und der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurden die Schützen in Tirol verboten, dass tragen von Tracht und Fahne unter Strafe gestellt. Die Schützen mussten wiederum im Untergrund weiterarbeiten. Beherzten Schützen gelang es jedoch einige Fahnen zu retten, und sie vor den Nazischergen in Sicherheit zu bringen.
1945 Unter Mithilfe von Schützenverbänden gelang es Innsbruck von den Nationalsozialisten, und den Resten der dort stationierten Deutschen Wehrmacht zu befreien. So konnte Innsbruck als befreite Stadt den Amerikanern übergeben werden. Aufgrund dieser Heldentat durften nach dem 2. Weltkrieg - mit Förderung der Besatzungsmächte, die ersten Schützenkompanien neu aufgestellt werden, und wurden von der französischen Armee noch vor dem österr. Bundesheer wieder bewaffnet.
Ab 1950 kam es dann zu zahlreichen Wiedergründungen, und Gott sei Dank gibt es heute wieder in fast in jeder Tiroler Gemeinde ein Schützenkompanie. Die, die 500 jährige Tratition Tiroler Schützen, oder Standschützen aufrecht erhält.
Clemens Riedlsperger
Die Klausenkapelle und der Antlaßritt
(Entnommen aus dem Buch : "Der Tiroler Anteil des Erzbistums Salzburg" von DDr. Matthias Mayer, erschienen 1936)
Die Klausenkapelle bei Kirchberg ist an sich keine Wallfahrtskapelle und wird auch für gewöhnlich in diesem Sinne nicht besucht. Sie steht etwa 300 Schritte außerhalb des Weiters Klausen am linken Ufer des gleichnamigen Baches und an der heutigen Grenze der Gerichte Hopfgarten und Kitzbühel, die auch bis 1803 die Grenze zwischen dem salzburgischen Brixental und Tirol bildete. Alljährlich einmal aber ist diese Kapelle das Ziel einer seit langem schon, auch bei schlechtestem Wetter, gehaltenen Prozession.
Während die eigentlichen Antlaßumgänge der drei beteiligten Gemeinden Brixen, Kirchberg und Westendorf vormittags nur bei gutem Wetter in der gewöhnlichen Weise gehalten werden, findet der Antlaßritt nachmittags stets statt, nur bei Überschwemmung soll er ausbleiben. So ist denn vom Mittag des Fronleichnamstages an im Brixental fast alles in Bewegung, um diesen Zug teils vorzubereiten und selbst mitzumachen, teils anzusehen. Für den jungen Burschen oder Knecht ist es eine große Ehre, wenn er etwa das erste Mal anstelle des Vaters oder Bauern selbst dabei mittun darf, und wo immer ein Pferd im Stalle steht, wird es geputzt und hergerichtet, denn der Zug ist ausschließlich beritten.
Die Westendorfer und Kirchberger reiten vor ihrem Ausritt einzeln oder in Gruppen, wie sie sich eben einfinden, um einen vor ihrer Kirche aufgerichteten Maibaum ("um eine Stange in vollstem Galopp" - schreibt Lettenbichler) und sammeln sich danach, die Kirchberger z. B. vor dem Kalswirt, um nun geschlossen in der herkömmlichen Ordnung mit ihren Geistlichen nach Brixen zu "traben" (nach älteren Nachrichten "Rosenkranz betend"). Vom Brixner Widum aus beginnt der eigentliche Antlaßritt Schlag 1 Uhr. Der Dechant oder früher ein Kooperator holt, begleitet von den beiden anderen Geistlichen, das Allerheiligste, das er, mit Chorrock und Stola angetan, in der Versehbursa um den Hals hängt und so in der Hand hält. Dann besteigt er das an der Kirchtüre bereitgehaltene Pferd, wozu gern ein Schimmel gewählt wird. Die Brixner Reiter mit Priestergruppe seihen sich zwischen die Kirchberger und Westendorfer ein, und der Zug setzt sich paarweise, laut betend, unter vollem Glockengeläute und dem Schalle der an der Spitze marschierenden Brixner Musik in Bewegung.
Zuerst wird ein im Hof des Dechantgebäudes stehender Kastanienbaum zugleich mit der Kirche umritten. Früher wurde dieser Baum allein umritten, was wegen des beengten Raumes Schwierigkeiten bot. Ehemals war dort ein Boschen (Maibaum) aufgestellt, der mit einem Schwedenkopfe - er sah aber mehr einem Türken gleich - gekrönt war. Der Ritt führt dann durch die fahnengeschmückte Straße von Brixen, an dessen Dorfende die Musik umkehrt. Die Reiter aber ziehen durch Lauterbach, Bockern, Spertendorf weiter. Beim Sichtbarwerden der Prozession auf der Höhe von Bockern setzt das Glockengeläute von Kirchberg ein. Am Eingang dieses Dorfes, beim sog. Stöcklmarterl, wird der Zug von der Kirchberger Musik empfangen und weitergeleitet. Beim Vorbeireiten am Kirchbühel schweigen Musik und Vollgeläute, nur mehr das Sterbeglöckl ertönt. Am Füße des Bühels wird auch über die Reiter der Segen gegeben. Hinter Kirchberg, auf der Klausnerhöhe, kehrt die Musik um, und auch das Sterbeglöckl verstummt; unter lautem Beten und zeitweiligem Klingeln der Ministrantenglocken kommt der Zug in einer Viertelstunde an den Klausenbach. Nahe der dortigen, gemauerten sog. Schwedenkapelle ist ein Maibaum aufgerichtet, der wieder zugleich mit der Kapelle umritten wird. Zu diesem Zwecke ist der dortige Wiesenzaun niedergelegt und das Gras rundum abgemäht worden. Der Maibaum stand früher etwa 25 bis 30 Schritte hinter der Kapelle und wurde seinerzeit zuerst für sich allein umritten.
Bei der Kapelle sitzt dann die Geistlichkeit und der Großteil der Reiter ab, worauf in derselben die vier Evangelien gelesen und nach den Himmelsrichtungen der Wettersegen erteilt wird. Ein Teil der Abgesessenen führt wohl auch seine Pferde in den nahen Weiler Klausen zur Tränke. Beim Hansenbauer steht auch für die Reiter eine große Schüssel saurer Milch herkömmlicherweise auf dem Tisch bereit. Nach alldem wird in der gleichen Ordnung wieder zurückgeritten, von der Klausnerhöhe an erschallt wieder das feierliche und nun sieghafte Geläute der Kirchberger Glocken - diesmal ohne Sterbeglöckl. Vom Badl bis zum Stöcklmarterl geht auch wieder die Musik mit. Da trennen sich dann die Kirchberger ab und umreiten nochmals ihren Maibaum. Die übrigen lösen den Zug erst in Brixen auf. Hier und in Westendorf beschließt, ähnlich dem Beginne, ein Umritt um den Maibaum die ganze Feierlichkeit.
Der Brauch trägt also einen ausgeprägt altertümlichen Charakter nach strengen Überlieferungen in den Einzelheiten. In der Zusammensetzung und Ordnung des Zuges ist aber nachweisbar manche Wandlung eingetreten. In der alten Zeit sollen nur besitzende Bauern am Ritt teilgenommen haben und dazu berechtigt gewesen sein, später traten Knechte und Jugendliche immer mehr an deren Stelle, auch Handwerker-, Arbeiter-, Veteranen- und Schützenvereine tun heute mit. In der Kriegszeit ritten auch Offiziere unter ihnen.
Auf Altertümlichkeit in Tracht und Pferdegeschirr wird viel Wert gelegt. A. Renk beschrieb diese erstere seinerzeit folgendermaßen: hoher, schwarzer Filzhut mit Goldquaste, brauner, rotgesäumter, langschößiger Rock, rote, mit grünem Hosenträger überspannte Weste, lederne Bauchbinde, schwarze Kurzhose, weißwollene Wadenstrümpfe und Bundschuhe. Lettenbichler erwähnt braunlodene Haftelröcke. Für die Pferde verwendet man eigene "Antlaßgeschirre" und altgeformte Sättel. Die Zäume tragen auf gefärbtem Leder glänzende Messingstreifen mit ausgeschnittenen Pferdefiguren, die ältesten auch kunstvoll in Stern-, Kreuz- und Kreisform aufgenähte Kaurimuscheln. Auf dem Kopf der Pferde weht ein aus bunten Hennenfedern zusammengesetzter Büschen. Die Mähnen sind gezapft und die Schweife künstlich gekraust. Um den Hals der Tiere hängen Laub- und Blumenkränze, den ganzen Körper entlang ziehen sich Gehänge aus Pfingstrosen oder roten Papierblumen. Lärchenzweige liegen auf dem Rücken der Pferde oder sind am Schweife festgebunden. Das müsse alles so sein, sagen alte Leute.
Auch die Reiter selbst tragen vielfach Kränze und meistens in der rechten Hand lange Buchen-, Eschen-, Ahorn-, Linden- oder Haselnußzweige säbelartig an die Schulter gelegt, zum Zeichen des einst erfochtenen "Sieges", wie der Volksmund sagt. Ebenso stehen Zweige am ganzen Weg. Auffälligerweise fehlt aus der älteren Zeit jede Nachricht von bewaffneten Gruppen, deren Teilnahme erst jüngeren Datums ist.
Dabei ist bemerkenswert, daß die Volksüberlieferung den Antlaßritt auf einen Einbruch der Schweden in die Gegend und eine Bedrohung des Brixentales durch diesen Feind aus der Gegend von Kitzbühel zurückführt. Die Bewohner des Tales hätten die Feinde, denen sie bewaffnet und von einem Geistlichen mit dem hochwürdigsten Gute begleitet entgegengezogelt waren, zurückgeschlagen.
Zum Dank für Gottes Hilfe habe man damals an der Stelle des Sieges eine Kapelle erbaut und das Gelübde der jährlichen Reiterprozession gemacht.
Nach altem Brauch und Ordnung findet auch heute noch der Antlaßritt statt. An die hundert Schützen aus den Kompanien Brixen, Kirchberg und Westendorf nehmen in Tracht hoch zu Roß daran teil.
Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines Tiroler Schützenoffiziers in der Öffentlichkeit
Im Lexikon findet man folgende allgemeine Definition für den Begriff „Offizier“:
„Ein Offizier ist ein Soldat mit dem Dienstgrad Leutnant bis General. Offiziere haben die Verantwortung für Führung, Ausbildung und den Einsatz von Verbänden bzw. Truppenteilen. In der rein hierarchischen Einteilung in drei Laufbahngruppen belegen sie den ersten Platz, haben also Befehlsgewalt über die unterstellten Unteroffiziere und die Mannschaften. Die Offiziere selbst werden wiederum in Dienstgradgruppen unterteilt“.
Aus dieser Definition können wir schon drei Verantwortlichkeiten eines Tiroler Schützen-
offziers herausfiltern:
1. Führung der Kompanie: Offiziere prägen das Auftreten der Kompanie nach Außen und auch innerhalb.
2. Ausbildung der Kompanie: Sowohl das militärische Auftreten als auch die geschichtliche,
moralische und kameradschaftliche Formung jedes einzelnen
Schützen/ jeder einzelnen Marketenderin im Sinne unserer
Grundsätze gehört zur Aufgabe der Offiziere.
3. Einsatz der Kompanie: Die Offiziere müssen entscheiden können, wann Schützen- ‚
kompnien ausrücken und wann nicht, wann eine Ausrückung
„Schützenwürdig“ ist und wann nicht.
Eine vierte Verantwortlichkeit ist das korrekte Auftreten des Schützenoffiziers in der Öffent-
lichkeit. Ein Schützenoffizier muss die Grundsätze des Tiroler Schützenwesens hinaustragen
in die Gesellschaft; nur sollten wir da nicht päpstlicher sein als der Papst.
Es gibt allerdings gewisse Grundeigenschaften und Charakterzüge, welche einen Schützen-
offizier prägen sollen: Dazu gehören neben Höflichkeit, Korrektheit, Kameradschaftsgeist
und Vorbildwirkung für die Jugend ein „gefestigtes“ Auftreten in der Öffentlichkeit,
ein praktiziertes christliches Glaubensleben und das Eintreten für die geschichtliche, kuklturelle und geographische Einheit des Landes Tirol in seinen Grenzen vor 1918!
Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der „geistig- kulturellen Landesverteidigung“,
welche leider auch in unseren Reihen manchesmal mit Füßen getreten wird. Aber der
Gesamttiroler Schützenbund und die entstehemde Europaregion Tirol sind der richtige Weg
in diese Richtung.
Ich gehe einmal davon aus, dass sich aktive Offiziere oder Männer, die sich für die
Wahl zum Offizier bereitstellen, ein ganz besonderes Interesse an der Geschichte
und an der gesellschaftspolitischen Stellung der Tiroler Schützen haben.
Offiziere haben, wie erwähnt, eine leitende Stellung in der Kompanie und sie sind auch
Ansprechpartner für alle Kompaniemitglieder. Offiziere geben der Kompanie eine
gewisse Ausrichtung im Auftreten und in der Stellung im örtlichen Leben.
Offiziere stehen aber auch im Rampenlicht und vertreten die Kompanie nach aussen.
Daher ist es für diese Führungskräfte so wichtig, sich selbst in Bezug auf Alles, was mit
dem Tiroler Schützenwesen zu tun hat, dauernd weiterzubilden. Dieses Wissen muss
aber auch weitergegeben werden, damit jede Marketenderin, jeder einfache Schützenkamerad
nach aussen hin jenes Auftrten an den Tag legen kann, welches von einem Tiroler Schützen
in der Öffentlichkeit erwartet wird. Und diese Öffentlichkdeit wird immer kritischer und
betrachtet gerade uns Schützen oft sehr genau.Wir sind ein positiver Faktor in diesem Land
Tirol und gerade solche Institutionen schwärzt man gerne an.-Das ist der Negativ- Zeitgeist!"
Doch wir können dem entgegensteuern, indem wir Offiziere eine Vorbildfunktion ausüben, in der Öffentlichkeit aktiv mitarbeiten und unsere Grundaätze in der Gesellschaft, in der Politik und in der kirchlichen Gemeinschaft einbringhen und verwirklichen.,So können wir dem Tiroler Schützenwesen weiterhin jenen zeitgemäßen Inhalt geben, der die Schützen zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Landes Tirol macht.
Und wenn man sieht, wieviele Schützenoffiziere in den verschiedensten Funktionen unseres
gesellschaftspolitischen Lebens tätig sind, dann wird mir aber auch nicht bang, dass wir
Schützen auch weiterhin ein Teil der Identität diese Landes bleiben.
Wir Schützenoffiziere sind das Aushängeschild des Bundes der Tiroler Schützenkompanien
und sollten daher unser Auftreten danach ausrichten und auch immer wieder kritisch hinterfragen. Wir sollten aber auch die Zivilcourage haben, unser Amt von selbst zur Verfügung zu stellen, wenn wir uns mit den Grundsätzen des Tiroler Schützenwesens nicht
mehr identifizieren können. Oder wenn wir gar Verhaltensweisen an den Tag legen, welche ‚
sich für einen Tiroler Schützenoffizier nicht ziemen.
Ich wünsche der Bataillonsjahreshauptversammlung noch einen guten Verlauf, danach einen
kameradschaftklichen Abend und verbleibe mit einem
herzlichen „Schützen- Heil“!
Christian
Referat zur Jahreshauptversammlung 2002 der Josef- Hager- Schützenkompanie:
Sehr geschätzte Ehrengäste, liebe Marketenderinnen und Schützenkameraden, geschätzte Freunde der Josef- Hager- Schützenkompanie
Zum schon traditionellen Bestandteil unserer Jahreshauptversammlung gehört seit Jahren mein Bildungsreferat. Und heuer möchte ich einmal ein Thema aufgreifen, daß nicht nur Schützenspezifisch ist , sondern ein zur Zeit allgemein brisantes Thema- ja man könnte sogar sagen "Problem" - darstellt.
"Geschichts- und Vergangenheitsbewältigung aus der Sicht der österreichischen Nachkriegsgeneration."
Ich habe dieses Thema ganz bewußt gewählt, da gerade unsere Spitzenpolitiker zur Zeit die Wörter Geschichte und Vergangenheit oft verwechseln und sehr mißbräuchlich verwenden.
Man kann zuerst an dieses Thema sehr allgemein herangehen und die Vergangenheit als alles Erlebte definieren. Alles was seit meiner Geburt oder seit Bestand einer Sache geschehen ist. Die Geschichte war aber davor. Und so kann man die Reihenfolge mit den Zeitabläufen "Geschichte- Vergangenheit- Gegenwart und Zukunft" definieren.
Bezogen auf die 2. Österreichische Republik startet die Vergangenheit mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955. Alles was davor war, ist schon Geschichte.
Für was kann der lebende Mensch Verantwortung übernehmen?
Wohl nur für Dinge, die in seiner Vergangenheit geschehen sind. Die Geschichte kann er wohl nur lernen, sich damit beschäftigen und versuchen daraus Schlüsse zu ziehen. Daraus ergibt sich für die österreichische Nachkriegsgeneration und für unsere gewählten politischen Mandatare die Verpflichtung, die Verantwortung für die Vergangenheit seit 1955 zu übernehmen. Aus dem politischen Geschehen davor können wir nur versuchen, Verständnis für das Geschichtliche zu bekommen und Schlüsse für die zukünftige Entwicklung zu ziehen. Die Geschichte fängt aber nicht 1938 an und endet 1945, sondern das jeweilige Zeitgeschehen hat sich in Jahrzehnten, ja Jahrhunderten entwickelt. Ich denke an die Entwicklung des letztendlich übersteigerten Nationalbewußtseins,dessen Wurzeln weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Auch der Antisemitissmus hat saeine Wurzeln in der beginnenden Ghettoisierung schon im Mittelalter. Und so lassen sich viele Geschehnisse vor 1955 aus einem anderen Blickwinkel sehen. Es bedarf nur einer geschichtlichen Bildung, um größere geschichtliche Zusammenhänge und Zeitabläufe zu verstehen. Das ist unsere Aufgabe, unsere Verpflichtung im Umgang mit Geschichte. Auch das Sudetendeutsche Konfliktfeld beginnt nicht erst 1945, sondern schon 1919, als gewählte politische Mandatare aus den österreichischen Bundesländern Sudetenland und Deutschmähren nicht nach Wien reisen durften, um am neugewählten Nationalrat der 1. Republik teilzunehmen.
Diese beiden Bundesländer wären nämlich das 10. und 11. Bundesland der 1. Republik gewesen.
Ein Problem stellt anscheinend für gewisse Kreise auch der Begriff einer " Österreichischen Nationalität " dar. Das ist aber keine Frage der Volkszugehörigkeit, sondern ebenfalls Frage einer jahrzehntelanger Entwicklung. Verschiedenste Mentalitäten- ich denke an den raunzenden Wiener, den melancholischen Kärntner oder den "Hüslebuenden" Vorarlberger- haben durch das gemeinsame Ziel, diese 2. Republik aus Schutt und Asche aufzubauen in der Vergangenheit ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt und für ihre Kinder eine neue Heimat geschaffen. Wenn man dies als "Österreichische Nation" bezeichnen kann, so sollten wir stolz darauf sein.Auf jeden Fall hat es mir nie Probleme bereitet, auf Dokumenten als Nationalität " Österreicher" anzugeben
Es gibt aber auch geschichtliche Begründungen für diesen Begriff. Sehen unsere deutschen Nachbarn gerne Kaiser Friedrich Barbarossa als Begründer einer deutschen Nation, so geht der Einigungsprozess Österreichs im Mittelalter auf Kaiser Rudolf I von Habsburg zurück. Und auch damit sollten wir keine Probleme haben.
Was ist nun für uns Tiroler Schützen die Geschichte und was ist die Vergangenheit?
Die Vergangenheit des Winterstellerbataillons beginnt mit seiner Gründung vor 50 Jahren im Gasthof Kramerwirt hier in Oberndorf. Die Geschichte beginnt mit der Herausgabe des Landlibells 1511 durch Kaiser Maximilian I und endet eigentlich mit dem letzten Ausrücken der Schützen als Standschützen 1915. Das alte Tirol in seinen Grenzen vor 1914 ist ebenfalls Geschichte und viele politische Entwicklungen haben aus den verschiedenen Landesteilen eigenständige, wohlentwickelte Länder gemacht. Man muß auch den wirtschaftlichen Aufstieg dieser Länder seit 1945 sehen. Es gibt heute einige Barrieren, die Welsch-, Süd- und Nord- bzw. Osttirol trennen.
Unsere Aufgabe als Tiroler Schützen wird es sein, zu verstehen, warum diese Barrieren entstanden sind. Nur mit diesen Erkenntnissen kann man daran gehen langfristig wieder diese Europaregion Tirol aufzubauen. Den kleinsten gemeinsamen Nenner müssen wir sowohl nördlich als auch südlich des Brenners suchen und auf diesem aufbauen.
Geistige Landeserneuerung ist gefragt und das ist Aufgabe vor allem auch der Tiroler Schützen als Bestandteil der Identität dieses Landes. Aber wir müssen versuchen, nicht immer nur schöne Worte zu finden, sondern wir müssen Taten setzen. Große farbenprächtige Schützenumzüge und herrliche Sonntagsreden haben ihren Platz, sind aber sicherlich zu wenig Aktivität. Unsere gemeinsamen Ziele müssen durch sichtbare Zeichen und Taten verwirklicht werden. Verständnis für die Tiroler Geschichte, Verantwortung für unsere Vergangenheit als Josef- Hager- Schützen und mit dem Wissen der Geschichtsablaüfe die Zukunft gestalten, das ist unsere gemeinsame Aufgabe.
Ich darf in diesem Zusammenhang auf den heurigen Bildungstag am So., 24. 11. 2002 in Hopfgarten im Brixental hinweisen, der sich ebenfalls mit dem Thema " Geschichts- und Vergangenheitsbewältigung " befassen wird. Hochkarätige Historiker und hoffentlich eine anrgegende Diskussion versprechen einen sehr interessanten Tag. Der Bildungstag wird öffentlich zugänglich sein und ich hoffe, daß viele von Euch dieser Veranstaltung beiwohnen.
Ich wünsche der Jahreshauptversammlung einen guten Verlauf und wünsche eine weiterhin funktionierende Zusammenheit mit Euch allen im kommenden Jahr.
Oberndorf, am 09. 06. 2002,
Schützen Heil,
Christian
Gemeinsame Heimat Tirol (Teil 1)
Der Bund der Tiroler Schützenkompanien hat sich für das Jahr 2007
"Gemeinsame Heimat Tirol"
als Jahresmotto entschieden. Ein sehr brauchbares, zeitgemäßes Thema, das zum Nachdenken anregt aber auch zum Handeln einlädt.
Viele Fragen kann man mit diesem Thema verbinden, viele gängige Meinungen und Klischees hinterfragen:
Was ist Heimat? Wie groß ist meine Heimat? Kann man Heimat schenken, vermitteln oder
gar verordnen, wie dies einige politische Gruppierungen meinen?
Was heißt "gemeinsame" Heimat? Für wen ist sie "gemeinsam“? Ist "gemeinsam" überhaupt gewünscht? …
"Gemeinsame Heimat Tirol" in seinen schönsten Facetten:
Heimat: Freiheit, Verwurzelung, Identität, Unterordnung, Landschaft, Geschichte, …
„Schutz von Heimat und Vaterland“ setzt voraus, dass ein gemeinsamer Katalog von „schutzbedürftigen und schützenswürdigen Werten“ besteht oder endlich geschaffen wird.
Die Schützen des "Wintersteller- Schützenbataillons" im Bezirk Kitzbühel haben schon vor einigen Jahren versucht, im Rahmen der Broschüre "Gedanken zum Schutz der Heimat" den Begriff "Heimat" zu definieren:
Einmal ist "Heimat" der persönliche Lebensraum, abgegrenzt durch subjektives Empfinden und durch die Zugänglichkeit der eigenen Mentalität.
Dieser Lebensraum ist für uns Schützen besonders durch die Natur, den „Kulturraum“, die „Sprache“ und das Bekenntnis zum christlichen Glauben besonders charakterisiert.
Andererseits wird "Heimat" durch persönliche Prioritäten und Zielsetzungen nach Außen auch abgegrenzt.
Geprägt wird Heimatgefühl von der Geborgenheit in der eigenen Familie, den geografischen und historischen Bildern, die unter anderem in der Schule bzw. in Gruppenstunden der Jungschützen vermittelt werden und durch die Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit in passenden Gesellschaftsgruppen des Ortes und einer Region. So gesehen gibt es kein einheitliches „Heimatbild“ in umfassender Form, daher kann „Gemeinsame Heimat Tirol“ nur Teilbereiche, aber doch wesentliche Teilbereiche persönlichen Empfindens betreffen.
Gemeinsame Heimat in größeren Räumen verwirklichen zu wollen setzt voraus, sie im Kleinen zu praktizieren. Wird die Familie als Keimzelle großer, funktionierenden Gemeinschaften in Frage gestellt oder gar ihrer Bedeutung beraubt, dann ist jeder weitere Schritt „vergebliche Liebesmüh“. Das Modell Familie könnte in Manchem als Grundlage für ein „gemeinsames Tirol“ herangezogen werden. „Ein Mann ein Wort“, „Handschlagqualität“, ein starkes „Wir“ ein kleineres „Ich“, in übertragenem Sinn und wörtlich „in guten wie in schlechten Zeiten“ sind Formulierungen aus dem Eheversprechen, die direkt übertragbar sind – auf alle Gesellschaften – die Schützen haben die Gelegenheit gemeinsame Heimat mit Vertrauen, Rücksicht, Gesprächsbereitschaft und Verlässlichkeit zu beleben.
Ehe und Familie bilden Hort und „zu Hause“. Gute Familie bedeutet, bei Kindern nicht Zeitmangel und die Elternliebe durch Geld zu ersetzen, sondern Kindern Halt, Geborgenheit – „Urheimat“ - geben. Kinder sind unsere Zukunft, sind unsere Nachfolger und unsere Garantie dafür, dass unsere Wertvorstellungen auch in Zukunft weiterleben.
Bez. Mjr. Mag. Anton Wolsegger, Lt. Dipl. Ing. Christian- Georg Hopfensperger,
Bildungsoffizier, Viertel Osttirol; Bildungsoffizier, Schützenbataillon Wintersteller
Fortsetzung folgt
Offiziere als Multiplikatoren der Bildungsarbeit und als Repräsentanten des Schützenwesens nach außen!
(Referat bei der jährlichen Offiziersausbildung im Bildungshaus St. Michael in Matrei am Brenner)
Liebe aktive und angehende Schützenoffiziere!
Ich möchte mich zuerst einmal kurz vorstellen: Meinen Namen habt ihr ja der Tagungs-
mappe entnommen: Christian Hopfensperger. Ich bin 45 Jahre alt, Absolvent der Uni-
versität für Bodenkultur und arbeite als Bodenschätzer und als Sachverständiger für die
landwirtschaftliche Bewertung im FA Kitzbühel Lienz. Ich bin verheiratet und habe drei
Kinder. Und dieses Wissen um meine persönlichen Lebensumstände ist vielleicht für mein
Referat sehr wichtig, weil die Tiroler Schützengrundsätze meine Lebenseinstellung sind
und überall mithineinspielen. Seis im Glauben, in der Familie, im Umgang mit den
Arbeitskollegen und Parteien, in der Wertschätzung des Gegenübers, ect. .
Mein Zugang zum Schützenwesen stammt eigentlich auch aus der Geschichte meiner Familie.
Obwohl meine Vorfahren aus vielen Teilen der alten Habsburger- Monarchie entstammten,
so ist doch der Tirloer Stamm der Familie ein ganz besonderer: Zurückgehend bis ins Jahr 1296 in Ried im oberen Gericht ist dieser Stammbaum lückenlos erhalten. Es kommen schon in den vergangenen Jahrhunderten einige Schützenoffiziere vor. Und so liegt hier schon eine
gewisse Familientradition vor, aber natürlich auch ein Auftrag. Der Auftrag, gelebte Schützenwerte an die nächste Generation weiterzugeben. Und so ist das Tiroler Schützen-
wesen in seiner Gesamtheit Tradition und Auftrag, oder bildlich gesprochen erhaltene Glut,
die immer wieder neue Feuer entfacht. Und jetzt bin ich schon mitten drinnen in meinem Thema "der Offizier als Multiplikator der Bildungsarbeit", weil dieses "Gluterhalten" und
dieses "Feuermachen" hauptsächlich von den Offizeren ausgehen und vorgelebt werden muß.
In meinem 45 minütigem Referat habe ich nun Zeit, das ganze Spektrum der "Bildungsarbeit" aufzubereiten und die Wichtigkeit der Offiziere in diesem Tätigkeitsbereich aufzuzeigen.
Ich werde mein Referat in fünf Bereiche gliedern:
1. Was bedeutet "Bildungsarbeit" im Tiroler Schützenwesen?
2. Warum brauchen wir diese "Bildungsarbeit"?
3. Wie kann "Bildung" weitergegeben werden?4. Warum müssen Offiziere diese "Bildungsarbeit" tragen und
5.Warum sind Schützenoffiziere Repräsentanten des Schützenqwesens nach außen?
1.) Was bedeutet "Bildungsarbeit"?
Ich bin der zuständige Bildungsoffizier im Schützenbataillon "Wintersteller" und eigentlich
betrachte ich mich als "Ideologieminister". Einer, der immer wieder versucht, eine gewisse Linie, eine gewisse kontinuierliche Entwicklung im Bataillon anzusprechen und auch vorzugeben. Und das ist eigentlich schon die "Bildungsarbeit". Man beschäftigt sich
mit der Geschichte und Geographie unseres Landes Tirols, mit Glaubens- und Philosophiefragen, mit Alltagspolitik und dem täglichen Geschehen im Land.
Man filtert das Essentielle, das Brauchbare heraus und versucht damit dem Schützenwesen neuen Inhalt zu geben.
Ich brauche ja in diesem Forum unsere Schützengrundsätze nicht aufzuzählen. Aber Bildungsarbeit bedeutet eben, diese zeitlosen Grundsätze immer wieder der Zeit adäquat anzupassen, deren Inhalte den Zeitumständen entsprechend zu definieren . Wir brauchen
keine neuen Grundsätze, aber wir müssen sie immer wieder überdenken.
Ein praktisches Beispiel dafür ist die Definition von "Schutz der Heinat". Wir haben im
Schützenbataillon Wintersteller 1996 einen Arbeitskreis zu diesem Thema gebildet.
Iin einer kleinen Broschüre mit dem Titel "Zeitgemäße Gedanken zum Schutz der Heimat" haben wir versucht, diesem Grundatz neues Leben einzuhauchen.
Und da komme ich auch schon zu einem für mich ganz wichtigen Punkt in der Schützenarbeit:
Es ist wichtig, gelebte Schützentradition zu leben. Aber noch wichtiger ist es, die Tiroler
Schützen als moderne Organisation, als ein modernes Stück Tirol darzustellen. Und da ist
es eben wichtig, durch "Bildungsarbeit" diesem Schützenwesen immer wieder Impulse zu
geben. So sind wir Tiroler Schützen ein starkes Bollwerk in unserer Heimat, zugleich aber
auch ein zeitgemäßer Ansprechpartner für unsere Mitmeschen.
2. Warum brauchen wir "Bildungsarbeit"?
Mit der Definition des Begriffes "Bildungsarbeit" bin ich jetzt schon ein bischen in diesen
zweiten Punkt hineingeraten.
- Die stetige zeitgemäße Adaption unserer Grundsätze ist schon der erste wichtige Punkt, wozu wir "Bildungsarbeit" brauchen.
Und ich darf kurz die Definition der Grundsätze vorlesen, wie wir sie 1994 in unserer
kleinen Wintersteller- Fibel zeitgemäß dargelegt haben.
Ich möchte eben das Referat immer wieder durch praktische Beispiele unserer "Bildungsarbeit" im Bataillon auflockern.
- Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Vermittlung und Weitergabe von geschichtlichen und
geographischen Daten, die mit der Entwicklung unseres Heimatlandes Tirol zu tun haben.
Vor allem auch die zeitgeschichtliche Auseinanderstzung der letzten 90 bis 100 Jahre in
Süd- und Welschtirol erscheint enorm wichtig. Ich weiß nicht, wie weit es
momentan Spannungen innerhalb des Dachverbandes der Tiroler Schützenbünde
gibt. Aber ein grundsätzliches Faktum scheint klar zu sein: Der Begriff "Deutschnational" hat in Südtirol durch einen anderen Verlauf der Geschichte in den letzten 90 Jahren eine ganz andere Bedeutung erlangt als bei uns! "Deutschnational" als Inbegriff einer Volkstumspolitik, als Auflehnung gegen eine zu große Italienisierung. Dass hier die Gefahr besteht, zu weit ins rechte Eck zu gelangen, dass hier ultrarechte Kräfte versuchen könnten, Fuß zu fassen, das ist die Gefahr dabei.
Andererseits muss auf Südtiroler Seite aber auch das Verständnis dafür gestärkt werden,
dass der Begriff "Deutschnational" bei uns negativ besetzt ist. Österreich war ein Teil Hitler-
Deutschlands und damit in der Geschichtsschreibung Mittäter. Daher ist für uns Nord- und Osttiroler Schützen klar, dass wir jeglichen Kontakt mit Neo-Nazis oder Menschen, die in deren Dunstkreis stehen, sowie mit anderen ultrarechten Kreisen vermeiden müssen.
Und um dieses gegenseitige Verständnis für andere Sichtweisen zu fördern, bedarf es unbedingt objektiver "Bildungsarbeit".
- Ein dritter wichtiger Punkt, wozu es die "Bildungsarbeit" braucht, ist die Definition der
gesellschaftspolitischen Stellung der Schützen in Tirol. Ich bin fest davon überzeugt,
dass die Schützen zur Identität dieses Landes gehören und untrennbar mit dem Namen
Tirol und seiner Geschichte verbunden sind.Wir Schützen müssen aber daran arbeiten,
dass dies auch in Zukunft so bleibt. Wir müssen weiterhin aktiv an der Gestaltung unseres
Heimatlandes mitarbeiten, unsere Grundsätze in der zukünftigen Entwicklung Tirols
verankert wissen.
Wir haben eine große Stärke in unserer Organisation: Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, aus allen parteipolitschen Richtungen marschieren unter der gleichen Fahne!
Sie haben die gleiche Idee eines traditionellen und doch modernen Tirols. In Anlehnung
an einen Slogan unserer bayrischen Freunde möchte ich sagen: "Lap- Top und Lederhose".
Das ist wichtig für uns Schützen und wichtig für unser Land. "Bildungsarbeit" ist hier gefordert, um unseren Marketenderinnen und Schützenkameraden das nötige Rüstzeug
hiefür zur Verfügung zu stellen.
- Der vierte wichtige Punkt ist die Vermittlung von religiösem Wissen, von religiösen
Riten und Bräuchen, von christlicher Alltagskultur, die in Jahrhunderten hier gewachsen ist, die die Grundlage für unser funktionierendes Zusammenleben ist. Zu dieser christlichen Alltagskultur gehört z. B. auch der Sonntag als der Tag des Herren, der Tag aber auch der Familie und der Erholung. "Bildungsarbeit" soll die Wichtigkeit dieser Dinge in unserem Leben dokumentieren
Wir leben eben nicht in Thailand oder in Kenia, sondern hier in unserem schönen Land Tirol. Im alpenländischen Bereich hat sich schon allein durch andere, durch extremere äußere Umstände eine andere, vielleicht kargere, aber umso facettenreichere Lebenskultur entwickelt, in der der Glauben eine ganz besondere Rolle innehat.
- Und ein fünftes wichtiges Thema für die "Bildungsarbeit" ist die Formung unserer Blumen-
mädchen und Jungschützen. Es ist von enormer Wichtigkeit, unser Wissen, unsere Lebens-
art und vor allem unsere Grundsätze den Kindern weiterzugeben. Sie sind die Zukunft des
Tiroler Schützenwesens; sie müssen einmal den Spagat schaffen, in einer noch schnelllebigeren Zeit zukunftsweisend Tradition mit Alltag zu verbinden.Geschichtliches
und geographisches Wissen über Tirol wird in den Schulen nur mehr in geringem Umfang
unterrichtet. Daher müssen wir Schützen unseren Kindern dieses Rüstzeug selbst mit auf den
Weg geben. Aus meiner praktischen Erfahrung, als gewesener Jungschützenbetreuer weiß
ich, wie dankbar Kinder sind, wenn man ihnen etwas über ihre Heimat erzählt. Wenn man
mit ihnen Ausflüge macht in die nähere Umgebung.
Und so soll "Bildungsarbeit" einerseits Wissen vermitteln. andererseits aber auch von vorn-
herein Fragen beantworten. Auch Fragen, die das Leben stellt, und deren Lösung der Schützenkamerad oder die Marketenderin durch einen gefestigten Charakter sowieso schon kennt. "Bildungsarbeit" leistet auch hier ihren Beitrag, indem sie zur Charakterbildung beiträgt.
Und nun zu Punkt 3:
3. Wie kann "Bildung" vermittelt werden?
Zu dieser Frage ist zu sagen, dass es hier die verschiedensten Wege gibt, die zum Ziel führen.
Und jeder wird seinen eigenen Weg finden müssen.
Aus der praktischen Erfahrung weiß ich ,dass es in erster Linie ganz wichtig ist, die Medien zu nützen: Bildungsberichte in Zeitungen schreiben, eigene Homepages der Kompanien und Bataillone für die Bildungsarbeit nützen, für das Lokalfernsehen und Lokalradio ständig mit Bildungs-Informationen präsent sein.
Ganz wichtig erscheint die Organisation von Vorträgen von Historikern, Volkskundlern, ect. .
Wir machen im Winterstellerbataillon 1 bis 2mal im Jahr den sogenannten " Historien-hoangascht in der Dorfwirtsstubm' ", wo geschichtliche Themen aufbereitet werden und danach darüber diskutiert wird.
Ich möchte euch heute schon für den Freitag, 28. November um 20:00 Uhr in unser Schützen-
heim in Oberndorf einladen, wenn Dr. Egon Kühebacher, ein namhafter Historiker aus Südtirol über Südtiroler Dialekte und die Toponomastikfrage referieren wird.
Aber auch der Austausch von geschichtlichen und geographischen oder religiösen Büchern ist
ein wichtiges Instrument in der Bildungsarbeit. Bücherlisten erstellen, die den Kompanien
zur Verfügung gestellt werden. Kleine Bibliotheken in den Schützenstuben einrichten, wo Platz dafür vorhanden ist. Interessante Bücher werden gelesen, man muss nur das Interesse
dafür wecken.
Unsere Kompanieausflüge kann man auch mit "Bildungsarbeit" verbinden, indem man z.B. Museen, Sehenswürdigkeiten oder geschichtliche Denkmäler besucht.
Auch die Geographie unserer Heimat kann man bei Ausflügen kennen lernen.
Der Obmann unserer Josef- Hager- Schützenkompanie stellt z:B. immer bei der Anreise jene Gemeinde vor, in der wir gerade an einem Schützenfest teilnehmen wollen. Kurze geschichtliche und statistische Daten aus dem Internet das genügt.
Man sollte auch die Angebote des Landes nutzen, z. B. die Landesbildstelle.
Dort bekommt man Filme für Vorführungen z. B. bei Kompanieversammlungen, Bataillons-
bildungstagen, ect.
Wichtig ist es, dass man bei der "Bildungsarbeit" ein längerfristiges Ziel vor Augen hat,
ein Generalthema, das auch bewegt. Wir haben uns bei den Winterstellern schon
seit längerem mit dem Thema "Südtirol" beschäftigt. Wir wollen unsere Marketenderinnen und Schützen-
kameraden für die Zeitgeschichte unseres südlichen Landesteiles sensibilisieren. Angefangen
hat es 2002 beim Bataillonsbildungstag in Hopfgarten im Brixental, wo Dr . Gehler vom
Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck über die Geschichte Südtirols zwischen 1918 und heute referiert hat.
Vor dreii Jahren war Frau Dr. Eva Klotz bei einem "Historienhoangascht" zu Gast und
mit dem schon erwähnten Vortrag von Dr. Kühebacher wird dieses Thema dann abgeschlossen.
Und jetzt komme ich zum vierten und vorletzten Punkt meines Referates:
4. Warum müssen Offiziere diese "Bildungsarbeit" im Schützenwesen tragen?
- Warum sind Offiziere Multiplikatoren dieser "Bildungsarbeit?
Ich gehe einmal davon aus, dass sich aktive Offiziere oder Männer, die sich für die
Wahl zum Offizier bereitstellen, ein ganz besonderes Interesse an der Geschichte
und an der gesellschaftspolitischen Stellung der Tiroler Schützen haben.
Weiters haben Offiziere eine leitende Stellung in der Kompanie und sie sind auch
Ansprechpartner für alle Kompaniemitglieder. Offiziere geben der Kompanie eine
gewisse Ausrichtung im Auftreten und in der Stellung im örtlichen Leben.
Offiziere stehen aber auch im Rampenlicht und vertreten die Kompanie nach aussen.
Daher ist es für diese Führungskräfte so wichtig, sich selbst in Bezug auf Alles, was mit
dem Tiroler Schützenwesen zu tun hat, dauernd weiterzubilden. Dieses Wissen muss
aber auch weitergegeben werden, damit jede Marketenderin, jeder einfache Schützenkamerad
nach aussen hin jenes Auftrten an den Tag legen kann, welches von einem Tiroler Schützen
in der Öffentlichkeit erwartet wird. Und diese Öffentlichkdeit wird immer kritischer und
betrachtet gerade uns Schützen oft sehr genau.Wir sind ein positiver Faktor in diesem Land
Tirol und gerade solche Institutionen schwärzt man gerne an. Das ist der Negativ- Zeitgeist!"
Doch wir können dem entgegensteuern, indem unsere Führungskräfte, die Offiziere der
Kompanien eine Vorbildfunktion ausüben, in der "Bildungsarbeit" aktiv mitarbeiten, und
dem Tiroler Schützenwesen weiterhin jenen zeitgemäßen Inhalt geben, der die Schützen
zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Landes Tirol macht.
Offizioere als Multiplikatoren der "Bildungsarbeit" indem sie aber auch unsere Grundaätze
in der Gesellschaft, in der Politik, in der kirchlichen Gemeinschaft einbringhen und verwirklichen.
Und wenn man sieht, wieviele Schützenkameraden in den verschiedensten Funktionen unseres
gesellschaftspolitischen Lebens tätig sind, dann wird mir aber auch nicht bang, dass wir
Schützen auch weiterhin ein Teil der Identität diese Landes bleiben.
Und zum Schluss darf ich noch kurz darauf eingehen, warum
5. Schützenoffiziere Repräsentanten des Schützenwesens nach außen sind!
Im Lexikon findet man folgende allgemeine Definition für den Begriff „Offizier“:
„Ein Offizier ist ein Soldat mit dem Dienstgrad Leutnant bis General. Offiziere haben die Verantwortung für Führung, Ausbildung und den Einsatz von Verbänden bzw. Truppenteilen. In der rein hierarchischen Einteilung in drei Laufbahngruppen belegen sie den ersten Platz, haben also Befehlsgewalt über die unterstellten Unteroffiziere und die Mannschaften. Die Offiziere selbst werden wiederum in Dienstgradgruppen unterteilt“
Aus dieser Definition können wir schon einmal vier Verantwortlichkeiten eines Tiroler Schützenoffziers herausfiltern:
-1.)Führung der Kompanie: Offiziere prägen das Auftreten der Kompanie nach Außen und
auch innerhalb.
-2.)Ausbildung der Kompanie: Sowohl das militärische Auftreten als auch die geschichtliche,
moralische und kameradschaftliche Formung jedes einzelnen
Schützen/ jeder einzelnen Marketenderin im Sinne unserer
Grundsätze gehört zur Aufgabe der Offiziere. Darüber habe
ich bis jetzt geredet.
-3 Einsatz der Kompanie: Die Offiziere müssen entscheiden können, wann Schützen- ‚
kompnien ausrücken und wann nicht, wann eine Ausrückung
„Schützenwürdig“ ist und wann nicht.
Die vierte Verantwortlichkeit ist das korrekte Auftreten des Schützenoffiziers in der Öffent-
lichkeit. Ein Schützenoffizier muss die Grundsätze des Tiroler Schützenwesens hinaustragen
in die Gesellschaft; er ist der Repräsentant des Tiroler Schützenwesens in der Öffentlichkeit.
Am Auftreten unserer Offiziere wird das Schützenwesen gemessen.
Und es gibt gewisse Grundeigenschaften und Charakterzüge, welche einen Schützen-
offizier prägen sollen: Dazu gehören neben Höflichkeit, Korrektheit, Kameradschaftsgeist
und Vorbildwirkung für die Jugend ein „gefestigtes“ Auftreten in der Öffentlichkeit,
ein praktiziertes christliches Glaubensleben und das Eintreten für die geschichtliche, kuklturelle und geographische Einheit des Landes Tirol in seinen Grenzen vor 1918!
Wir sprechen in diesem Zusammenhang immer von der „geistig- kulturellen Landesverteidigung".
Diese wird leider aber auch in unseren Reihen manchesmal mit Füßen getreten. Aber der
Gesamttiroler Schützenbund und die entstehemde Europaregion Tirol sind der richtige Weg
in diese Richtung.
Und wenn ich Euch etwas mitgeben kann auf dem Weg von dieser Offiziersausbildung
hinaus in die Realität des Alltags:
Bemüht euch 1.)um die "Bildungsarbeit" im Tiroler Schützenwesen. Schaut, dass in jeder
Kompanie, in jedem Bataillon, jedem Regiment "Bildungsreferenten" vorhanden sind,
die das Rüstzeug für die "Bildungsarbeit" besorgen. Und bleibt selbst Multiplikatoren in der "Bildungsarbeit". Repräsentiert 2.) unser Schützenwesen korrekt in der Öffentlichkeit, damit das Tiroler Schützenwesen auch weiterhin die richtige Richtung einnimmt und diese Richtung
von den Tiroler Landsleuten auch erkannt und respektiert wird .
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit,
Schützen Heil!
Von Schützenmajor Adolf Nagiller (verstorben)
Zu den markantesten Schützenanführern in den Tiroler Freiheitskriegen 1796 bis 1809 gehört der Schützenmajor Rupert Wintersteller aus Kirchdorf i. T.
Rupert Wintersteller wurde am 25. Jänner 1773 in Kirchdorf i. T. geboren. Er wollte sich seiner tapferen Vorfahren, Ur- und Großvater, wehrhaft und würdig zeigen und trat 23jährig bereits 1796 seine Schützenlaufbahn an. Noch im gleichen Jahr zog er unter Hauptmann Josef Schlechter von Kitzbühel mit der ersten Scharfschützenkompanie des Gerichtes Kitzbühel ins Engadin, den Vinschgau, dann ins Etschtal, wo er die siegreichen Kämpfe bei Faedo und Calliano mitmachte. Am 12. Februar 1797 rückte er als Leutnant der Kitzbüheler Scharfschützen über den Brenner wieder ins Etschtal vor, beteiligte sich an den Kämpfen bis Salurn. Für Mut und Ausdauer erhielt der junge Leutnant Wintersteller die Große Silberne Tapferkeitsmedaille.
Mit gleichem Eifer nahm Rupert Wintersteller bei den Schützenauszügen im Jahre 1800 teil und kämpfte am 19., 2 1. und besonders 24. Dezember gegen die aus Salzburg eindringenden Franzosen bei Melleck und am Jettenberg. Für diesen mannhaften Anteil am siegreichen Abwehrkampf 1800 wurde er vom Kirchdorfer Schützenhauptmann Georg Reischer zum Oberleutnant befördert.
In den folgenden Jahren benützte Wintersteller jede Gelegenheit, die Kirchdorfer Schützen im Schießen eifrigst auszubilden. Er kaufte aus seinem Vermögen Gewehre, Pulver und Blei, schenkte davon viel den ärmeren Schützen. Wintersteller war im Jahre 1805 mit seinen Schützen gerüstet, die vom Feind bedrohten Landesgrenzen bei Kössen und am Paß Strub zu verteidigen.
Als Hauptmann der Kirchdorfer Schützen stand er im Oktober 1805 bei Kössen, eilte aber am 1 . November seinem guten Kampfgefährten, Scharfschützenhauptmann Joseph Hager von Oberndorf, am Paß Strub zu Hilfe.
Am frühen Morgen des 2. November 1805 erfolgte der Angriff des bayerischen Generals Deroy mit großer Übermacht. Schützen und Landsturmmänner, namentlich aus Kitzbühel, unter den Hauptleuten Hager, Wintersteller und Oppacher, die St. Johanner Schützen unter Georg Reischer und die Kirchdorfer unter Hauptmann Johann Gruber, haben zwei Tage am Paß Strub im Verbande mit Militär, Graf St. Julien, Miliz, Graf Wolkenstein heldenhaft gekämpft und den Durchbruch des Feindes nach Tirol mit großen Opfern abgewehrt.
Der großen Siegesfreude der tapferen Freiheitskämpfer folgte bald der Preßburger Friede (26. Dezember 1805) und damit die Übergabe Tirols an Bayern. Schweigend ergab sich Rupert Wintersteller in das unverdiente Geschick und ertrug mit innerem Groll die harten Verfügungen der bayerischen Regierung. Er vergaß aber nie den Artikel 8 des Preßburger Friedens, der dem Land Tirol die Verfassung, alte Rechte und Privilegien zusicherte.
Schon im September 1806 besuchte ihn der ihm gut bekannte Andreas Hofer. Oft kamen Wintersteller, die Hauptleute Hager, Reischer, Oppacher und der Kitzbüheler Schützenkommandant Josef Schlechter zu geheimen Lagebesprechungen zusammen. Andreas Hofer hat zu Jahresbeginn 1809 auf seiner Hin- und Rückfahrt nach und von Wien beim "Bärenwirt" in St. Johann mit Rupert Wintersteller den Tiroler Volksaufstand vertraulich besprochen.
Am 1 1. April 1809 erhielt Wintersteller von Andreas Hofer die Nachricht: "Jetzt geht's los!" Seine erste Aufgabe war, die bayerische Besatzung in der Stärke von 1200 Mann zu überrumpeln und gefangenzunehmen. Dies erfolgte gleich in der Nacht zum 12. April völlig kampflos. In St. Johann wurde diese Aktion von Wintersteller mit seinen Schützen selbst durchgeführt und 180 Mann gefangengenommen.
Die in Kitzbühel von Schützenmajor Josef Schlechter und in der weiteren Umgebung gefangenen Soldaten - über 1250 Mann - wurden über Lofer nach Salzburg gebracht. Mit der Eskorte wurde Schützenoberleutnant Thomas Reischer betraut. Rupert Wintersteller hat auf eine humane Behandlung der unschuldig Gefangenen besonderen Wert gelegt. Dies kam ihm in der weiteren schweren Zeitfolge noch sehr zugute.
Das war für den Volksaufstand ein guter Anfang, aber Wintersteller sah schwere Zeiten kommen. Er setzte sich sofort mit den Schützenhauptleuten des Gerichtes Kitzbühel und mit dem Schützenkommandanten des Gerichtes Kufstein, Major J. Sieberer, in Verbindung, um für die Landesverteidigung in diesen Grenzabschnitten und Belagerung der Festung Kufstein gemeinsam alle taktischen und örtlichen Vorbereitungen zu treffen. Die Schützenhauptmänner in den Gerichtsgemeinden Kitzbühel haben Wintersteller als kampfbefähigten Anführer anerkannt, dies umso mehr, da Schützenhauptmann Joseph Hager im Jahre 1808 im Alter von 43 Jahren gestorben war. Als der k.k. Intendant von Roschmann in diesem vom Feind unmittelbar bedrohten Grenzraum Kössen eintraf, wurde Rupert Wintersteller zum Major und Distriktskommandanten der gesamten Schützen- und Landsturmmannschaften des Landgerichtes Kitzbühel ernannt. Der Schwerpunkt der Verteidigung wurde von Roschmann und Wintersteller auf die mehr offene Landesgrenze bei Kössen verlagert, weil dort durch Scheinmanöver und falsche Nachrichten der feindliche Angriff erwartet wurde. Leider ließ sich Wintersteller von der Unrichtigkeit dieser Annahme zu spät überzeugen. Auch den alarmierenden Verstärkungsbitten der Paß-Strub-Schützenkommandanten, Hauptmann Anton Oppacher, Jochberg, und Hauptmann Josef Hechenberger, Bürgermeister von Kitzbühel, wurde zuerst kein Gehör geschenkt. Erst als der Geschützdonner immer stärker vom Paß Strub her brummte, wurde der verhängnisvolle Irrtum erkannt.
General Wrede rückte am 11. Mai 1809 - Christi-Himmelfahrts-Tag - mit 18.000 Mann und mehreren Kanonen gegen den Paß Strub vor und griff den nur schwach besetzten Grenzpaß mit überlegener Waffenwirkung an. Die tapferen Verteidiger, Oppacher und Hechenberger, haben mit einem Häuflein Schützen, Landsturmmännern und Soldaten den wütenden Ansturm des Feindes neun Stunden abgewehrt, mußten aber schließlich der großen Übermacht mit schmerzvollen Opfern (87 Tote) weichen.
Der Feind verlor bei diesem Angriff rund 1000 Mann an Toten und Verwundeten, rückte aber an diesem Tag noch bis Waidring vor. Oppacher und Hechenberger, auf gefahrvollen Umwegen noch in die Gegend von Waidring/Erpfendorf gekommen, unterrichteten Wintersteller und von Roschmann über die überwältigende Stärke und Bewaffnung des Feindes und des aussichtslosen Widerstandes. Diese Ratschläge wurden unwillig angehört. Major Wintersteller, von Roschmann entsprechend angefeuert, sah den Kampf noch nicht verloren. Er rückte mit den noch aufgebotenen Mannschaften gegen Waidring vor und wollte bis zum Eintreffen der von Feldmarschall-Leutnant v. Chasteler und General Fenner versprochenen k.k. Truppen den vorrückenden Feind aufhalten. Zu diesem Abwehrkampf standen dem Oberkommandanten Wintersteller nur 700 Schützen, rund 1000 Landsturmmänner vom Gericht Kitzbühel, davon 200 Brixentaler, und 40 tapfere Weibsbilder von St. Johann und Kitzbühel zur Verfügung. Die bayerisch-französische Armee unter General Wrede trat am 12. Mai 1809, gegen 4 Uhr morgens, mit einer starken Streitmacht wieder zum Angriff an und rückte gegen Erpfendorf vor. Mehrere Stunden dauerte dieser Kampf der tapferen Schützen und des Landsturmaufgebotes gegen die kriegsgeübten und gut bewaffneten Feindtruppen. Auf beiden Seiten waren bittere Verluste an Toten und Verwundeten zu beklagen. Aller Mut und Kampfeswille schwand aber, als die Nachricht verbreitet wurde, Chasteler und Fenner haben sich, statt Hilfe zu bringen, aus dem Kampfgebiet abgesetzt und über Söll nach Wörgl zurückgezogen. Major Wintersteller befahl nun notgedrungen den Rückzug seiner Schützen und Landsturmmänner, der vom Schützenhauptmann Thomas Reischer, Kirchdorf, gedeckt wurde.
Für Rupert Wintersteller kam der folgenschwerste und opfervollste Tag in seinem Leben. Er flüchtete vom Kampfplatz mit dem k.k. Intendanten von Roschmann auf den Aberg bei Erpfendorf. Von dort aus mußte der Landesverteidiger Wintersteller die barbarische Rache des Feindes, den Untergang seines Heimatdorfes und seines eigenen Besitzes, mit ansehen. Ihm allein verbrannten 17 Gebäude, davon sein großer Gasthof und vier andere Häuser.
Ganz Kirchdorf war bis gegen Mittag ein Flammenmeer, aus dem wie durch ein Wunder nur mehr der völlig unversehrte Kirchturm emporragte. Dabei mußte Wintersteller auch um das Leben seiner Familie bangen, die er erst nach mehreren Tagen fand. Er mußte mit seinen treuen Mitkämpfern in den Bergen herumirren und war gezwungen, das abgebrannte Dorf zu meiden, da der Feind auf seinen Kopf einen Blutpreis von 100 Dukaten gesetzt hatte.
Er konnte sich aber ohne Furcht vor Verrat auf den naheliegenden Almen aufhalten und fühlte sich gesichert durch die ihm gezollte Achtung und Liebe seiner Landsleute. Wintersteller faßte wieder Mut und schrieb scherzend an Andreas Hofer, daß er froh sei, die von seinem Urgroßvater erbeutete bayerische Trommel aus dem Jahre 1703 gerettet zu haben.
Von Andreas Hofer erhielt Wintersteller am 31. Mai 1809 aus Rattenberg den Befehl, sich eiligst nach Kössen und Walchsee zu begeben, um die feindliche "Retirade" zu verhindern. Er übernahm das Oberkommando über das neuerliche Schützenaufgebot des Gerichtes Kitzbühel und erkundete die bedrohte Lage im ganzen Grenzgebiet jetzt mit Schwerpunkt Paß Strub. Als nach dem Waffenstillstand von Znaim Marschall Lefebvre am 27. Juli 1809 mit einer starken Streitmacht von 15.000 Franzosen, Bayern und Sachsen an den Paß Strub heranrückte, ließ Wintersteller im Einvernehmen mit den entsandten Parlamentären die "Lefebvre Truppen" unbehelligt durchziehen, da in dieser Situation ein Abwehrkampf der auf sich allein gestellten Schützen- und Landsturmkompanien des ohnehin schon schwer heimgesuchten Gerichtsbezirkes Kitzbühel aussichtslos gewesen wäre. Dieser Kapitulationsentschluß trug Wintersteller bei Andreas Hofer zwar kein besonderes Lob ein.
Am 24. September 1809 marschierten 4300 Tiroler Schützen an die wieder bedrohte Kitzbüheler Gerichtsgrenze. Die Inn- und Brixentaler Schützen kommandierte Major Speckbacher, der über Lofer nach linken vorrückte. Wintersteller marschierte mit seinem Schützenaufgebot von Kössen über Winkelmoos in die Angriffsrichtung Unken, wo er am nächsten Tag im erbitterten Kampf um den Friedhof eine seiner größten Waffentaten vollbrachte.
Am 14. Oktober überantwortete der Wiener Friede das Land Tirol an Bayern. Eine Kriegsmacht von 25.000 Mann rückte gegen das Tiroler Unterland heran. Wintersteller, der die schreckliche Lage erkannte, war für die Fortsetzung des Kampfes nicht mehr zu haben, versuchte mit Oppacher auf die Schützen beruhigend einzuwirken und bewahrte so die Gegend vor weiterem Blutvergießen und schweren Gewalttaten. Er selbst flüchtete zu seinem Waffenkameraden Oppacher nach Jochberg. Beide mußten sich am 9. Dezember 1809 einem Kriegsgericht stellen, wurden aber freigesprochen, da sie nach dem letzten Friedensschluß nicht mehr gekämpft haben.
Schützenmajor Rupert Wintersteller, früher der reichste Mann des Dorfes, war durch die Vernichtung seiner 17 Häuser (12. Mai 1809) ein Bettler geworden. Die goldene Kette und Medaillen der Vorfahren mußte er verkaufen, um noch leben zu können. Die Erschießung Andreas Hofers traf ihn zutiefst, er war ein seelisch gebrochener Mann. Bei einer Kaiseraudienz in Wien im September 1810 erhielt Wintersteller für sich und die Hinterbliebenen gefallener Schützen 10.000 Gulden. Nach dem für Napoleon und seine Verbündeten unglücklichen Feldzug in Rußland befürchtete Bayern eine neuerliche Volkserhebung in Tirol. Aus diesem Grunde wurden auch die bekannten Schützenanführer in Haft genommen. So wurde auch Wintersteller in Ketten gelegt, zuerst nach München und dann weiter nach Ingolstadt gebracht. In der dortigen Festungshaft mußte er 216 Tage verbringen, immer den Hinrichtungstod und die Sorge um seine Familie vor Augen. Erst als Bayern am 13. Oktober 1813 von Napoleon abfiel und sich auf die Seite der Alliierten stellte, erwirkte Kaiser Franz im Vertrag von Ried mit Bayern seine Freilassung.
Am 8. Juni 1815 konnte Major Wintersteller dem Kaiser Franz bei seiner Durchreise in St. Johann die große Schützenparade mit 1400 Mann gehorsamst melden. Bei diesem Anlaß kündigte ihm der Monarch die Verleihung der "Großen Goldenen Medaille" an, die ihm dann am 16. Juli 1815 in der Stadtpfarrkirche in Schwaz zugleich mit Major J. Speckbacher und Hauptmann J. Rainer, Söll, verliehen wurde. Am 19. Oktober 1815 kommandierte Wintersteller noch einmal die Schützen des Landgerichtes Kitzbühel bei der großen Tiroler Schützenparade mit 10.000 Mann vor dem Kaiser in Innsbruck.
Im Jahre 1819 erhielt Major Rupert Wintersteller eine jährliche Pension von 400 Gulden. Nach langem Siechtum verstarb Rupert Wintersteller, Vater von acht Kindern, am 30. August 1832 im Alter von 58 Jahren. Er wurde neben der Friedhofskapelle zu Kirchdorf in allen Ehren begraben. Ein einfacher Stein soll die Nachwelt an diesen großen Tiroler Freiheitshelden erinnern. Am Ortseingang von Kirchdorf steht das im Jahre 1901 errichtete Denkmal der wehrhaften "Wintersteller Schützengeneration" von 1703, 1741/42, 1796 bis 1809, das am 15. September 1901 unter der Patronanz von Erzherzog Eugen enthüllt wurde. Damit wurde dem Unterinntaler Landesverteidiger Wintersteller die gebührende Ehre erwiesen.
Von Hofrat Alois Lechthaler
Unter den zahllosen Helden aus der Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe stand Josef Speckbacher mit unter den ersten. Ja, was Kühnheit, rasche Erfassung der Lage und der zu treffenden Maßnahmen sowie Schlauheit anbelangt, suchte er seinesgleichen. In ihm steckten in Wahrheit Gaben, die einem richtiggehenden Feldherrn alle Ehre gemacht hätten, gepaart mit einer ungewöhnlichen persönlichen Tapferkeit und Kraft.
In der großartigen Natur des Gnadenwaldes wuchs dieser Held in ärmlichen Verhältnissen einer kinderreichen Kleinbauernfamilie zu St. Martin heran. Der Vater mußte sich ordentlich schinden und abraggern, um die hungrigen Mägen seiner acht Kinder halbwegs zu füllen. Mit der Schulbildung des jungen Josef stand es nicht am besten, und erst in späteren Jahren mußte er sich die nötigen Kenntnisse im Lesen und Schreiben aneignen. Noch als Knabe verlor er seine Eltern und mußte nun trachten, sich durchs Leben zu bringen: Er besorgte durch Jahre hindurch das Geschäft eines Hirten und hatte so frühzeitig Gelegenheit, die Gegend kennenzulernen und über allerlei Dinge nachzudenken. Früh erwachte in ihm auch jene Leidenschaft, die man in Tirol auch heute noch antreffen kann, der unwiderstehliche Drang zum Wildern.
Herangewachsen, überragte Speckbacher die jungen Leute seiner Heimat und einer weiten Umgebung durch seine körperlichen und geistigen Vorzüge. Hoch und schlank gewachsen, ausgestattet mit feurigem Adlerblick und kühn geschwungener Adlernase, war er als der beste Robler weitum bekannt und als Wilderer gefürchtet. Gerade sein Hang zum Wildem führte ihn in die abgelegensten Teile des Hochgebirges hinein und verschaffte ihm Ortskenntnisse, die er später so unvergleichlich auch zu nützen verstand; diese Beschäftigung entwickelte in ihm auch die unerhörte Kühnheit. Mit 27 Jahren begründete Speckbacher durch die Heirat mit einer Bäuerin aus Rinn seinen eigenen Hausstand in diesem lieblich gelegenen Dorf. Durch seine Tüchtigkeit gewann sich der neue Bürger gar bald die Zuneigung und das Vertrauen der Gemeinde; auch der Umstand, daß Speckbacher die Stelle eines Aufsehers in der Sahne zu Hall versah, festigte seine wirtschaftliche Stellung. Da kamen die Stürme der Freiheitskriege, und in ihnen erglänzte der Mann von Rinn in besonders strahlendem Lichte: da konnte er seinem Vaterlande unschätzbare Dienste erweisen. Auf den Höhen von Spinges erhielt unser Held unter dem Kommando des Hauptmanns von Wörndle seine Feuertaufe. Im Jahre 1805 lernte er den Sandwirt gelegentlich eines Pferdemarktes in Sterzing kennen. In den nun folgenden Jahren der bayrischen Herrschaft zählte Speckbacher zu den eifrigsten Patrioten, und im Jahre 1809 war er der hervorragendste Waffengefährte des Sandwirtes.
Trotz allem Ungemach, das über das Land hereingebrochen war, verlor Speckbacher den Kopf nicht. Mit Hofer überdachte er den Gegenschlag gegen die Feinde und brachte ihn auch zur Ausführung in jenen berühmten Maitagen, da feindlicher Übermut sich an den Hängen des Bergisels unter dem Ansturm der von Hofer, Speckbacher und Haspinger geführten bäuerlichen Sturmscharen brach.
In den Augusttagen war Speckbacher in der Sachsenklemme, bei der Verfolgung der zurückflutenden Truppen des Feindes über den Brenner, endlich wieder als Kommandant des rechten Tiroler Flügels in der Bergiselschlacht hervorragend vertreten. Als dann in der zweiten Oktoberhälfte abermals eine noch größere feindliche Armee in unsere Berge einrückte, da stellte sich ihr Speckbacher mit geringer Macht bei Mellek nördlich vom Paß Strub entgegen und focht mit der Tapferkeit des Löwen, obwohl er gleich zu Beginn des Kampfes von allen Seiten umschlossen war; bereits blutete der Held aus mehreren Wunden und war schon von den Feinden, am Boden liegend, umringt; da entriß er sich in geradezu übermenschlicher Anstrengung den ihn umklammernden Feinden.
Speckbacher focht auch in der Bergiselschlacht am Allerheiligentag wieder als Führer des rechten Flügels; aber seine Erfolge konnten die allgemeine Niederlage nicht mehr aufhalten. Auch in den nun folgenden trüben Novembertagen hielt Speckbacher treu an Hofers Seite aus, bis er endlich unter dem Eindruck der allgemeinen Niederlage flüchten mußte. Ein Preis von 700 Gulden sollte den Feinden den "Feuerteufel" in die Hände liefern. Wie ein Wild gehetzt, mußte Speckbacher von Sennhütte zu Sennhütte. Wegen des tiefen Schnees konnte Speckbacher an eine Flucht nach Österreich nicht denken. Fortwährend mußte er seinen Aufenthaltsort wechseln. Durch Wochen mußte er sich in einer Felsenkluft bei grimmiger Kälte und sehr spärlicher Nahrung aufhalten, da geriet er auch noch in eine Schneelawine; sie riß ihn in eine Schlucht hinunter. Mit verrenktem Hüftbein schleppte sich Speckbacher in siebenstündigem Marsch zu einem vertrauten Bauern, von wo man ihn heimlich auf seinen Hof in Judenstein brachte, hier verbrachte er wieder Wochen in der Düngergrube seines Kuhstalles; nicht einmal seine Familie durfte von dem Versteck des Helden wissen, das ihm der treue Knecht Zoppel bereitete; noch weniger aber hatten die in Speckbachers Haus einquartierten bayrischen Soldaten eine Ahnung davon, wie nahe der von ihnen gesuchte Feuerteufel ihnen sei. Endlich nach dem Abzug der feindlichen Truppen aus seinem Haus machte sich Speckbacher auf den Weg nach Österreich, wo er beim Kaiser freundliche Aufnahme fand.
Vom Kaiser mehrfach ausgezeichnet und zum Major ernannt, wartete Speckbacher sehnsüchtig auf den Tag, an dem Tirol 1814 wieder zu Österreich kam und kehrte sofort in die Heimat zurück. Seine Verdienste um die Befreiung des Landes fanden allseitige Anerkennung. Der Kaiser gewährte ihm eine Jahrespension von 1000 Gulden und ließ ihm 1815 vom Kreishauptmann in der Pfarrkirche zu Schwaz eine goldene Medaille und Kette überreichen. Der k. k. Professor an der Oberrealschule zu Innsbruck Ernst Kiechl berichtet uns 1912 in der Jahrhundertgabe für das Volk "Anno Neun" im Band über "Speckbacher" weiter:
Nur mehr zu freudigen Gelegenheiten zog Speckbacher seinen Säbel. Im Oktober des Jahres 1816 reiste Kaiser Franz nach Italien. Während seines Aufenthaltes in Innsbruck, den die treuen Tiroler so festlich als möglich gestalteten, führte Speckbacher dem Monarchen ein Aufgebot von 10.000 Schützen vor. Vor all diesen Tausenden von braven Tirolern wurde Speckbacher vom Kaiser geehrt. In huldvollster Weise belobte er ihn ob seines Mutes und seiner Tapferkeit. Und noch einmal, ein Jahr später, als der Kaiser zur Entgegennehme der Huldigung Tirols nach Innsbruck kam, führte Speckbacher das Oberkommando über die ausgerückten Schützen.
Den schier eisernen Mann hatten die Verwundung bei Mellek und die weiteren Schicksalsschläge körperlich und geistig gebrochen. So gerne er arbeitete, so energisch er die Bewirtschaftung seines Gutes wieder in die Hand genommen hatte, er konnte der schweren Arbeit eines Landmannes nicht mehr nachkommen. Er verkaufte deshalb sein Gut und zog mit Gattin und Kindern nach Hall.
Jahre der Ruhe und Zufriedenheit lebte noch der wackere Mann im Kreise seiner Familie, aber es waren nicht mehr viele Jahre, die das Schicksal ihm beschieden hatte. Eine tückische Nierenkrankheit, die die Ärzte auf die bei Mellek erhaltenen Kolbenstöße zurückführten, beendete sein Leben am 28. März des Jahres 1820. Der Mann von Rinn, der Bauernführer, fand eine allzeit dankbare Nachwelt. Das beweist die übergroße Zahl von Trauergästen, die ihm das letzte Geleite zum Friedhof von St. Nikolaus in Hall gab, das beweist die bewundernd ergebene Jetztzeit.
Seine Ruhestätte ward dem Helden zunächst an der Pfarrkirche zu Hall. Der Denkstein dortselbst führte folgende Inschrift:
Im Kriege wild, doch menschlich auch, Im Frieden still und den Gesetzen treu, War er als Krieger, Untertan und Mensch, Der Ehre und der Liebe wert.
1858 wurden über Anordnung Kaiser Franz Josephs die Gebeine des Helden exhumiert und an der Seite Andreas Hofers in der Hofkirche zu Innsbruck beigesetzt. Die ursprüngliche Inschrift, die inzwischen entfernt wurde, da für alle Freiheitskämpfer eine einheitliche Marmortafel angebracht wurde, hatte folgenden Wortlaut:
- Josef Speckbacher k. k. Landesschützen-Major
- geb. im Gnadenwald 13. Juli 1767
- gest. zu Hall 28. März 1820
unter den treuen Kämpfern des Jahres 1809 hervorragend durch rastlose Tapferkeit. Die Gnade des Kaisers Franz Joseph I. gab ihm eine ehrende Ruhestätte bei seinen Kampfgenossen Hofer und Haspinger.
Das Andenken an den ruhmreichen Helden pflegen in erster Linie die Speckbacher-Schützenkompanien im Bezirk Hall.
Der Schützenkommandant [1809]
Das Volk erhob sich, der Sturm brach los. Die Gründe dafür waren vielseitig. Man wehrte sich vor allem gegen die harten bayerischen Verwaltungsmethoden in Tirol und gegen die Eingriffe in das religiöse Leben. Auch stand man an der Seite des früheren gefürsteten Grafen von Tirol, des Kaisers von Österreich, der gegen Napoleon und dessen Gefolgsstaat Bayern zog. Die Erhebung begann, ohne die Ankunft der österreichischen Truppen des 8. Armeekorps abzuwarten. Im ersten Anlauf vom 9. bis 13. April 1809 gelang es, das deutsche Tirol zu befreien, die bayerischen und französischen Truppen zu verjagen oder gefangenzunehmen. Diese Erfolge waren der im Lande bestehenden Wehrfassung bzw. dem Schützenwesen und der großen Tapferkeit der Bauern zuzuschreiben.
Während dieser Zeit mußte Haspinger aber noch im Kloster bleiben. Als kurz darauf wieder Gefahr für das Land drohte, baten die Schützenkompanien Klausen, Gufidaun und Latzfons "ihren" Pater, sie als Feldkaplan zu begleiten. Der Kapuzinerpater war damals 32 Jahre alt. Er zog in den Krieg, und seine Entschlußkraft, seine militärische Begabung und seine Ausstrahlung machten ihn bald zu einem bedeutenden Anführer im Kampfe der Tiroler.
Anfang Mai traf er in Trient die Passeirer Schützen mit dem Sandwirt Andreas Hofer, der auch die oberste Führung aller Schützenkompanien hatte.
Am 10. Mai 1809 kurz nach Klausen zurückgekehrt, erfuhr er die schlechten Nachrichten aus dem Unterinntal und Innsbruck, wo Franzosen und Bayern im Vormarsch waren bzw. ihr Unwesen trieben. Haspinger ergriff, nachdem er von Andreas Hofer einen jener berühmten Laufzettel erhalten hatte, die Initiative. Er verkündete in Latzfons am Pfingstmontag, dem 21. Mai, in seiner Festpredigt das Aufgebot A. Hofers. Er forderte die Männer auf, sich in Verdings zu versammeln, um mit der Waffe in der Hand die Heimat zu schützen und von Feinden zu befreien. Er übernahm als Hauptmann die Führung der 109 Mann starken Kompanie.
Das Klausner Gebiet stellte insgesamt 10 Kompanien. Gemeinsam mit den Kompanien anderer Dörfer zog man in Richtung Brenner. Vorher weilte man einer heiligen Messe in der Wallfahrtskirche Maria Trens bei, Hofer erwartete in seinem Standquartier am Brenner die Hauptleute der Kompanien.
Am 23. und 24. Mai wurde der geplante Vorstoß gegen die Landeshauptstadt zwischen Hofer und seiner Führungsmannschaft beschlossen bzw. wurden die nötigen Vorbereitungen getroffen. Im Morgengrauen des 25. Mai brachen die 48 Schützenkompanien aus Südtirol, bestehend aus 5000 Mann und 13 Kompanien Infanterie, 1 Eskadron Kavallerie und 5 Geschützen, sowie die Brigade Buols mit ungefähr 1180 Mann Richtung Innsbruck auf. Dort erwarteten sie rund 1000 Nordtiroler Kämpfer, welche vor allem Speckbacher herangeführt hatte. Die tirolisch-österreichische Führung hatte den Befehl gegeben, die Höhen des Mittelgebirges südlich von Innsbruck zu besetzen und die Bayern in die Ebene hinauszujagen. Pater Haspinger stand mit seinen Schützen auf dem linken Flügel. Dort entwickelte sich ein äußerst zäher Kampf. Das Gefecht zwischen bayerischen Abteilungen und den Tiroler und österreichischen Kompanien tobte hin und her. Der linke Hügel hatte seine Aufgabe, die Höhen um Natters zu halten, am ersten Kampftag gut erfüllt. Haspinger hatte mit seinen Latzfonser Schützen und bei anderen Kompanien seine Fähigkeiten als Führernatur klar unter Beweis gestellt.
Am 27. Mai entschloß sich Andreas Hofer zur Fortsetzung des Kampfes. Er wurde von Speckbacher und Haspinger vor den versammelten Schützen zum Oberkommandanten ausgerufen. In der Zwischenzeit hatte man vor allem aus Südtirol starken Zulauf erhalten, Hofer konnte über ein 12.000 Mann starkes Schützenaufgebot befehligen. Auch die regulären Truppen waren etwas verstärkt worden.
Haspinger rückte am 29. Mai als Befehlshaber der Schützen des linken Flügels in den Kampf 15 Kompanien aus Latzfons, Algund, Meran, Mais, Mutters, Natters, Glurns, Mals, Marienberg, Matsch und Schlanders, später jene von Axams, Götzens, Völs und Flaurling, hörten auf sein Kommando. Man zog Richtung Natters, Die Bayern leisteten tapferen Widerstand. Immer wieder gelang es Haspinger, seine Schützen voranzutreiben. Ein wütender Ansturm der Bayern konnte abgeschlagen und zurückgedrängt werden. Strategisch wichtige Positionen in der Gegend konnten erobert und gehalten werden. Der Wendepunkt der Schlacht war gekommen. Der feindliche Befehlshaber Deroy mußte zur Kenntnis nehmen, daß seine Lage durch die Vertreibung seiner Truppen von den Höhen äußerst schwierig geworden war. Er verließ in der Nacht vom 29. zum 30. Mai Innsbruck und blies zum Rückzug. Haspinger zog am Nachmittag des 30. Mai an der Seite Andreas Hofers in der Landeshauptstadt ein. Er begab sich ins Kapuzinerkloster und wurde vom Provinzial Gepp scharf für sein Verhalten getadelt. Man befürchtete Vergeltungsmaßnahmen der bayerischen Behörden. Er erhielt dann den Befehl, ins Kloster nach Klausen zurückzukehren. A. Hofer wollte diese Entscheidung aber nicht akzeptieren. Er forderte Gepp auf, ihm Pater Haspinger als Helfer für den Kampf gegen die Feinde zu überlassen. Der Provinzial stimmte nun zu.
Das Land war frei, doch überall sah man die Folgen des Freiheitskampfes. Haspinger kehrte mit dem Versprechen, bei Bedarf wieder Hofer zu unterstützen, nach Klausen ins Kloster zurück.
Geboren 1776 - gestorben 1858
Aus der Festschrift zum 9. Bezirksschützenfest in KLAUSEN 1992
Pater Joachim Haspinger zählt mit Andreas Hofer und Josef Speckbacher zu den wichtigsten Führern des Tiroler Volkes in der Erhebung des Jahres 1809. Er stammte aus uraltem Tiroler Bauerngeschlecht und war, wie der Historiker Hans Kramer in seinem Werk über Haspinger bemerkt, der geborene Kämpfer und Krieger. Seine Ausstrahlungs- und Überzeugungskraft, sein eiserner Freiheitswille und sein Stand als Priester eines angesehenen Ordens verschafften ihm im Tiroler Volk große Autorität und hohes Ansehen. Er gilt heute noch als Symbol unbändigen Freiheits- und Unabhängigkeitswillens.
Eckdaten zu seinem Leben.
Jugendzeit - Weg zum Kapuzinermönch
Am 27. Oktober 1776 abends um 9 Uhr erblickte das erste Kind der Ursula und des Nepomuk Haspinger am Speckerhof in St. Martin in Gsies das Licht dieser Erde. Der Knabe wurde auf den Namen Johann Simon getauft. Weitere sechs Geschwister kamen später auf dem Berghof zur Welt. Der Bruder Jakob wurde Hoferbe.
Seine Jugendzeit verbrachte der junge, rothaarige Haspinger auf dem Bauernhof im stillen, einsamen Tal. Dort entwickelte sich seine Liebe zum Heimatland, dessen Brauchtum, Tradition und Religion.
Es ist verbürgt, daß der Kurat von St. Magdalena, Martin Greuter, dem jungen Johann Simon den ersten Schulunterricht erteilte.
1783 empfing er das Sakrament der Firmung.
17jährig ging er nach Bozen auf das Gymnasium, um sich durch Studien auf den Priesterberuf vorzubereiten.
Als 1796 die sieggewohnten französischen Truppen an den Grenzen Tirols standen, hielt den feurigen Haspinger nichts mehr in seinem Studierzimmer. Er trat in die "Schützen-Landesverteidigerkompanie Welsberg" ein und diente am Grenzposten Cortina. Schon damals bewies er seine Kühnheit und Tapferkeit.
Bis zum Jahre 1802 liegt wenig archivarisches Material vor. Haspinger leistete sicherlich Kriegsdienste als einfacher Landesschütze in dieser Zeit.
Am 3. Juli 1799 beendete er seine Studien. Später bat er den Provinzial der Tiroler Kapuzinerprovinz um seine Aufnahme in den Orden. Dieser ersuchte das Gubernium in Innsbruck um die Erlaubnis zum Eintritt Haspingers in den Orden. Das Gubernium verweigerte zuerst die Aufnahme, vermutlich um den starken Zustrom zum Orden einzuschränken. Haspinger begann an der Innsbrucker Universität ein Philosophiestudium.
Im Oktober 1802 erhielt er vom Gubernium die Erlaubnis, Mitglied des Kapuzinerordens zu werden. Johann Simon Haspinger trat im November 1802 als Novize in das Eppaner Kapuzinerkloster ein. Er erhielt das Ordenskleid und den Namen Frater Joachim. Im Meraner Kloster, wohin er kurz darauf übersiedelte, vollendete er das Probejahr.
Im Jahre 1803 legte er die zeitweiligen Gelübde ab. Vom Meraner Kloster zog er aus Studiengründen über Passeier ins Kloster nach Sterzing. Dort traf er erstmals mit Andreas Hofer zusammen. Am 1. September 1805 wurde der Kapuzinermönch im Priesterseminar von Meran von Fürstbischof Karl Rudolf von Buol-Schauenstein von Chur zum Priester geweiht.
Pater Haspinger wurde Gaupater, d. h. er zog über Berg und Tal, um anderen Pfarrern auszuhelfen, ging in die Häuser, segnete Hof, Feld und Vieh, spendete Trost und nahm die Spenden entgegen für seinen Bettelorden.
Der sich später anbahnende Kirchenkonflikt im bayerisch gewordenen Tirol vor 1809 war einer der Hauptgründe zum Losschlagen der Tiroler. Haspinger wirkte und weilte in der Gegend Tirols, wo der Kirchenstreit am erbittertsten geführt wurde. Es war dies der tirolerische Anteil des Churer Bistums, der Vinschgau und das Burggrafenamt. Die Erfahrungen prägten den jungen Kapuzinermönch sehr nachhaltig.
Am 17. August 1808 kam P. Joachim ins Kapuzinerkloster Klausen. Auch hier verstand er es sofort, guten Kontakt zum Volk zu bekommen. Er war ein allseits geschätzter und gern gesehener Mann. Das Kloster in Klausen litt wie andere unter dem Erlaß der neuen Regierung. Empörung in- und außerhalb des Klosters löste der Befehl aus, 30 wertvolle Gemälde und kostbare Gebetsbücher des Loretoschatzes nach Innsbruck und München abzutransportieren. Der Orden der Kapuziner war im Tiroler Bauernvolk hochverehrt.
Pater Joachim Haspinger zählt mit Andreas Hofer und Josef Speckbacher zu den wichtigsten Führern des Tiroler Volkes in der Erhebung des Jahres 1809. Er stammte aus uraltem Tiroler Bauerngeschlecht und war, wie der Historiker Hans Kramer in seinem Werk über Haspinger bemerkt, der geborene Kämpfer und Krieger. Seine Ausstrahlungs- und Überzeugungskraft, sein eiserner Freiheitswille und sein Stand als Priester eines angesehenen Ordens verschafften ihm im Tiroler Volk große Autorität und hohes Ansehen. Er gilt heute noch als Symbol unbändigen Freiheits- und Unabhängigkeitswillens.
Eckdaten zu seinem Leben
Jugendzeit - Weg zum Kapuzinermönch
Am 27. Oktober 1776 abends um 9 Uhr erblickte das erste Kind der Ursula und des Nepomuk Haspinger am Speckerhof in St. Martin in Gsies das Licht dieser Erde. Der Knabe wurde auf den Namen Johann Simon getauft. Weitere sechs Geschwister kamen später auf dem Berghof zur Welt. Der Bruder Jakob wurde Hoferbe.
Seine Jugendzeit verbrachte der junge, rothaarige Haspinger auf dem Bauernhof im stillen, einsamen Tal. Dort entwickelte sich seine Liebe zum Heimatland, dessen Brauchtum, Tradition und Religion.
Es ist verbürgt, daß der Kurat von St. Magdalena, Martin Greuter, dem jungen Johann Simon den ersten Schulunterricht erteilte.
1783 empfing er das Sakrament der Firmung.
17jährig ging er nach Bozen auf das Gymnasium, um sich durch Studien auf den Priesterberuf vorzubereiten.
Als 1796 die sieggewohnten französischen Truppen an den Grenzen Tirols standen, hielt den feurigen Haspinger nichts mehr in seinem Studierzimmer. Er trat in die "Schützen-Landesverteidigerkompanie Welsberg" ein und diente am Grenzposten Cortina. Schon damals bewies er seine Kühnheit und Tapferkeit.
Bis zum Jahre 1802 liegt wenig archivarisches Material vor. Haspinger leistete sicherlich Kriegsdienste als einfacher Landesschütze in dieser Zeit.
Am 3. Juli 1799 beendete er seine Studien. Später bat er den Provinzial der Tiroler Kapuzinerprovinz um seine Aufnahme in den Orden. Dieser ersuchte das Gubernium in Innsbruck um die Erlaubnis zum Eintritt Haspingers in den Orden. Das Gubernium verweigerte zuerst die Aufnahme, vermutlich um den starken Zustrom zum Orden einzuschränken. Haspinger begann an der Innsbrucker Universität ein Philosophiestudium.
Im Oktober 1802 erhielt er vom Gubernium die Erlaubnis, Mitglied des Kapuzinerordens zu werden. Johann Simon Haspinger trat im November 1802 als Novize in das Eppaner Kapuzinerkloster ein. Er erhielt das Ordenskleid und den Namen Frater Joachim. Im Meraner Kloster, wohin er kurz darauf übersiedelte, vollendete er das Probejahr.
Im Jahre 1803 legte er die zeitweiligen Gelübde ab. Vom Meraner Kloster zog er aus Studiengründen über Passeier ins Kloster nach Sterzing. Dort traf er erstmals mit Andreas Hofer zusammen. Am 1. September 1805 wurde der Kapuzinermönch im Priesterseminar von Meran von Fürstbischof Karl Rudolf von Buol-Schauenstein von Chur zum Priester geweiht.
Pater Haspinger wurde Gaupater, d. h. er zog über Berg und Tal, um anderen Pfarrern auszuhelfen, ging in die Häuser, segnete Hof, Feld und Vieh, spendete Trost und nahm die Spenden entgegen für seinen Bettelorden.
Der sich später anbahnende Kirchenkonflikt im bayerisch gewordenen Tirol vor 1809 war einer der Hauptgründe zum Losschlagen der Tiroler. Haspinger wirkte und weilte in der Gegend Tirols, wo der Kirchenstreit am erbittertsten geführt wurde. Es war dies der tirolerische Anteil des Churer Bistums, der Vinschgau und das Burggrafenamt. Die Erfahrungen prägten den jungen Kapuzinermönch sehr nachhaltig.
Am 17. August 1808 kam P. Joachim ins Kapuzinerkloster Klausen. Auch hier verstand er es sofort, guten Kontakt zum Volk zu bekommen. Er war ein allseits geschätzter und gern gesehener Mann. Das Kloster in Klausen litt wie andere unter dem Erlaß der neuen Regierung. Empörung in- und außerhalb des Klosters löste der Befehl aus, 30 wertvolle Gemälde und kostbare Gebetsbücher des Loretoschatzes nach Innsbruck und München abzutransportieren. Der Orden der Kapuziner war im Tiroler Bauernvolk hochverehrt.
Von Landeskommandant Mjr Emmerich Steinwender
Ein altes Sprichwort sagt: "Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist!" Wir Schützen befinden uns in ausgezeichneter Gesellschaft, wenn wir unsere Schützenfahnen betrachten. Auf der einen Seite das Zeichen des christlichen Glaubens und auf der anderen das Zeichen unserer Heimat Tirol. Wenn wir diese beiden Zeichen als Richtschnur für unser Leben ansehen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wir treten dann ein für die Treue zu Gott und für Heimat und Vaterland.
Die Fahne ist ein Symbol für Gleichgesinnte. Dieses Symbol hält man in Ehren, man steht dazu. Die Fahne ist aber auch ein herausragendes Zeichen einer Gemeinschaft und einer alles umfassenden Idee. Die Fahne einer Kompanie ist also ein offengelegtes Bekenntnis zu den Grundsätzen des Bundes der Tiroler Schützenkompanien und verpflichtet in besonderem Maße. Sie begleitet durch den Alltag in Freud und Leid, eigentlich durch das ganze Leben. Diese Fahne wird allen die Künderin einer Botschaft sein, sie wird mahnen, sie wird fordern und zugleich Ziel und Richtung weisen.
Die heute noch sehr hohe Bedeutung der Fahne und der in früheren Kriegen um sie entbrennende Kampf zeigen anschaulich, wie wichtig es war, dieses weithin sichtbare Truppenkennzeichen nicht zu verlieren, weil die Soldaten sonst desorientiert den augenblicklichen Standort ihrer Truppe nicht erkennen konnten.
Bevor es noch Trompetensignale gab, wurden durch Schwenken und Hochwerfen der Fahne auch Befehle an die Truppe weitergegeben.
Wenn wir die Truppen der k. k. Armee betrachten, so wurden den einzelnen Truppenkörpern Fahnen von "Allerhöchsten Herrschaften" verliehen. Sogar noch in der 2. Republik kann einem Truppenkörper eine Fahne nur vom Land oder Gemeinden verliehen werden.
Ursprünglich waren auf der Fahne das Zeichen des Staates (Doppeladler) und auf der anderen Seite meistens die "Schutzmantelmadonna" abgebildet. Für diese Aussage biete ich das Heeresgeschichtliche Museum in Wien an, in welchem viele Fahnen der alten Armee aufbewahrt sind.
Ab dem Jahre 1796 änderte sich in Tirol in dieser Hinsicht so manches. In den bevorstehenden Kriegswirren hat sich das Land Tirol dem heiligsten Herzen Jesu verschrieben. Als sichtbares Zeichen finden wir ab diesem Jahr als christliches Zeichen das Bildnis vom Herzen Jesu. Aber wie es halt einmal im Leben ist, gab es auch zur damaligen Zeit so manche Zeitgenossen, die nicht einverstanden waren, daß man die Gottesmutter nicht mehr auf den Fahnen hatte. Findige Köpfe fügten dann ein Medaillon im Corpus des Tiroler Adlers mit der Muttergottes und dem Jesukind ein. Ein Musterbeispiel ist dafür die Fahne von der Schützenkompanie Plans, die vom Paznauner Künstler Pfeifer dem Jüngeren um ca. 1816 stammt.
Aber wie schon angedeutet, ging man in Tirol immer eigene Wege. Man war nicht einverstanden, wenn auf einer Schützenfahne kein christliches Zeichen angeführt wurde. Bei der alten Wenner Fahne, die aus dem Jahre 1750 stammt und auf beiden Seiten den Reichsadler führt, hat man in dessen Brustfeld das Bildnis Mariahilf eingesetzt. Diese alte Fahne befindet sich im Schützenheim in einer Glasvitrine.
Die Bilder auf den Schützenfahnen sind in neuerer Zeit meistens gestickt. Früher wurden die Fahnenbilder von bekannten Malern gemalt. Die Fahne des Schützenregimentes Oberland, die am 14. August 1955 in Silz beim 1. Regimentsschützenfest gesegnet wurde, hat der akademische Maler Zötsch gestaltet.
Beherzte Männer hatten im Jahre 1939 und dann vor allem im Jahre 1945 alte historische Fahnen versteckt, um sie wieder nach Genehmigung der Schützen durch den französischen General Emile Bethouart (gest. 1982) mittragen zu können.
In seinem Testament hat General Bethouart festgelegt, daß bei seiner Beerdigung Schützenoffiziere das Sargspalier stellen und daß die Bundesstandarte der Tiroler Schützen mitzuführen sei. Leider haben es die österreichischen Medien nicht verstanden darzulegen, daß das erste Mal nach dem Jahre 1809 eine Fahnenkompanie der französischen Streitkräfte der Tiroler Bundesstandarte beim Einzug in den Invalidendom in Paris die militärische Ehrenbezeugung geleistet hat.
Auch in Südtirol wurde durch die Faschisten eine regelrechte Jagd nach den Schützenfahnen durchgeführt. Auch dort gab es Männer, die wertvolle Fahnen versteckten. Die älteste Fahne ist bei der Kompanie Gries, die bereits 1797 urkundlich erwähnt ist. Bereits im Jahre 1958 wurden im Bezirk Bozen-Unterland vier Kompanien gegründet; im darauffolgenden Jahr kam es dann zu weiteren neun Gründungen, sodaß beim Landesfestzug 1959 in Innsbruck bereits mehrere Kompanien und Fahnenabordnungen teilnehmen konnten.
Die Fahne des Bundes der Tiroler Schützenkompanien stammt aus dem Jahre 1499 und ist daher älter als das Landlibell.
Beim Alpenregionsfest im Jahre 1982 in Brixen wurde eine eigene Alpenregionsfahne gesegnet.
Ich sehe das Plakat der Vierzigjahrfeier vor mir - den Schützen mit der Fahne in der Hand, aufrecht und standfest, am Fahnenblatt die Symbole von Kirche und Heimat und als Fahnenbänder das Motto: "Bekenntnis, Gemeinschaft, Tat". Wir sagten uns, daß dieser Aufruf zur Vierzigjahrfeier des Bundes der Tiroler Schützenkompanien an uns nicht vergessen und verloren sein sollte nach all den Feierlichkeiten, daß vielmehr die Arbeit da beginne, und so sollen diese drei Imperative der Reihe nach unsere Mottos sein.
Ein General gab seinem Sohn, als dieser auf die Militärakademie ging, die Weisung: "Wenn du dich irgendwo länger als 24 Stunden befindest und du zeigst nicht Fahne - das heißt, man weiß dann noch nicht, welch Geistes Kind du bist -, dann hast du den falschen Beruf gewählt, dann lasse lieber deine Finger davon."
Wer es mit der großen Schützenidee ehrlich meint, für den ist die Fahne das Zeichen für Treue, Freiheit, Gemeinschaft und echter Kameradschaft.
Von Landeskommandant STEINWENDER
Vielleicht kann der eine und andere mit diesem Motto "Erbe und Auftrag" nicht allzuviel anfangen. Man könnte dieses Jahresmotto aber auch mit "Der Weg von Gestern ins Morgen" umschreiben. Es geht also um die Frage wie können wir Altes, Bewährtes, Gutes, Tradition, Fundamentales, Nicht Aufgebbares bewahren, also herüberretten ins Heute und ins Jetzt.
Ich glaube, daß Redewendungen, die momentan modern sind, überhaupt nichts mit unseren "Fundamenten" im Schützenwesen zu tun haben, wenn sie auch vor allem der älteren Generation nicht gefallen.
Wir leben heute in einer Zeit in der es modern geworden ist englische Ausdrücke für ganz normale Lebensvorgänge zu gebrauchen.
Denn die Sprache "modernisiert" sich und wir haben darum ja auch keine Paradeiser mehr, sondern nur Tomaten und genießen in Österreich statt Schlagobers zeitgemäß Sahne. Wir sprechen im "Klartext", "profilieren" uns durch Fremdworte und sagen von Dingen, die beliebt sind, sie seien "in". Man hat gelegentlich "frustriert" zu sein und ein schönes Mädchen als "Klassefrau" zu bezeichnen. "Klasse" ist überhaupt alles, was nicht gerade "out" ist. Heute sind englische Vokabel "in". Statt eines Ausflugs macht man einen "trip", statt Schwung und Arbeitsfreude hat man "drive". "Eingeweihter" wird zeitgemäß durch "insider" ersetzt, und "feeling" klingt allemal noch besser als "Gefühl"
Französisch ist bei uns jetzt eher "out". Vor 150 Jahren war das umgekehrt, denn wie ein Chronist berichtet, schrieb das in Wien weilende junge Fräulein von Hofer, die Tochter des Andreas Hofer, an ihre Mutter unter folgender Adresse: "á Madame Nannette de Hofer, née Ladurner, á Passeyer". Mit diesen zeitlichen Neuerungen setzt sich sicherlich die ältere Generation mehr auseinander, als die Jungen.
Aber alle diese sprachlichen Neuheiten ändern nichts daran, daß wir Schützen ein Erbe anzutreten dafür einzutreten und auch den Jungen weiterzugeben haben. Wir treten ein :
- für vorgelebten Schützenbrauch
- für erarbeitetes Kulturgut
- für geschichtliches Bestandsgut
- für Traditionsbewußtsein um dieses Erbgut wieder der nächsten Generation oder den
Nachfolgern weitergeben zu können.
Vorgelebter Schützenbrauch :
Das Vorbild hat im Vordergrund zu stehen. Die Jugend orientiert sich nach Vorbildern. Dazu gehört Gewissenhaftigkeit, Treue, Solidarität, Gemeinschaftssinn, die Anerkennung von Leistungen, Pünktlichkeit, positive zwischenmenschliche Beziehungen, das Zuhörenkönnen, das Unterdrücken des egozentrischen Denken und Handelns aber vor allem auch die Kompromißbereitschaft. Ohne Kompromisse ist ein Zusammenleben in einer Gemeinschaft nicht möglich und war es auch nie. Wer diese Tugenden ausstrahlt wird immer ein großer Gewinn für jede Schützenkompanie sein. Versuchen wir es, um ein gutes Vorbild für die Jugend zu sein. Eines muß auch klar sein, eine Kompanie, die für die Jugend ,wobei ich unter Jugend nicht nur die Jungschützen verstehe, nichts tut ist ein absterbender Ast in der großen Schützengemeinschaft. Wer wird dann später einmal das Ererbte übernehmen und weiter fördern.
Erarbeitetes Kulturgut :
Darunter versteht man sicherlich nicht nur das Renovieren von kleinen Kulturdenkmälern, obwohl dies eine schöne und lobenswerte Arbeit darstellt. Fragen wir einmal in unserer Kompanie nach unserer eigenen Schützenfahne. Was sind da für Zeichen aufgestickt. Welche Bewandtnis hat es mit dem heiligsten Herz Jesu. Vor 200 Jahren in Zeiten größter Not hat sich das Land Tirol dem heiligsten Herz Jesu verschrieben. Ausgegangen ist es vom Abt Sebastian STÖCKL von STAMS, der wiederum vom Pfarrer von Wildermieming dem Kuraten Johann PFAUSLER diese Anregung übernommen hatte. Am 1. Juni 1796 wurde also von den Vertretern des ganzen Landes auch Welschtirol dieses feierliche Gelöbnis in BOZEN einstimmig beschlossen und am 3. Juni 1796 in der Pfarrkirche zu BOZEN in Gegenwart des gesamten Ausschusses erstmals durchgeführt. Dabei hielt der Prälat Sebastian STÖCKL von STAMS, der Urheber des Gelübdes, das Pontifikalamt. Es wäre sicher überlegenswert, was die Schützen am Herz - Jesu - Sonntag außer dem Ausrücken zur Prozession noch tun könnten. Vielleicht wäre hier eine Absprache mit dem Pfarrer sinnvoll, daß ein Schütze die Erneuerungsgebete für dieses Gelöbnis in der Kirche vorliest.
Auf der anderen Seite unserer Schützenfahnen haben wir den Tiroler Adler aufgestickt. Was hat es mit diesem Adler für eine Bewandtnis ? Er war das Wappen der Grafen von Tirol. Ursprünglich meinte man, daß die älteste Abbildung der Adler der Zenoburg sei. Als im Jahre 1981 - 1984 die Stiftskirche zu STAMS renoviert wurde wurde durch die Restauratoren entdeckt, daß die älteste Abbildung des Tiroler Adlers auf der Grabplatte von MEINHARD II abgebildet ist. Im Jahre 1984 wurde die Stiftskirche mit der feierlichen Wiedereröffnung zur Basilika erhoben.
Dem Tiroler Adler setzte dann Friedrich IV auch genannt Friedrich mit der leeren Tasche als Dank dafür, daß ihm nach dem Konzil von KONSTANZ die Tiroler Bauern und Bürger in den Städten behilflich waren sein Land wieder in Besitz zu nehmen, ein goldenes Krönlein auf.
Maximilian I dankte dem Tiroler Volk für die geleisteten Zuzüge und fügte dem Tiroler Adler ein Lorbeerkränzlein hinzu. Somit ist das heutige Wappen Tirols entstanden.
Die Frage ist wieviel wissen wir davon und wieviel können wir unseren nächsten Generationen weitergeben.
Wenn wir schon beim Kulturgut sind fragen wir uns wie steht es mit den Kulturgütern in meiner Gemeinde ? Kennen wir die überhaupt ? Es beginnt bei schönen historischen Häusern, geht über Kapellen und vor allem unserer Pfarrkirche. Laden wir doch einmal den Dorfchronisten ein in unser Schützenheim, der uns interessante Dinge über unsere engere Heimat gerne erzählt. Wie können wir solche Dinge unseren Nachfolgern weitergeben, wenn wir darüber selbst nichts wissen.
Wie steht es mit dem Fahnenband der Fahnenpatin. Wer war sie denn und was hat sie für unsere Kompanie geleistet. Haben wir ihr dies überhaupt jemals gedankt ? Wie steht es denn mit unseren alten Fahne in der Kompanie. Werden diese sorgfältig gepflegt und gehegt.
Geschichtliches Bestandsgut :
Nur wenige haben die Zeit und auch den Mut sich mit der Geschichte Tirols auseinander zu setzen. Im engeren Bereich, nämlich im Dorfbereich wäre dies sicherlich wünschenswert. Laden wir auch hier einmal zu einer Diskussion den Dorfchronisten ein, der mit uns über unsere Dorfgeschichte diskutiert und vielleicht auch einige alte Bilder von unserem Dorf zeigt. Man könnte dann fragen wie ist eigentlich unsere Dorfkommune entstanden, welche guten und schlechten Zeiten hat sie im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht. Alle diese Dinge werden heute in den Schulen kaum mehr unterrichtet. Wir hätten somit eine Aufgabe geschichtliches Bestandsgut an die Jungen weiter zu geben. Eines dürfen wir nicht vergessen, nur ausrücken, ein Bier und ein Würstl zu essen kann sicherlich nicht den inneren Wert der Schützen ausmachen, obwohl auch dies dazugehört. Merken wir uns Wissen ist Macht, vor allem Wissen im inneren Gefüge der Gemeinde.
Traditionsbewußtsein:
Was wissen wir eigentlich über unsere eigene Kompanie. Wann wurde sie erstmals gegründet und wann wurde sie nach dem 2. Weltkrieg wiedergegründet. Was haben unsere Vorfahren für Opfer gebracht, um die eigene Kompanie wieder auf die Beine zu bringen. Welche Schwierigkeiten und vielleicht auch Eifersüchteleien müßten überwunden werden, daß die Kompanie so dasteht wie sie heute ist. Gibt es eine Kompaniechronik, die auch im Schützenheim für alle aufliegt zum Lesen ? Wenn es in der Kompanie berühmte Vorfahren gibt kennen wir die überhaupt, können wir über diese etwas erzählen und weitergeben. Heben wir der Jugend gegenüber vor allem die Begeisterung und den Einsatz für die Allgemeinheit heraus. Tradition heißt Überlieferung. Vor allen gute Taten, Eigenständigkeit und Opfergesinnung könnten weitergegeben werden. Die Jugend braucht etwas an dem sie sich orientieren kann.
Überlegen wir uns, ob wir in der Schützenkompanie den Todestag von Andreas Hofer am 20. Feber irgendwie feierlich begehen könnten.
Legen wir das Jungschützenbuch, das Buch "40 Jahre Bund der Tiroler Schützenkompanien" oder die sehr guten Texte des Tiroler Schützenkalenders, die von mir in einem eigenen Buch zusammengefaßt werden, in unseren Schützenheimen für interessierte Leser auf. Nützen wir doch diese Bildungsunterlagen.
Wir Schützen haben ein Erbe übertragen bekommen, wir haben es zu sichten und mit Entschiedenheit weiter zu geben. Was liegt zwischen der Übernahme des Erbes und der Übergabe. Das kann nur sein der Auftrag.
Alle die vorher ausgeführten Punkte sind der Zeit anzupassen, wobei aber an den Grundsätzen der Schützen nichts zu rütteln sein darf. Die Weitergabe ist mit Kreativität und Aktivität zu erfüllen, mit Optimismus zu versetzen und mit Idealismus zu stärken, aber von allen Negativströmungen der Zeit fernzuhalten und vor allem es auch selbst vorleben. Gerade das Letztere schließt sehr vieles mit ein. Nur mit Leben erfülltes Erbgut hat eine Chance weiter zu leben. Erfüllen wir den Auftrag des Vorlebens. Tun wir es mit Überzeugung, Tun wir es gemeinsam, denn nur gemeinsam sind wir stark. Tun wir es aber mit Freude.
Der Auftrag für uns Führungskräfte der Schützen heißt auch Aufträge weitergeben. Die Erfüllung von Aufträgen oder Aufgaben auf eine möglichst große Basis zu verteilen heißt auch, daß es von der breiten Masse getragen wird.
Auftrag soll aber nicht Zwang heißen, er soll auf Freiwilligkeit basieren, er soll getragen sein aus innerer Überzeugung, aus Stolz und Ungezwungenheit.
Sind wir uns aber bewußt, "Jeder Tag ist der Scheidepunkt von Erbe und Auftrag". Sei unsere Arbeit eine Bereicherung des Erbgutes und sei unsere Arbeit jener Auftrag das von uns weitergereichte "Erbe" in die Hände jener zu legen, die wir wollen und nicht andere wollen.
Mittelpunkt unseres Schützenlebens müssen aber immer die Grundsätze als Grundpfeiler bleiben, nämlich :
Die Treue zu Gott und dem Erbe der Väter
der Schutz von Heimat und Vaterland
die geistige und kulturelle Einheit des ganzen Landes
die Freiheit und Würde des Menschen
die Pflege des Tiroler Schützenbrauches.
K. K.- Postmeister in Waidring - Landsturmmajor
(Beitrag von Lisi Konrad - Schützenkompanie Flaurling)
Johann Jakob Stainer wurde am 10. Juni 1755 in Waidring geboren. Wie sein Vater Simon Thaddäus Stainer war Jakob Stainer Postmeister.
Bekannt wurde er durch sein Organisationstalent in den Kriegsjahren 1796-1814. 1799 wurde ihm bei der Einteilung der Kompanien des Gerichts Kitzbühel, neben Pfleger Josef Kaisermann und Hörwarter, die Stelle des 2. Landsturmmajors übertragen. Im Jahre 1800, als Napoleon Bonaparte abermals versuchte Österreich anzugreifen, rüstete sich das Länderaufgebot von Tirol, um die Grenzpässe abzusichern. Moreau gewann die Schlacht bei Hohenlinden und rückte weiter gegen Salzburg vor. Der Generalmajor Marquis de Chasteler veranlaßte sofort die Besetzung der salzburgischen Pässe und bestellte das Aufgebot der Kitzbühler Gerichte. Inzwischen wurde das Pinzgau von Pleger Sonnenburg von Lofer und Hauptmann Strucker informiert. "Die Stand- und Dislokationsliste der sechs Landsturmkompanien des Gerichtes Kitzbühel ( ... )führt 898 Mann an, von denen nur 561 mit Feuergewehren bewaffnet waren; diese Mannschaften standen bei Ebbs, Wildbühel, Erl und Niederndorf. Als erster und zweiter Oberkommandant sind darauf angeführt Stainer und Hörwarter (... )" (Wörndle 1908, S. 31). Das unglückliche Treffen der kaiserlichen Armee am 13. und 14. Dezember 1800 in Saalach erforderte eine sofortige Verschiebung der Streitkräfte zum Paß Strub, in dessen Vordefileen (Schneitzlreit und Bodenbühel) nur 400 Mann standen. Am 15. Dezember ritt Major Stainer persönlich nach Lofer, um die nötigen Instruktionen zu holen. Zwei Tage später kehrte er mit drei Kompanien (254 Mann) nach Unken (Ort) zurück und es kam zu den ersten Vorpostengefechten. Hitziger wurde es aber am nächsten Tag, als die Franzosen die Wegscheid besetzten. Stainers Kompanien stießen in Schneitzlreit und am Bodensbühel mit dem Feind zusammen und warfen ihn mit "Stutzenfeuer" zurück.
Am 19. Dezember folgte die nächste blutige Schlacht. Die Schützen, unter der Führung Struckers und Reischers, stellten sich einer Horde plündernder Franzosen in den Weg und erschossen oder erschlugen sie, den Rest schlugen sie in die Flucht. "Stainer war an diesem Tage von FML. Freiherrn v. Holler, der mit Marquis de Chasteler nach Lofer gekommen, beauftragt worden, in das Pinzgau zurückzureiten, um mittelst strengster Befehle und Drohungen vom kaiserlichen Generalkommando in Innsbruck alle geistlichen und weltlichen Obrigkeiten zur tätigsten Mitwirkung zu verpflichten. " (ebd. 1908, S.32). Am 21. Dezember waren weitere Kompanien von Waidring und St. Johann in die Vorpostenlinie eingerückt, sodaß der feindliche Vorstoß leicht zurückgewiesen werden konnte. Nach zweitägiger Ruhe griffen die Franzosen am frühen Morgen des Heiligen Abends mit 2.500 Mann an. Die Landesverteidigung der Tiroler bestand aus 17 Kompanien, unterstützt durch ein kleine Zahl von Militär und einem Geschütz. Acht Stunden dauerte der ungleiche Kampf, da die Franzosen wesentlich besser ausgerüstet waren, dennoch verzeichnete auch der Feind 300 Tote und 200 Verwundete, und konnte in die Flucht getrieben werden. Major Stainer hatte an diesem Tage die Reservetruppen im Steinpaß befehligt.
Besonders tapferen Schützen stellte Stainer noch persönlich Atteste aus, und als der Friede bekannt wurde, zogen die Schützen und Landstürmer zur Danksagung nach Maria Kirchental. Auf einer Gedenktafel gaben Stainer und dessen Kampfgefährten ihren Dank für die Rettung des Vaterlandes Ausdruck.
1804 beteiligte er sich fleißig an der Einführung der Landmiliz in seinem Gerichtssprengel. Man mußte vorsorgen, denn schon das Jahr 1805 brachte eine neue Kriegsgefahr mit sich. Von Scharnitz her versuchte Marschall Ney, in Tirol einzubrechen, um gemeinsam mit der Division Deroy die Armee Erzherzog Johanns aus dem Bergland zu vertreiben. Vorerst gelang dies auch, und sie drängten bis zum Bodensbühel vor, aber am 2. und 3. November wurden 10.000 Streiter von 2.300 Landesverteidiger in Strub nach 24-stündigem Kampf zurückgeworfen. Die Ortschaften Unten und Lofer wurden dabei vollständig geplündert. Von Waidring einwärts nach Tirol herrschte große Angst und Schrecken unter den Bewohnern. Über Major Stainers Anteilnahme an den Kämpfen ist sehr wenig bekannt, daß er aber dennoch tätig war, beweisen die Aufzeichnungen vom Schriftführer der Waidringer Kompanie, Leonard Willinger, von 1805. Weiters bezeugen dies die zwei Schreiben des Pflegers von Kitzbühel an Stainer, in welchen er im ernsten Schreiben über den Einbruch in Scharnitz informiert wurde, und aus dem zweiten ging hervor, daß er informiert wurde über die Bedrohung der Hauptstadt Innsbruck, und daß die Feinde von dort ins Unterinntal vordringen wollten. Stainer hatte die Aufgaben, den Landsturm wieder aufzubieten und gegen die Feinde einzugreifen. 1806 gründete Stainer den k.k. priv. Gemeinde-Schießstand in Waidring, "(... ) ein Beweis, daß Stainer die Bedeutung des Schützenwesens zu würdigen wußte. " ( ebd. 1908, S.40). Auch 1809 war Stainer im Namen des Landes Tirol tätig. Schon Ende April dieses Jahres vermutete man, daß die Feinde von Salzburg herrücken würden. Stainer hatte die Aufgabe, die geringe kaiserliche Besatzung bei Strub zu verstärken. Allmählich erhielt er Verstärkung von Kitzbühel unter Josef Hechenberger und von den Jochbergern und Aurachern unter der Führung von Anton Oppacher. Aber es waren zu wenige, und Stainer schickte Boten aus, um noch mehr Hilfskräfte zu bekommen. Aber überall wurden die Schützen gebraucht und deshalb trafen erst nach ein paar Tagen die Kompanien von Schwaz, von Vomp und von Urbar Waidring ein. Unglücklicherweise mußte Stainer einen Teil der Schützen der Nebenpositionen in Kitzbühel und am Paß Luftenstein einsetzen. Weiters konnte Stainer von den Salzburgern keine Hilfe erwarten, da er aus einem Schreiben erfuhr, daß sie den Posten Hirschbühel nicht mehr länger halten konnten, da es an Geld und Mundvorrat fehlte. Hingegen passierte in Tirol alles Denkliche: das K.K.-Bergwerksamt Kitzbühel sowie das Bergwesendirektorium in Schwaz unterstützten Hilfskompanien mit Geld und Lebensmitteln.
Die Lage wurde zunehmend gefährlicher und aus einem Schreiben am 7. Mai von Roschmann an Stainer geht hervor, daß der Feind bald den Paß Strub angreifen würde, und es sei äußerste Vorsicht geboten, da der Feind möglicherweise von allen Seiten angreifen könnte.
Der Feind ließ wirklich nicht auf sich warten: Am 11. Mai stand er mit 8.-9.000 Streitern, 800 Pferden und 12 Geschützen vor dem Paß Strub. Was dort geschah berichtete ein Augenzeuge:
"Ein schrecklicher Tag für Lofer! Um 6 Uhr des Morgens redirierten die Kaiserlichen und die Tiroler mit saftiger Eile nach dem Passe Strub. Zwei Kanonenschüsse geschehen am Hochgastage eine kleine 4 tl Stunde von Lofer Der Wirbel der Trommeln begann und mit einem fürchterlichen Avances, Avances stürmten die bayrischen Truppen mit gefällten Bajonette im Dubblirschritte durch den Markt und hin gegen Strub und Luftenstein - über die Loferalpe und Faistau, über die Aschau und den Mairberg, kurz auf allen Seiten her zogen die Truppen; der ganze Markt, die Felder und Auen gegen den Strub und St. Martin waren angefüllt, hoch auf den Bergen sah man Helme und Musketen blitzen. " (ebd. 1908, S.50). Die Kämpfe waren erbittert, die Luft war erfüllt von Rauch und Pulverdampf und natürlich vom Knallen der Stutzen. Der Paß hielt sich um 1 Uhr noch sehr gut, hingegen loderten die Flammen schon über den Markt. Um halb 3 Uhr morgens überstiegen bayrische Truppen auf der Nordseite den Paß Strub und feuerten von der Seite auf die Tiroler - die Tiroler mußten fliehen und der Paß fiel.
Am 12. Mai 1809 beginnen um 4 Uhr morgens die Unruhen von Neuem. Paß Luftenstein kann sich noch halten, unaufhörlich fahren die Franzosen mit ihren Plünderungen in den Dörfern fort. Als sie in Lofer eine alte Schützenfahne finden, droht Lofer die Einäscherung, nur mit Mühe kann um Gnade gebeten werden. Am 13. Mai 1809, nach neunstündigem Kampf, bei dem die Bayern 2.000 Mann verloren hatten - die Tiroler nur 87 - nachdem Strub gefallen war, schossen die Feinde in unser Land. Sie kannten keine Gnade. Nachdem das Paß-Wirtshaus und das Mutter- Anna-Kirchlein niedergebrannt worden waren, wurde Waidring, die Heimat Stainers, das erste Opfer der "modernen Vandalen". Sie plünderten und mordeten. Das Gasthaus zur Post wurde verschont, da es den Offizieren als Quartier diente, aber viele der anderen Häuser wurde niedergebrannt. (Der Ausweis für Vergütung an Brand und Raubschäden in Waidring betrug für 27 Parteien 2.932 fl. 21kr., wovon Postmeister Stainer allein 872f1.11kr. erhielt.) Erst nach 2 Wochen gelang es durch Bemühungen einzelner, voran der Posthalter, die Spuren allmählich verschwinden zu lassen.
"Neue Feindeslast folgte im Spätherbste d. J. und die Dörfer im Leukentale wurden neuerdings empfindlich getroffen, indessen kam es in dieser Gegend zu keinem Kampfe mehr und der Friedensschluß von Schönbrunn überlieferte Tirol an die Krone Bayerns. " (ebd., S. 62)
Jahre der Unterdrückung folgten und die bayrischen Beamten wußten, daß es keinen besonderen Anstoß brauchte, um die "Rebellion" wieder in Flammen zu setzen. Aber dem beugten die Bayern vor, und so begann 1812 die bayrische Razzia nach den Führern des Volkes. " Auch Major Stainer stand auf der Proskriptionsliste und gleich andere Wintersteller'schen Offizieren ward auch er 1813 aufgegriffen, als Geisel nach München geschleppt und schließlich in Ingolstadt eingekerkert: der beste Beweis, daß man seiner österreichisch-patriotischen Gesinnung nicht traute und seine Bedeutung für den Fall eines abermaligen Aufstandes in Tirol "zu würdigen wußte". (ebd., S.62)
Erst durch den deutschen Freiheitskampf wurde er freigelassen und kehrte am 9. Oktober 1813 nach Waidring zurück. Die letzten 13 Jahre seines Lebens verbrachte er für seine Gemeinde wirkend in Waidring. Am 26. Mai 1826 verstarb der Patriot an Lungenkrampf und hinzugetretener Wassersucht im Alter von 71 Jahren.
Am östlichen Eingang des Dorfes Waidring erinnert uns eine Denksäule an die Tapferkeit des Postmeisters Johann Jakob Stainer.
Zierde der Schützenkompanie
Die Heere des Mittelalters kannten weder Train noch Feldküche oder Feldbäckerei. Im Grunde genommen hatte jeder Mann für sich selbst zu sorgen. Man lebte vom Land durch das man marschierte. Dementsprechend wichtig war der freiwillige Tross der Händler, der Wirte, Köche und vor allem auch der Frauen. Noch unter Friedrich dem Großen konnten Soldaten für sie sorgende Frauen mitziehen lassen. Brot gab es bereits aus der Feldbäckerei. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges aber noch gestaltete der bunte Tross, der allerdings dem Militärkommando unterstand, die ganze Vielfalt und Buntheit des Lagerlebens. Grimmelshausens Erzählung von der Mutter Courage, dem Urbild aller Marketenderinnen, legt deutliches Zeugnis dafür ab. Je zentraler die Armeeverpflegung und gesamte Truppenversorgung im Lauf der Zeit geregelt wurde, desto bedeutungsloser wurden die zivilen Versorger einschließlich der Marketenderinnen und sonstigen Begleitfrauen. Am Ende der Entwicklung stand die der Kompanie angehörende uniformierte Marketenderin mit ihrem Fäßchen voll Schnaps zur Labung der Soldaten. Mit Ausgang des 19. Jahrhunderts verschwand auch sie aus dem Bild der modernen Armeen. Geblieben ist sie nur bei einigen Bürgergarden, Die Tiroler Schützen haben, wohl in Erinnerung an die Franzosenkriege die Funktion der mitmarschierenden Marketenderin neu belebt. Dies freilich unter sehr veränderten Vorzeichen.
Zuerst gab es nur vereinzelt Marketenderinnen in den Kompanien, da man dieser Neuheit gegenüber Mißtrauen empfand. Doch die "Zier der Kompanie" setzte sich bald durch und erfüllte ihre Aufgaben, was sich als sehr positiv auswirkte.
Marketenderin zu werden, galt und gilt als Ehre, als schöne, repräsentative Aufgabe, die aber mit Verantwortung, Charakterfestigkeit und Tradition untrennbar verbunden ist.
Bei Ausrückungen zeigt auch die Marketenderin ihren Einsatz fürs Tiroler Schützenwesen, das Bekenntnis zu seinen Idealen.
Bei einer Schützenveranstaltung soll das Mädchen natürlich erscheinen, ohne Modeschmuck und Schminke, modischer Aufputz sollte vermieden werden, um die Tracht nicht zu entwürdigen. Die Marketenderinnen tragen die Tracht der Umgebung und halten sie dadurch lebendig.
Meist sucht der Hauptmann die Marketenderinnen aus, in manchen Kompanien werden sie gewählt. Heute ist ein Ausrücken ohne Marketenderinnen unvorstellbar; nur bei bestimmten Anlässen sind sie nicht dabei, etwa bei Begräbnissen. In Nordtirol muß eine Marketenderin ledig sein, in Ost- und Südtirol nicht unbedingt. Wie bei den Schützen, sind alle Berufsstände (Studentinnen, Angestellte, Sekretärinnen ... ) vertreten. Natürlich müssen die Mädchen ein umgängliches Wesen haben, um auserkoren zu werden. Sie genießen dann auch das aktive Wahlrecht in der Kompanie und beteiligen sich am Schützenschnurschießen.
Ihre heutige Rolle ist auch gar nicht so einfach. Nach der Ausrückung fungieren sie oft auch als Kellnerinnen, denn sie haben die Aufgabe, sich um das Essen und Bier der Schützen zu kümmern.
Ihre Tätigkeit ist also anstrengender, denn während die Schützen gemütlich beisammensitzen, sind sie beim Laufen und Tragen und verkaufen Schnaps, was der Kompanie auch Geld einbringt. Auch halten sie die Schützenlokale sauber. Und - sie sind die Anlaufstelle für kritische Äußerungen der Bevölkerung zu einer Ausrückung. Da heißt es dann oft, aufzuklären oder zu berichtigen und freundlich zu bleiben.
Für ihren unermüdlichen Einsatz bei Festen, Veranstaltungen, sozialen und caritativen Unternehmungen gilt ihnen besonderes Lob. Außerdem sind sie wichtige Trägerinnen und Vermittlerinnen des Schützengedankengutes - auch für die kommende Generation.
Warum ich gerne Marketenderin bin...
Wie es für Kinder oft üblich ist, war es nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung, in die Kirche zu gehen, aber an Tagen, an denen die Schützen ausrückten, ging ich gerne. Meine Mutter machte uns den Kaffee, und nach dem Frühstück zog mein Vater die Schützentracht an. Natürlich zog ich an einem solchen Tag auch mein schönstes "Dirndl" an. In der Kirche und bei der Prozession bewunderte ich die Fahnen, die schönen Trachten und war begeistert, wenn der Hauptmann seine Befehle gab und anschließend ein Schuß knallte. Bei der Prozession marschierten ich und meine Freundin im Schritt, nichts wünschte ich mir mehr als Marketenderin dabeizusein. 1991 erfüllte sich mein Traum, die damalige Marketenderin fiel aus, und ich durfte als Ersatz mitgehen. Nicht lange dauerte es, und sie ließ es ganz, und ich war neue Marketenderin. Nie werde ich das Gefühl vergessen, das ich das erste Mal beim Ausrücken hatte: Stolz und Angst zugleich.
Heute weiß ich, daß Marketenderin sein nicht nur heißt "an der Spitze" zu marschieren, sondern es gibt so viele Dinge, die einfach Freude machen. Die ganzen Aktivitäten, die ich im Jahreskreis angeführt habe, die unternommen werden, die lustigen Stunden im Kreise freundlicher und lieber Menschen, die Unterhaltung und Feste, die gefeiert werden, die Wertschätzung, die einem entgegengebracht wird, ganz einfach das Dazugehören in einem Verein. Das Wissen, ein Mitglied zu sein, ist das Schönste, das jedem Menschen widerfahren kann. Deshalb bin ich gerne Marketenderin und stehe gerne mit Tatkraft an der Seite meiner Kompanie.
Zu den ältesten Trachten gehören wohl die Trachten der Schützen und der Musikkapelle von Ried im Oberinntal. Sie tragen als Hut einen Dreispitz und einen blaugrünen Frack. Diese Tracht wurde anhand eines Bildes der Lorettakapelle in Ried rekonstruiert. Sie stammt aus der Rokokozeit und ist ein deutlicher Beweis, wie stark die Mode, die in der Stadt gepflegt wurde, auf die ländlichen Trachten eingewirkt hat. Sie kam hauptsächlich aus Paris. Von den Eroberungszügen Ludwig XIV. wehte militärischer Geist in die Mode der Herren. Elegant kleidet sich der Offizier, leicht und unbeschwert, umspielt von den Kurven und vom Glanz seines Gewandes. Zur Vollständigkeit gehörte die Perücke und eine mächtige Puderwolke. Entsprechend war die Bekleidung der Frauenwelt. Die Bauern am Lande trugen dafür lange Haare, die über den Nacken flossen. Den Frack übernahm man am Land in verschiedenen Formen. In Stadtnähe reichte er bis unter das Knie. In anderen Gegenden, wie zum Beispiel im Ötztal, endete er über den Knien. Die Fatzlkappe stammt auch aus dieser Zeit. Man trug sie im Inntal und im Wipptal. Nach der Rokokozeit wurden hauptsächlich wieder kurze Röcke getragen. So ein Rokokofrack war für das Land immer ein "nobliges Gewand". Da fallen die Befreiungskriege von 1809 hinein. Zu dieser Zeit herrschte der größte Reichtum an Buntfärbigkeit und verschiedenem Schmuck. Es war eine Übergangszeit. Der eigentliche Verfall der Trachten begann 1830 -1850. Bald nach 1830 drang ziemlich allgemein in Tirol, während früher die Trachten örtlich stark verschieden waren, die Biber- bzw. Ottermütze oder einfach Pelzkappe, wie sie genannt wurde, ein. Diese war ein kugelförmiges, mit braunem Pelz umkleidetes Gebilde. Sie erfreute sich nicht allzu langer Beliebtheit. Die Pelzkappe wurde offenbar wegen ihrer Unbequemlichkeit bald von den Unterinntaler Hauben in den verschiedensten Variationen verdrängt. Heute findet man bei Schützen und Musikformationen verhältnismäßig mehr Fatzlkappen, obwohl diese bedeutend älter sind als die Bibermützen. Den letzten Impuls bekam die Trachtenmode in der Biedermeierzeit. Da ließ sich die vornehme Welt am Lande wieder einen langen Rock schneidern, der jedoch im Schnitt von jenem der Rokokozeit verschieden war. In anderen Gebieten, wie im Ötztal, kleidete sich die Bevölkerung mit übermäßig kurzen Röcken, die knapp unter dem Rücken abschlossen.
Die Biedermeierzeit brachte geblumte oder gestreifte Westen, während früher die roten Westen nicht bloß in Tirol, sondern auch in der Schweiz und in Bayern allgemein üblich waren. Vielfach tragen unsere Schützen zur Tracht weiße Strümpfe. Andere sieht man jedoch mit blauen Strümpfen wie die Schützenkompanie Ladis. Heute finden wir nur mehr selten vollständige Trachten. Vieles ist nur mehr bruchstückweise oder aus Abbildungen zu entnehmen. Bei den Schützenkompanien und Musikkapellen tritt die Tracht an die Stelle der Uniform. Dadurch entsteht leicht der falsche Eindruck, früher wären alle Leute gleich angezogen gewesen. Dies war jedoch nicht der Fall. Es bestand je nach Wohlstand des Einzelnen und der verschiedenen Stände ein großer Unterschied in der Kleidung.
Über die Trachten im Bezirk Landeck, die " Viertel Oberinntaler Schützenröcke", kann folgendes berichtet werden: Im Zusammenhang mit der Aufrüstung der Tiroler Wehrkraft unter Erzherzog Maximilian, im Zeichen der aufsteigenden Wirren des Dreißigjährigen Krieges, während man um 1600 ernstlich ein Vorrücken türkischer Scharen über das Drau- und Pustertal in das Herz des Landes befürchtete, erhielten die Tiroler Schützen eigens vorgeschriebene Uniformen. Eine Schneiderrechnung über die Anfertigung von 24 Schützenröcken in Kitzbühel im Jahre 1610 klärt uns über die Beschaffenheit der "Viertel Oberinntaler Schützenröcke" auf. Der erzherzoglichen Verordnung waren Bildtafeln angeschlossen, worin die Schützenröcke für die Oberinntaler Gerichtsbezirke ("Viertel" genannt) Telfs, Silz, Imst, Landeck, Pfunds, Prutz und Reutte besonders gekennzeichnet waren. Ohne Zweifel waren damals auch den übrigen Tiroler Gerichtsbezirken Vorlagen zu Schützenröcken zugegangen, die von gleicher Beschaffenheit waren. Aus der Zeichnung konnte man ersehen, daß es sich beim Schnitt dieser Röcke um schenkellange Hemden mit einfachem Halsausschnitt handelte. Letzterer dürfte, der damaligen Mode folgend, durch einen leinenen Spitzenkragen, auch Schwedenkragen genannt, verdeckt gewesen sein. Die vorgeschriebene Länge des als "Oberkleid" getragenen Hemdes war auf der Bildtafel eigens vermerkt. Dieses "Röckl" soll 15 Ellen und ein Viertel lang sein.
Die Tiroler Schützentracht aus dem 16. Jahrhundert (laut Anordnung des Kaisers Maximilian) bestand aus dem Tiroler Schützenrock, weißen Halsrüschen, grünem Wallensteinhut (breitkrempiger Filzhut mit Federn), schwarzen Kniehosen und weißen Strümpfen und festen Halbschuhen. Die Hahnfeder am Hut galt und gilt als Zeichen der Mannhaftigkeit. Sie gehört auch heute noch zur Schützentracht. Wenn früher breitkrempige Hüte bevorzugt waren, so wurden später andere Formen getragen. Das Material zu den Schützenröcken war aus lichtem, roten, offenbar hellroten Wollstoff.
Die Schützentracht von Prutz und Reutte enthielt das Habsburgische Andreaskreuz, welches Maximilian aus dem Burgundischen Orden vom "Goldenen Vließ", den er bekanntlich zum Habsburgischen Hausorden erhob, entnahm. Aus diesem Orden stammen auch die zu den Feuereisen gehörigen Flammenzungen in den Trachten von Prutz und Silz. Sie drückten ohne Zweifel die Zugehörigkeit der Tirolerischen Viertelgerichte zur habsburgischen Gerichtsbarkeit aus.
Im Jahre 1766 trugen die Männer bei kirchlichen oder feierlichen Anlässen rote, bis an die Knie reichende Röcke, ebensolche Leibchen, schwarze Hosen und weiße Strümpfe. Die Bauernkleidung von Landeck bestand damals aus einem roten Rock mit großen weißen Knöpfen, weißem Halskragen und schwarzen Hosen. Auch trugen sie damals schon den Wams, der das Hemd ersetzte. Er bestand aus dunklem Loden mit rot ausgeschlagenem Halsausschnitt, ganz schmalem gleichlaufendem Brustaufschlag und Ärmelstulpen.
Federschmuck auf dem Schützenhut
EBezSchMjr Josef ROILO SchMjr Emmerich STEINWENDER
Als vor langer Zeit das Volk von Tirol seine Freiheit begehrte und nach langer Vorbereitung und hartem Kampf sie auch erreichte, machte man den Adler als den ungekrönten Herrscher der Lüfte zum Vorbild der Freiheit.
Schützen und Jäger haben sich stets einen Adlerflaum, eine Adlerfeder, einen einfachen oder doppelten Spielhahnstoß, eine Geier- oder weiße Hahnenfeder als Zeichen der Treffsicherheit auf den Hut gesteckt. Nicht jedem Schützen war es damals vergönnt, solche Trophäen zu erreichen. Er brauchte große Treffsicherheit, einen Adler mit der Armbrust abzuschießen. Wenn daher ein Schütze ein solches Gestecke am Hute trug, so erkannte man gleich in ihm den treffsicheren Schützen. Als die Einfälle feindlicher Truppen ins Land erfolgten, gründeten sich die Schützenkompanien. Jede dieser Kompanien trug ihre besondere Federart am Hute. Im Laufe der Kämpfe haben sich Schützen mit Spielhahnfedern ganz besonders bewährt und so wurden die Leute als Robler bezeichnet. Robler waren Draufgänger, rauf- und kampfgewohnte Burschen und Männer, die mit Wucht dreinfuhren. So entwickelten sich mit der Zeit folgende Kennzeichnungen anhand unterschiedlicher Federarten:
Besonders ziel- und treffsichere Hochgebirgsschützen und Jäger trugen den Adlerflaum als Zeichen des scharfen Auges und als Symbol des Freiheitskampfes.
Die Schwungfedern des Adlers hatte sich der besonders tapfere, mutige und draufgängerische Speckbacher aufgesteckt, sie werden daher als Symbol seiner Mannesart getragen.
Geierschwungfedern ersetzten später oft die Adlerfedern.
Die einzelne krumme Spielhahnfeder steckte sich jeder schneidige Bursch auf seinen Hut. Den halben Spielhahnstoß hatte manche Kompanie als Zeichen der Schneid aufgesteckt und einen ganzen Stoß trug stets der Anführer der Kompanie. Doch gab es und gibt es auch heute noch ganze Kompanien, die den vollen Spielhahnstoß tragen.
Die weiße Hahnenfeder - und zwar immer in doppelter Form - ist das allgemeine Zeichen der Schützenschneid.
Es ist noch zu erwähnen, daß zu diesem Paar weißen Hahnenfedern von manchen Kompanien noch ein halber Spielhahnstoß getragen wurde, dies bedeutete, daß diese Kompanie sich auch als Robler im Laufe der Gefechte der Freiheitskriege in den vorigen Jahrhunderten als tapfer erwiesen hat.
Im letzten Jahrhundert und auch in heutiger Zeit haben sich die Schützen Federn kaufen müssen, um traditionsgemäß dieses Schneidzeichen tragen zu können.
Dieses Zeichen des Mutes wurde späterhin auch vom Militär übernommen und so haben die Schützenregimenter einen halben Spielhahnstoß, nach vorne schauend getragen.
Von Landeskurat Msgr. Josef Haselwanner
Heuer begeht Tirol die 200-Jahr-Feier des Gelöbnisses des Landes Tirol an das göttliche Herz Jesu.
Der Bund der Tiroler Schützenkompanien hat aus diesem Anlaß für sein Arbeiten das Motto gewählt: "Von den Fahnen in die Herzen!"
Damals in der Not, unter fremder Herrschaft, in der Kriegsgefahr suchte man Hilfe bei Gott dem Herrn, man stellte sich unter seinen Schutz, man betete um Frieden und Freiheit, und als äußeres Zeichen ihres Glaubens hefteten unsere Väter das Symbol des göttlichen Herzens auf viele ihrer Fahnen. Es war dies ein äußeres Zeichen einer inneren Haltung und Überzeugung.
Heute, da wir Frieden schon so lange haben wie niemals je zuvor, da können wir dies kaum noch begreifen; wir haben aber auch kaum noch Zugang zu dem, was "Herz Jesu" im tiefsten und letzten bedeutet. Die Symbole sagen uns nicht mehr allzuviel, wir verstehen sie nicht mehr, es besteht die Gefahr, daß sie wirklich nur mehr Zierat auf alten Fahnen sind und nicht mehr brennen in den Herzen der Gläubigen.
Und so wäre es der Mühe und der Arbeit wert, sie wieder hereinzuholen in die Herzen der Menschen, denn in ihnen ist die Fülle und Tiefe unseres Glaubens enthalten. In diesem Bild vom göttlichen Herzen wird uns das gesagt, was Johannes in die kurzen Worte faßt: "Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,16). In einer Zeit der absoluten Gläubigkeit an die Technik, die Wissenschaft und den Fortschritt, des Konsumdenkens und des Genießenwollens. In einer Situation, in der der Mensch vereinsamt, kein Ziel mehr hat und oftmals auch keinen Sinn mehr findet, in der die Menschen verarmen (materiell und seelisch in der Welt) und Gefühlskälte immer mehr um sich greift, Herzen in der Gefühlsarmut und Gleichgültigkeit aneinander erstarren, wo Heimat- und Geborgenheitssuche vergeblich wird, hier ist wiederum Herz gefragt, oder, wie es Bischof Dr. Stecher einmal ausdrückte: "Herz müßte Trumpf sein."
Nicht Herzen aus Stein, nein, solche aus Fleisch und Blut sind gesucht. Herzen, die von der Liebe nicht nur sprechen, sondern sie einfach tun. Gelebte, praktizierte Nächstenliebe, Kameradschaft, Miteinander und Füreinander, Solidarität ist gefragt.
All das, was Getrenntes zu verbinden und vereinen mag; was Versöhnung schafft und die Kraft besitzt, zu verzeihen und zu vergeben; das, was bereit ist zu geben und zu schenken und zu opfern; was Vertrauen aufbaut und schenkt; Hoffnung gibt, Zuversicht und Zukunft; all das, was Sinn finden und das Ziel des Lebens entdecken läßt, was aus der Endlichkeit und Begrenztheit hinausweist in die Weiten des Lebens und der Zukunft, was den Sprung schafft vom Diesseits ins Jenseits; das was zu finden wäre in der Stille, aber auch der Lärm der Welt nicht zum Schweigen bringen kann; was wir entdecken könnten im Wort Gottes und im Gebet.
Um das Teilen, das Schenken - das seliger macht als das Nehmen -, um die Solidarität, die aus all unseren Abgründen, Tiefen und Bitternissen. Wir können sie finden in den Herzen der Menschen, wenn auch manchmal verschüttet und arg vernarbt. Sie leuchte uns aber vor allem auf im Herzen des menschgewordenen Gottessohnes, im Herzen Jesu.
Nach Johannes dem Evangelisten (19,34) hat es der Hauptmann unter dem Kreuz mit seiner Lanze geöffnet, und es floß Blut und Wasser heraus.
Ein Lanzenstoß ins Zentrum der Welt und der Heilsgeschichte: in das Herz des Herrn, in dem die Fülle wohnt und nicht die Leere, das das Leben ist und nicht der Tod, in dem sich alle Liebe sammelt und konzentriert, in dem die Güte zu finden ist, jedoch kein Raum für Enge, Verneinung und Abgründiges. Hier im Zentrum der Welt und inmitten der Geschichte wird durch einen Menschen, der nicht weiß, was er die Quelle allen Heils, der Hoffnung und der Zukunft geöffnet.
Wasser strömt hervor, das die Sünde der Welt abwäscht; Blut als Zeichen des Neuen Bundes, das uns Menschen für immer mit Gott verbindet.
Der Hauptmann unter dem Kreuz selbst, die Kirchenväter, Theologen und unzählige Christen schauen seither staunend und ergriffen auf das durchbohrte Herz Jesu. In Not und Gefahr, in Leid und Bedrängnis nahmen sie zu ihm ihre Zuflucht, und in ihm sahen sie die Quelle und das Zeugnis der unergründlichen Liebe Gottes zu uns Menschen.
Das durchbohrte Herz zeigt uns, wie ernst es Gott meint. In diesem geöffneten Herzen des Erlösers wird uns gesagt, daß es offensteht für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. In diesem Herzen - dem Herzen Jesu - wird uns gesagt, daß Gott seine Liebe, die er uns einmal zugesagt, niemals mehr zurücknimmt.
Karl Rahner sagt in einem Gebet:
"Am Herzen Jesu wissen wir, wer Gott uns sein will, beglückendes Geheimnis der Liebe.
Wenn er uns liebt, ist alle Herzensnot von uns genommen. An seinem Herzen, in diesem Herzen wird unser Herz ruhig. Es ist da, Herz, an dem selbst noch Diebe und Mörder Verzeihung finden."
Es ist das Herz, in dem unsere tiefsten Nächte Tage geworden sind, weil es sie mit uns getragen. Es ist das Herz, in dem sich alles in die eine Liebe verwandelt."
Herz Gottes, Herz Jesu, Reichtum der Liebe, deren wir Menschen so nötig bedürfen. In diesem Herzen wird uns gesagt, daß es offensteht für alle und daß es für dieses Herz keine Grenzen und Hindernisse gibt. Herz Gottes, das Brücke ist von Gott zu uns Menschen und umgekehrt. Aber auch Brücke von Mensch zu Mensch, auf daß sie eins werden und seien.
Herz Gottes und Herz Jesu, das uns aber auch in die Pflicht nimmt, Empfangenes und unverdient Geschenktes weiterzugeben an unsere Brüder und Schwestern, damit auch wir nicht mehr für uns selber leben, sondern füreinander und für den, dessen Herz so viele unserer Fahnen ziert; daß es von den Fahnen in unsere Herzen komme und Frucht bringe und Zeugnis gebe in Kirche und Welt.
Die Aufgaben der Schützen im nächsten Jahrtausend
Von Landeskommandant Mjr HR Dr. Otto Sarnthein
Die Schützen hatten über mehrere Jahrhunderte die Aufgabe, die Verteidigung der Landesgrenze des historischen Tirols zu organisieren und durchzuführen. Mit dem denkwürdigen Auszug der Tiroler Standschützen in den bedrohten Süden des Landes im Jahre 1915 ging die militärische Aufgabe der Schützen zu Ende, denn mit dem Zusammenbruch der Monarchie im Jahre 1918 wurden die Landesteile getrennt und die Landesverteidigung in Österreich neu geordnet.
Mit dem Wiedererstehen der Schützenkompanien nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch der Bund der Tiroler Schützenkompanien neu gegründet (1950), wobei die militärischen Wurzeln wie die Gliederung in Kompanien, Bataillone, Regimenter oder die Exerzierordnung aus dem Jahre 191 0 nicht zu übersehen sind. Wir tragen die historischen Waffen als äußeres Zeichen der Wehrbereitschaft für die, von uns zu vertretenden Werte, ein seit Jahrhunderten erworbenes Privileg, für das unsere Kameraden aus Süd- und Welschtirol noch immer kämpfen. Mit dem militärischen Nachfolger in Österreich, dem österreichischen Bundesheer, verbindet uns eine gelebte Partnerschaft und Kameradschaft und wir Schützen sind nicht nur seit den Tagen von Galtür stolz auf die Leistungen unserer Soldaten für dieses Land.
Als immerwährendes Motto zur Bewältigung unserer Aufgaben auch im nächsten Jahrtausend paßt das vergangene Jahresthema: "Gemeinsam Tirol gestalten". Aufgabe von uns Schützen ist es - unter Einbeziehung der Jugend - aus der Geschichte lernend die Zukunft zu gestalten, indem wir uns den zukünftigen Problemen stellen und zwar in der Familie, am Arbeitsplatz, in der dörflichen Gemeinschaft und darüber hinaus. Damit meine ich vor allem die christliche Erziehung, der Jugend in einer gesunden Familie, die Erhaltung der eigenen Kultur und die Pflege des Brauchtums, die Bewahrung unserer herrlichen Landschaft, die Vertiefung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen mit den abgetrennten Landesteilen in einer europäischen Region Tirol sowie der Dienst am Nächsten.
Aufgabe der Schützen ist ohne Zweifel auch der Schutz von Heimat und Vaterland. Über dieses Thema wird gerade im gesamten Schützenbund eingehend diskutiert. Zu diesem Thema wurden auch die Richtlinien für eine als Ausnahme anzusehende Demonstrationsteilnahme für Schützen in Tracht vereinfacht, aber vergessen wir dabei nicht - wir Schützen sind keine sechste Partei in diesem Land, wir Schützen sind keine Berufsdemonstrierer und wir Schützen lassen uns auch von niemandem politisch mißbrauchen oder in eine gewisse Ecke stellen!
Wir Schützen verstehen uns auch im nächsten Jahrtausend als positive Kraft dieses Landes und wir werden uns auch nicht davor drücken, in Zukunft zu wirklich brisanten Themen, die die Grundzüge der Schützen betreffen, Stellung zu beziehen. So haben wir uns in letzter Zeit vehement und erfolgreich mit Unterstützung der gesamten Bevölkerung Tirols - in die Diskussion um das "Herz-Jesu-Bundeslied" eingeschaltet und uns zur Beibehaltung der Sonn - und Feiertage zu Wort gemeldet. Wir bekennen uns nach wie vor zur Freiheit und Würde des Menschen, wir bewahren den Schützenbrauch insbesondere durch die Pflege des Schießwesens und wir tragen die Trachten der Talschaften dieses Landes auch als öffentliches Bekenntnis unserer freiwillig gewählten Grundsätze. Durch den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union sind die Landesteile des historischen Tirols näher zusammengerückt. Mit der Abschaffung der Grenzkontrollen wurden die zahlreichen Probleme der Gemeinsamkeit in diesem Land im Gebirge jedoch nicht gelöst. Der unterschiedliche Charakter der Landschaft und des Lebensraumes sowie 80 Jahre politische Trennung haben die Menschen geprägt und verständlicherweise verschiedene Interessen entstehen lassen. Trotzdem müssen wir versuchen, das Verhältnis unter den drei Schützenbünden innerhalb und außerhalb des Dachverbandes weiter zu verbessern und die Richtlinien zu harmonisieren. Ein wichtiger Schritt dazu war sicherlich die, vom Bund der Tiroler Schützenkompanien durchgeführte, Ausbildung von etwa 120 Offizieren des Südtiroler Schützenbundes im März 1999 in Völs sowie die kameradschaftliche Unterstützung des Welschtiroler Schützenbundes bei seinen zahlreichen Wiedergründungen.
Vor 24 Jahren haben sich in Innsbruck Vereinigungen bzw. Bünde gleicher Zielsetzungen und Anschauungen gefunden und in der Alpenregion der Schützen zusammengeschlossen. Wir Tiroler Schützen wissen das gute Verhältnis zu den bayerischen Gebirgsschützen zu schätzen und müssen weiterhin versuchen, diese gutnachbarschaftlichen Verbindungen auch im nächsten Jahrtausend zu pflegen.
Ich bin in einer Kompanie aufgewachsen und weiß die Arbeiten in den Kompanien zu würdigen und vor allem ihre Selbständigkeit zu schätzen. Um aber gemeinsame Ziele weiterhin verwirklichen zu können, ist es unerläßlich, zusammen in diesem(r) gemeinsamen Bund (Europaregion) mitzuwirken, persönliche Interessen hintanzustellen und gemeinsam demokratisch zustandegekommene Beschlüsse zu respektieren und mitzutragen. Die Tiroler Schützen sind zweifellos in der Lage, dort frischen Wind hineinzulassen, wo er in Zukunft hineingehört und dort Reformen vorzunehmen, wo diese notwendig sind. Allerdings sollten diese Reformen gut überlegt sein und Bestand haben - zum Wohle unserer gemeinsamen Heimat Tirol.
PRÄAMBEL
Der Bund der Tiroler Schützenkompanien hat Auszeichnungen geschaffen, um Kameraden, Freunden und Gönnern Dank und Anerkennung für außergewöhnliche Leistungen ausdrücken zu können. Mit diesen Auszeichnungen werden persönlicher Einsatz, Bescheidenheit und stille Mitarbeit aber auch Mut und Treue für das Tiroler Schützenwesen hervorgehoben. solche Ehrungen sind ein Dank für vielfache ehrenamtliche Tätigkeit und persönliche Opfer.
I
Langjährigkeitsmedaillen
Die Treue für langjährige Zugehörigkeit und Mitgliedschaft zu einer Kompanie wird durch die Verleihung von Langjährigkeitsmedaillen in Bronze, Silber und Gold gewürdigt.
"Haspinger-Medaille" in Bronze für 15jährige aktive Tätigkeit auf dem Gebiet des
Tiroler Schützenwesens.
"Speckbacher-Medaille" in Silber für 25jährige aktive Tätigkeit auf dem Gebiet des
Tiroler Schützenwesens.
"Andreas Hofer-Medaille" in Gold für 40- und mehrjährige, aktive Tätigkeit auf dem
Gebiet des Tiroler Schützenwesens.
Schützenkameraden, die das 50., 60., 65., und 70. Jubiläum seit dem Eintritt feiern, erhalten einen Ehrenkranz , der mit einem Eichenlaub und der Jahreszahl ausgestattet ist und auf das Dekorationsband angeheftet wird.
Eine langjährige Tätigkeit ist als aktive Mitgliedschaft bei einer Kompanie das Bundes der Tiroler Schützenkompanien nachzuweisen.
Zugehörigkeitszeiten bzw. Mitgliedschaften bei anderen Kompanien als bei der Antragstellenden sind schriftlich nachzuweisen und vom jeweiligen Hauptmann zu bestätigen.
Langjährigkeitsmedaillen werden an einem grün-weiß-grünen Dreiecksband getragen.
Mit jeder Auszeichnung ist eine in schlichter Ausstattung angefertigte Urkunde für die Verleihung auszufolgen.
Die Eingaben sind an die Bundesgeschäftsführer zu richten und müssen mindestens drei Monate vor der Verleihung dort eintreffen.
Die Langjährigkeitsmedaillen und die betreffenden Urkunden werden auf Antrag einer Kompanie und unter Verwendung des in der Bundeskanzlei aufliegenden Antrages vom Bundesgeschäftsführer ausgefertigt und gegen Kostenersatz an die antragstellende Kompanie weitergeleitet.
II
Verdienstmedaillen
Für besondere und außerordentliche Verdienste um das Tiroler Schützenwesen werden als Dank und Anerkennung "Verdienstmedaillen" verliehen. Für die Verleihung einer Auszeichnung für Verdienste um das Tiroler Schützenwesen ist ausschließlich die Bedeutung des Wirkens einer Person im Interesse des Tiroler Schützenwesens maßgeblich. Dabei ist ein strenger Maßstab anzulegen.
Die Eingaben von Verdienstmedaillen mit Ausnahme der "Goldenen" sind an die Bundesgeschäftsführung zu richten und müssen mindestens drei Monate vor der beabsichtigten Verleihung dort eintreffen.
Die Verdienstmedaillen und die betreffenden Urkunden werden auf Antrag einer Kompanie und unter Verwendung des in der Bundeskanzlei aufliegenden Formulars vom Bundesgeschäftsführer ausgefertigt und gegen Kostenersatz an den Antragsteller weitergeleitet.
Die Bundesleitung ist berechtigt Personen, die nicht dem Bund der Tiroler Schützenkompanien angehören und für das Schützenwesen allgemein besondere Leistungen erbracht haben nach einstimmigen Beschluß einen Antrag für Verdienstmedaillen beim Bundesausschuß einzubringen. Ebenso kann die Bundesleitung Anträge für Bundesleitungsmitglieder einbringen.
Die Bundesleitung ist weiters berechtigt, Personen, die dem Bund der Tiroler Schützenkompanien angehören, aufgrund einer besonderen bzw. hervorragenden Leitung für das gesamte Tiroler Schützenwesen (auch Einzelleistung) - nach Rücksprache mit dem zuständigen Bataillonskommandanten - die Bronzene oder Silberne Verdienstmedaille zu verleihen. (Beschluß BA vom 12 10 1997)
Bronzene Verdienstmedaille:
Für besonders fleißige und eifrige Amtsträger in der Kompanie, deren Einsatz und Verantwortungsbewußtsein über die allgemeine Tätigkeit als Mitglied hinausreicht und deren Arbeit ehrenamtlich versehen wird. Die Tätigkeit muß sich zum Wohle der Kompanie auszeichnen.
Anträge sind an den Bund mit den vorgesehenen Formularen über den Bataillons- Bezirks- oder Regimentskommandanten einzureichen. Eine Kompanie kann pro Jahr höchstens zwei Schützen einreichen.
Über die Verleihung der "Bronzenen Verdienstmedaille" entscheidet die Bundesleitung oder ein von ihr beauftragtes Gremium. Vom zuständigen Viertelkommandanten ist der Antrag abzuzeichnen.
Silberne Verdienstmedaille:
Voraussetzung für die Verleihung dieser Auszeichnung ist eine langjährige und verdienstvolle Tätigkeit die zum besonderem Wohle der Kompanie in Verwendungen die auch einem Bataillon oder Bezirkes, bzw. einem Regiment zum Vorteil gereichen.
Für die Verleihung der Auszeichnung ist ausschließlich die Bedeutung des Wirkens einer Person im Interesse des Schützenwesens maßgeblich. Anträge sind an den Bund mit den vorgesehenen Formularen über den Bataillons-, Bezirks- oder Regimentskommandanten einzureichen. Eine Kompanie kann pro Jahr nur einen Schützen einreichen.
Über die Verleihung der "Silbernen Verdienstmedaille" entscheidet die Bundesleitung analog der Bronzenen Verdienstmedaille.
Goldene Verdienstmedaille
Die goldene Verdienstmedaille als ranghöchste Auszeichnung darf nur für besondere und außergewöhnliche Verdienste verliehen werden. Für die Verleihung der Goldenen Verdienstmedaille ist ausschließlich die Bedeutung des Wirkens einer Person im Interesse des Tiroler Schützenwesens maßgeblich. Dabei ist ein strenger Maßstab anzulegen.
Antragsberechtigt sind alle Kompanien, Bataillone (Bezirks- oder Talschaften) und Regimenter des Bundes der Tiroler Schützenkompanien.
Die Anträge sind entsprechend zu formulieren und zu begründen. Nach Vorlage an das zuständige Bataillons, Bezirks- oder Regimentskommando ist der Antrag mit einer Stellungnahme der Viertelversammlung vorzulegen. Die Viertelversammlung entscheidet mit einfacher Mehrheit über die Vorlage an den Bundesausschuß.
Mit Ausnahme des Schützenviertels Osttirol, kann jedes Schützenviertel pro Jahr eine Goldende Medaille beantragen. Dem Schützenviertel Osttirol steht derzeit auf Grund seiner geringeren Anzahl von Kompanien nur jedes zweite Jahr eine Medaille zu.
Über die Verleihung der "Goldenden Verdienstmedaille" entscheidet schlußendlich der Bundesausschuß mit einfacher Mehrheit.
Die Kosten für die Goldene Verdienstmedaille hat der Bund zu übernehmen.
Gründe zur Einreichung von Verdienstmedaillen:
- Bronze: wegen langjähriger (mindestens 3 Funktionsperioden) verdienstvoller Tätigkeit als Kompaniefunktionär mit eigenverantwortlichen Aufgaben z.Bsp. Kassier, Schriftführer Chronist, usw..
- Silber: wegen langjähriger (mindestens 5 Funktionsperioden) verdienstvoller Tätigkeit als Kompaniefunktionär in einer führenden Position mit eigenverantwortlicher Aufgaben z.Bsp. Hauptmann, Obmann und deren Stellvertreter, oder Funktionen die über die Kompanie hinaus gehen (Bataillonskassier etc.)
- Gold : wegen langjähriger verdienstvoller Tätigkeit als Funktionär des Bundes der Tiroler Schützenkompanien (Kompanie-, Bataillons-, (Bezirks-, Talschafts-) oder Regimentskommandanten oder deren Stellvertreter und Bezirksmajore, sowie Mitglieder der Bundesleitung bzw. des Bundesausschusses usw.
Der Begriff "langjährig" hat bei Kompaniekommandanten mindestens 35 - 40 "Dienstjahre" als Funktionär zu betragen. Bei anderen Amtsträgern muß eine Mindestdienstzeit von 3 Funktionsperioden vorliegen.
im Zeichen unvergänglicher Werte
Vor 45 Jahren hat die Tiroler Landesregierung beschlossen, zur Erinnerung an die Befreiung Tirols im Jahre 1809 das Fest Maria Himmel Fahrt als Landesfeiertag zu begehen, Durch diese Stiftung sollte die Glaubensstärke, der Freiheitswille und die Vaterlandsliebe der helden¬mütigen Verteidiger Tirols der gegenwärtigen und zukünftigen Generation gewahrt bleiben. Es sollte auch „Unserer Hohen Frau von Tirol" ein Werk der Dankbarkeit und Verehrung gesetzt werden, weil sie dieses Land in Zeiten allgemeiner Landesnot so oft und offenkundig beschützt hatte. Der Hohe Frauentag wurde 1959 zu einem Fest aller Tiroler, die ihrer stolzen Geschichte gedenken und sich ihrer Verantwortung für Gegenwart und Zukunft sowie für die kommenden Generationen bewusst sind.
Der Hohe Frauentag am l5. August gilt in Tirol seit vielen Generationen als einer der höchsten Feiertage des Jahres. Die Hohe Frau ist in vielen Gemeinden die Schutzpatronin der betreffenden Pfarrkirche, In allen Teilen des Landes gibt es Wallfahrtskirchen, die der Gottes¬mutter geweiht und das Ziel vieler Pilger sind.
Das Volk von Tirol war immer ein gläubiges Volk. Es hat Pest, Hunger und Kriege erlebt und gewusst, dass es in den Bergen von Lawinen und Muren und von Hochwasser bedroht ist und dass die Kräfte der Menschen zum Schutz vor Katastrophen nicht reichen. Der Glaube blieb daher im Tiroler Volk bis in die Gegenwart tief verwurzelt.
Darüber hinaus bedeutet uns der 15. August aber auch das Gedenken an die Schlacht am Bergisel vom Jahre 1809. Damals erhob sich bekanntlich das Tiroler Volk gegen die französische Besatzung und gegen die Besatzung der Bayern und leitete schließlich nach schweren Opfern und großen Leiden die Entwicklung für die Befreiung Europas ein.
Der 15. August wird daher wohl der stolzeste Tag in der Geschichte Tirols sein, weil dieses tapfere Volk einen Sieg über eine überwältigende Übermacht erringen konnte und damit gezeigt hat, dass ihm Freiheit, Eigenart und Glaube an überirdische Kräfte näher als alles andere waren.
Kurz vor der siegreichen dritten Bergiselschlacht Mitte August 1809 hielt Andreas Hofer im Juli eine Bauernversammlung in Lienz unter Beteiligung aller Kommandanten der Schützenkompanien des Bezirkes ab und reiste nach Sterzing weiter. Schützenhauptmann Steger übernahm die gesamte Verteidigung in diesem Bereich. Namen wie Hauptmann Hiebler, Hauptmann Georg Hauger, Hauptmann Achammer und viele andere sind bis heute unvergesslich. Das Land Tirol war immer schon sehr freiheitsliebend und setzte alles daran, seine Freiheit mit allen zur Verfügung stehenden Kräften zu verteidigen. Formuliert hat diese Gedanken Kaiser Maximilian 1., der im Jahre 1511 im Einvernehmen mit den Ständen das Landlibell erließ, als die neue Wehrverfassung, in der den freien Tirolern, die bereits damals die wesentlichen Grundrechte einer demokratischen Landesordnung besaßen, Freiheit und Verteidigung des Landes anvertraut wurden. Da unser Land auf Grund seiner geographischen Lage immer schon vor Angriffen geschützt werden musste, war es in allen Jahrhunderten bereits ehrenvolle Aufgabe der Männer Tirols, ihre Heimat und ihre persönlichen Rechte erfolgreich zu verteidigen.
Der Tiroler Historiker Prof Kramer sagte in seinem Buch „Tirol 1809‘, dass im Gedenken an die Freiheitskämpfe unserer Vorfahren drei Dinge ihren unvergänglichen Wert behalten: „Tirol hat mit der ersten selbständigen Volkserhebung im gesamtdeutschen Raum begonnen, die Früchte zur Rettung Europas reiften erst später. Die Einheit des Landes Tirol trat in diesem historischen Jahr besonders deutlich hervor. Vor allem aber haben die Tiroler in jenen Tagen für ihre Heimat und den Glauben der Väter für die Freiheit des christlichen Menschen im Herzen Europas und damit für Wirklichkeiten gekämpft, ohne die es auch heute ein wahrhaft menschliches Zusammenleben nicht gibt.‘ Als Garant für ein gelungenes menschliches Zusammenleben ist es heute notwendiger denn je, dass Europa ein Raum sozialer Gerechtigkeit wird, in dem auch die Kräfte für eine weltweite Solidarität besonders mit Völkern in großer Not immer stärker werden.
Unter „Böllerschießen“ im Sinne des § 24 Pyrotechnikgesetz 1974 ist das Zünden von Pulverladungen zur Erzeugung einer Knallwirkung zu verstehen.
Das Böllerschießen ist gem. § 25 Abs. 1 leg.cit. nur unter Verwendung von Böller (Salut)kanonen - diese unterliegen nicht dem Waffengesetz 1996 - mit Böllerpatronen sowie von Sicherheitsböllern mit einer Papphülle, die einen Knallsatz von nicht mehr als sieben Gramm Schwarzpulver enthalten und eine Zündschnur mit einer Brenndauer von mindestens sechs Sekunden Aufweist, gestattet.
Das Böllerschießen ist gern. § 26.Abs. 1 Pyrotechnikgesetz 1974 nur auf Grund einer besonderen Bewilligung zulässig. Nach Abs. 2 ist die Bewilligung nach Abs. 1 zur feierlichen oder festlichen Anlässen, bei denen das Böllerschießen Brauchtum darstellt, auf Antrag Personen zu erteilen, die
- das 18. Lebensjahr vollendet haben und
- die hiezu erforderlichen schießtechnischen Kenntnisse besitzen,
sofern unter Bedachtnahme auf Ort und Zeit des beabsichtigten Böllerschießens gewährleistet ist, das Sicherheitsgefährdungen und unzumutbare Lärmbelästigungen vermieden werden. Die Behörde hat nach Abs.3 Ort und Zeit des Böllerschießens im Bewilligungsbescheid anzuführen und mit diesem die zur Vermeidung von Sicherheitsgefährdungen erforderliche Anordnungen (z.B. Vorschreibung von Sicherheitsabständen) zu treffen.
Bei Einhaltung der im Bewilligungsbescheid angegebenen Orts- und Zeitangaben sowie der allenfalls sonst getroffenen Anordnungen wird die unzweifelhaft entstehende Lärmbelästigung für Mensch und Tier — vielfach beginnt das Böllerschießen bereits um 5 Uhr Früh — weder auf Grund der einzelnen landesgesetzlichen Polizeistrafgesetze zu verfolgen noch durch eine ortspolizeiliche Verordnung der Gemeinden verboten werden können.
Brauchtum ist eben Brauchtum.
